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20. Juli 1944, Ostpreußen Oberst Graf Schenk von Stauffenberg flog am 20. Juli um 7:00 Uhr mit seinem Adjutanten Oberleutnant von Haeften von Rangsdorf nahe Berlin mit dem Flugzeug zur „Wolfsschanze“ bei Rastenburg in Ostpreußen. Das Hauptquartier war am 14. Juli vom „Berghof“ bei Berchtesgaden zurück zur „Wolfsschanze“ verlegt worden, denn die Lage im Zentrum der Ostfront gestaltete sich derart bedrohlich, dass Hitler durch persönliche Nähe und Einflussnahme die instabile Lage wiederherstellen wollte. Das Führerhauptquartier lag im Rastenburger Stadtwald, dem sogenannten „Forst Görlitz“, etwa 8 km östlich der Stadt Rastenburg. Der Forst war so dicht bewachsen, dass alle Gebäude wenigstens teilweise von Bäumen umstanden und somit dem Blick entzogen waren. Zusätzliche Tarnbäume verbargen die Bauwerke vor einer möglichen Sicht aus der Luft. Stauffenbergs Flugzeug landete. Ein Fahrer holte ihn ab und brachte ihn im Wehrmachtswagen zum Quartier. Südlich der Straße, einige hundert Meter vom „Bahnhof Görlitz“ von der Linie entfernt, die Rastenburg mit Angerburg und dem Oberkommando des Heeres verband, lag der Sperrkreis II, der die Dienst- und Wohnräume des Wehrmachtführungsstabes und der Lagerkommandantur sowie das Kasino und die Küchen enthielt. Nördlich der Straße, einen Kilometer nach Osten, befand sich der Sperrkreis I mit den Gebäuden für die oberste Führung. Dort hielten sich heute Hitler, Keitel, Jodl, Göring, Himmler und Bormann sowie diverse Adjutanten, Leibärzte und zusätzliche Hilfskräfte auf. Einige Fahrstraßen und Wege verbanden die Baulichkeiten, die in der dichten Bewaldung verstreut lagen. Die Gebäude der Sperrkreise waren teils Holzbaracken, teils unterstandartige, halb in den Erdboden eingelassene Betonkonstruktionen oder oberirdische Betonbunker. Dazu hatte man, unabhängig von dem Sperrkreis, noch einen Sondersperrkreis im südwestlichen Teil des Gebietes errichtet, „Führersperrkreis" genannt. In diesem, mit hohem Maschendraht abgeteilten Bereich, lagen der Gästebunker und die sogenannte Speer-Baracke. Während der Fahrt fühlte sich Stauffenberg seltsam ruhig, obwohl er wusste, dass der heutige Tag alles entscheiden würde. Alles - denn er war mit dem Ziel angereist, Adolf Hitler zu töten! Schon am 11. Juli hatte er auf dem Berghof und vor ein paar Tagen auch hier im Führerhauptquartier versucht, das Attentat auf den „Führer“ und sein engstes Gefolge auszuführen. Doch beide Versuche musste er abbrechen, da die NS-Spitze nicht vollständig vor Ort gewesen war. Einmal hatte Heinrich Himmler und das andere Mal Hermann Göring gefehlt, beide neben Hitler zentrale Träger der Macht, die nicht überleben durften. Jetzt konnte der Anschlag nicht mehr verschoben werden, da die Zeit drängte. In der Normandie stießen Amerikaner und Engländer in Eiltempo vorwärts, und hier im Osten näherte sich die Rote Armee unaufhaltsam dem Reichsgebiet. Wenn für Deutschland noch irgendetwas zu retten sein sollte, dann musste er heute erfolgreich sein. Sie hatten alle denkbaren Attentatsvarianten durchgespielt. Generalmajor von Tresckow schlug zunächst vor, das Führerhauptquartier von außen mithilfe zuverlässiger Truppen direkt einzunehmen. Doch das Risiko, dass eine solche Aktion misslingen würde, ließ sich nicht abschätzen. Denn die „Wolfsschanze“ war durch das „Führer-Begleit-Bataillon“, welches mittlerweile Regimentsstärke besaß, umfassend gesichert. Der motorisierten Formation standen Panzer, Flugzeugabwehrkanonen und eingebaute schwere Waffen zur Verfügung. Ein rascher Handstreich war daher undenkbar. Voraussetzung wäre auch eine absolute Nachrichtensperre zwischen dem Führerhauptquartier und der Außenwelt gewesen. Diese konnte aber nicht gewährleistet werden. Ein Kampf zwischen den eigenen Truppen und den Sicherungskräften und anderen, Hitler treuen Wehrmachtseinheiten war in seinem Verlauf und seinem Ausgang einfach nicht kalkulierbar. Auch schien es kaum möglich, die zu einer Inbesitznahme erforderlichen Einheiten an das Führerhauptquartier nahe genug heran zu transportieren, ohne dass die dortigen Kräfte im Vorfeld bereits davon erfahren hätten. Nein, nur durch ein Attentat war das „Problem“ zu lösen. Ein Attentat, das die gesamte verbrecherische Führungsclique auslöschen sollte. Und das konnte nur jemand ausführen, der direkten Zugang zu Hitler hatte. Alles war akribisch vorbereitet. Georg und Philipp Freiherr von Boeselager standen bereit, um mit ihren Regimentern auf das bald „führerlose“ Berlin zu marschieren. