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Die wichtigsten Flugfelder des Reiches und der Union waren durch farbige Lichter markiert. Im Zentrum die drei Flughäfen der Reichshauptstadt Berlin: Tempelhof, Schönefeld und Straußberg. Dann die Hauptflugfelder der Reichsländer und Reichsprovinzen. Hamburg, München, Frankfurt, Köln, Stuttgart, Leipzig, Straßburg, Danzig, Luxemburg, Posen und Königsberg im Kernreich. Antwerpen, Amsterdam, Wien, Prag, Brüssel und Zürich in den neuen Reichsländern. Im Konföderationsgebiet Paris, Reval und Mailand sowie Marseille. Dazu unzählige kleinere Lichter, die weitere Flughäfen anzeigten. In kräftigem Magentarot war das Territorium des Kernreichs mit den Außenregionen und Reichsländern, Holland, Belgien, das Großherzogtum, Böhmen-Mähren und Helvetien gezeichnet. Etwas heller der Gau Baltikum, die Lombardei, Großungarn und Altösterreich sowie die Grafschaft Tirol. In Altrot das Protektorat Serbien. Ganz hell der neue Osten, das Reichsland Ukraine. In leuchtendem Rot Großfrankreich mit der Sapaudia sowie dem Königreich Nizza-Savoyen. Dem Beitritt Frankreichs als gleichberechtigtes Konföderationsmitglied im Jahre 1953 durch den so genannten Élysée-Vertrag war ein langer historischer Prozess vorhergegangen. Jahrhundertelang hatten Deutschland und Frankreich in Krieg und Streit miteinander gelegen. Im Dreißigjährigen Krieg, in den verschiedenen Erbfolgekriegen, im Siebenjährigen Krieg, in den Napoleonischen Kriegen sowie im Reichseinigungskrieg 1870/71. Und zuletzt in dem schrecklichen Ringen um die Vorherrschaft in Europa im Großen Krieg in den Jahren 1914 bis 1918. Millionen von Tote hatte der Krieg gekostet, das Reich war an die Grenzen seiner Kraft geführt worden. Der Stellungskrieg im Westen, die ungeheuren Materialschlachten, die Hungerblockade hatten den Durchhaltewillen des Volkes beinahe gebrochen. Sein Großvater hatte ihm als Kind von den Kämpfen erzählt. Wie das Artilleriedauerfeuer Stunde um Stunde wütete, ganze Bataillone fraß und Mensch und Material gleichsam zermalmte. Anfang 1917 sah es dann fast so aus, als ob die USA sich in das Ringen einschalten würden und dadurch der Krieg verloren gehen könnte. Schon anlässlich der Lusitania-Affäre war mit dem Kriegseintritt der Amerikaner gerechnet worden. 1915 wurde das britische Passagierschiff RMS Lusitania vor der Südküste Irlands von einem deutschen U-Boot versenkt. Dieser Zwischenfall kostete fast 1.200 Menschen das Leben – darunter 128 US-Amerikaner. Zwar war die Lusitania weder bewaffnet noch dem direkten Befehl der britischen Admiralität unterstellt gewesen, doch die Führung der Royal Navy nutzte das Schiff zur Beschaffung von kriegswichtigen Gütern. Die Lusitania transportierte auf allen Überfahrten in östlicher Richtung Munition und andere, eindeutig gegen die Blockaderegeln verstoßende Güter. Diese Transporte unterlagen strenger Geheimhaltung, faktisch wurde das Schiff zum „Blockadebrecher“ und war seit der deutschen Erklärung der britischen Gewässer zum Kriegsgebiet am 4. Februar 1915 legitimes Ziel für einen Angriff durch deutsche Seestreitkräfte. Bei der letzten Fahrt befanden sich 8.200 Frachtkisten mit Kriegsmunition verschiedener Art an Bord; die Kisten waren aus Geheimhaltungsgründen als Jagdgewehrmunition deklariert. Dann kam es zur Versenkung des Schiffes. Im Hinblick auf die nachgewiesene Munitionsladung äußerte sich der amtierende Außenminister William Jennings Bryan gegenüber Präsident Wilson, dass es das Recht der Deutschen sei, Konterbanden zu bekämpfen und es nicht angehen könne, Passagiere, Frauen und Kinder als Schutzschilde zu missbrauchen. Ähnlich reagierte auch die amerikanische Bevölkerung, die trotz der Tragödie keinen Anlass zu einer Verstrickung in den europäischen Krieg sah. Als sich jedoch die Verluste häuften und weitere Amerikaner umkamen, drohte die Stimmung erneut zu kippen. Ultimativ wurde das Reich aufgefordert, den U-Boot-Krieg zu beenden. Notgedrungen ging die Marineleitung darauf ein, zur Freude der Briten, die ungehindert ihren Nachschub heranschafften. Schließlich wurde die Blockade, trotz amerikanischer Drohungen, wieder aufgenommen und eine Kriegserklärung der Vereinigten Staaten schien unmittelbar bevorzustehen. Da nahmen im Februar 1917 die schon länger schwelenden Spannungen der USA mit Mexiko rapide zu. Der mexikanische Präsident Venustiano Carranza ging aktiv gegen amerikanische Investoren vor, drohte offen mit Enteignungen und mit einer Invasion der ehemaligen mexikanischen Gebiete Kalifornien und New Mexico. Präsident Wilson antwortete mit einem Truppenaufmarsch am Rio Grande, der Südgrenze der Vereinigten Staaten. Ein gleichzeitiges Engagement in Europa lehnte er bis zur Beendigung der Mexikokrise ab. Im März 1917 entdeckte ein findiges Reporterduo der Washington Post, dass der Erste Lord der Admiralität im britischen Marineministerium, Winston Churchill, den Zwischenfall mit der Lusitania bewusst arrangiert hatte. Die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten war hell empört, dass amerikanische Bürger sozusagen als Köder gedient hatten und die Stimmung wandelte sich erneut zugunsten Deutschlands. „Das erste Opfer eines jeden Krieges ist die Wahrheit“, äußerte Hiram Johnson, damals Senator für den US-Bundesstaat Kalifornien. Damit war die Lage im Westen deutlich besser geworden. Im Südosten sah es allerdings bedenklich aus. Dem Reich war es nicht gelungen, den Gegner von der Balkanhalbinsel zu vertreiben. Die Schwäche des Osmanischen Reiches band starke Kräfte im Nahen Osten. Andererseits hatten Engländer und Griechen nicht die Kraft, die bulgarische Front zu durchstoßen. Im Osten leitete das Jahr 1917 die Wende des Krieges ein. Die beiden russischen Revolutionen im Februar und Oktober 1917 führten zum Zusammenbruch Russlands und zum Siegfrieden von Brest-Litowsk im März 1918. Die Ukraine und Finnland wurden unabhängig und feste Bündnispartner des Reichs. So gestärkt, begann General von Ludendorff am 21. März an der Westfront mit der Operation Michael eine Serie von fünf deutschen Offensiven, die so genannte Kaiserschlacht. Auf eine 70 Kilometer breite Front zwischen Arras und Anizy konzentrierte sich der Angriff. An der bis Juli dauernden Schlacht waren drei Armeen mit insgesamt 76 Divisionen beteiligt. Auch von diesem Geschehen hatte Warthenbergs Großvater Robert erzählt: „Das Pfeifen der Maschinengewehre zischte um uns“, berichtete Karl-Friedrich von Warthenberg, „im kühnen Stoß preschten wir vorwärts. Ganze feindliche Bataillone streckten die Waffen. Wir kämpfen, wir fallen, wir siegen!“ Churchill plante zur Entlastung einen Großbomberangriff mit Gasbomben auf Berlin und befahl den Einsatz neuer Truppen aus den Dominien. Da brach mitten in der Offensive die indische Revolte unter Arabinda Ghosh in Delhi los. Parallel erhob sich in Dublin und Belfast der zweite irische Volksaufstand. Die Briten zogen unverzüglich ihre Truppen aus der Westfront ab, mit katastrophalen Folgen für ihren französischen Alliierten: Vier Jahre lang hatten die Franzosen tapfer die Front gehalten. Mit dem Taxi hatte in der Marneschlacht Marschall Petain die Soldaten in den Kampf geworfen und den deutschen Vormarsch zum Stehen gebracht. Schreckliche Jahre folgten, der Höhepunkt war das blutige Ringen um die Festung Verdun. Auf beiden Seiten wankte die Front, fiel aber nicht. Der jetzt erfolgte Rückzug der Briten während der deutschen Offensive wurde als Dolchstoß empfunden. Ein Stoß mitten ins Herz des einfachen Poilus - ein zweites Alesia. Bis zum Herbst versuchte die französische Armee noch, den Krieg allein weiterzuführen. Der österreichische Durchbruch in Norditalien in der 13. Isonzoschlacht ließ Italien kapitulieren. Die deutsche Landung in Südfrankreich und der Hundert- Zeppelinangriff auf Paris brachen den letzten Widerstand. Mitte Oktober 1918 standen die ersten Einheiten der 7. und 18. Armee der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz direkt an der Stadtgrenze von Paris. Die 2. Armee unter dem General der Kavallerie von Marwitz und die 17. Armee unter Otto von Below überrannten Albert und Amiens und stießen bis zur Kanalküste vor. Durch die Sichelschnittoffensive wurde jeglicher Nachschub abgeschnitten und die französische Armee endgültig geschlagen. In Paris brach ein Aufstand aus, Frankreich war am Ende. Georges Benjamin Clemenceau, der das Amt des französischen Ministerpräsidenten im November 1917 während erster Meutereien im Heer und Streiks unter den Rüstungsarbeitern übernommen hatte, bat um einen sofortigen Waffenstillstand. Dieser wurde am 11. November 1918 im Wald von Compiègne in der Picardie unterzeichnet. Die deutsche Seite war klug genug, trotz des französischen Zusammenbruchs, auf einen Verständigungsfrieden zu setzen. Im Frieden von Luxemburg einigten sich der Reichskanzler Prinz Max von Baden und sein späterer Nachfolger Friedrich Ebert mit dem neuen Staatspräsidenten Aristide Briand sogar auf eine Revision der Westgrenze zugunsten Frankreichs. Lothringen wurde zurückgegeben und Frankreich wurden außerdem Teile Belgiens und die französischsprachige Westschweiz überlassen. Das 1867 selbstständig gewordene Luxemburg kehrte dafür ins Reich zurück. Ebenfalls hinzu kamen das flämische Belgien und, nach einer Volksabstimmung, die Deutsch-Schweiz. Der Friede von Luxemburg wäre in dieser Form kaum möglich gewesen, wenn Kaiser Wilhelm II. nicht überraschend einen Thronverzicht zugunsten seines sechsten, erst 27-jährigen Sohnes Prinz Joachim Franz Humbert von Preußen verkündet hätte. Der Prinz war bis zum Krieg öffentlich kaum in Erscheinung getreten. Er hatte die für Kaisersöhne übliche Militärlaufbahn eingeschlagen und war zu Kriegsbeginn mit seiner Einheit zur Verteidigung Ostpreußens abkommandiert worden. In der Schlacht an den Masurischen Seen wurde er im Spätsommer des ersten Kriegsjahres schwer verwundet. Diese Tatsache und der Einfluss seiner Frau Prinzessin Marie Auguste von Anhalt, die er im März 1916 heiratete, führten zu einer radikalen Wandlung des Hohenzollernprinzen. Mit dem heimlichen Einverständnis seines Vaters, der sich durch die oberste Heeresleitung um Macht und Einfluss gebracht sah, unterstützte Prinz Joachim den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger. Dieser gründete einen interfraktionellen Ausschuss, der eine Friedensresolution des Reichstags vorbereitete. Kanzler Bethmann Hollweg bekam vom Kaiser die Erlaubnis, ihr zustimmen zu dürfen. Die Führer der obersten Heeresleitung Hindenburg und Ludendorff sahen jedoch ihre Kriegspolitik durchkreuzt und setzten bei Wilhelm II. ultimativ die Entlassung seines Reichskanzlers durch. Auf Drängen der OHL wurde Georg Michaelis neuer Reichskanzler. Dieser agierte in ihrem Sinne und verweigerte die Umsetzung der Friedensresolution. Der Kaiser war verärgert, und als der Kanzler auch die Reichstagsmehrheit vor den Kopf stieß, löste Georg Graf von Hertling Michaelis im Amt ab. Die Regierung Hertling stellte einen wichtigen Schritt zur Parlamentarisierung des Reiches dar, da der neue Kanzler sein Regierungsprogramm vorab mit den Mehrheitsparteien des Reichstages abstimmen musste. Mit dem Linksliberalen von Payer als Vizekanzler und dem Nationalliberalen Robert Friedberg als stellvertretendem preußischem Ministerpräsidenten wurden zwei erfahrene Parlamentarier als Verbindungsleute zu den Parteien in die Regierungsverantwortung aufgenommen. Im September 1918 allerdings verlor Hertling das Vertrauen der SPD; sie wollte nur unter einem Politikwechsel in die Regierung eintreten. Auch die Regierungen von Bayern und Baden meinten, dass Hertling nicht der geeignete Mann für eine konsequente Friedenspolitik war. Unter dem Eindruck des bevorstehenden Sieges war der Kaiser im Oktober 1918 bereit, einer neuen Politik auf der Basis einer breiten parlamentarischen Mehrheit eine Chance zu geben. Er entließ Hertling und Prinz Max von Baden folgte. Auch die beiden höchsten Militärs, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und der Erste Generalquartiermeister Erich von Ludendorff wurden entlassen – und der Kaiser trat zurück! Müde und gezeichnet von den Anstrengungen der letzten Jahre, den Kriegsschrecken und den Auseinandersetzungen mit der OHL, zog sich der 59-jährige Kaiser ins holländische Doorn zurück, wo er 1941 verstarb.

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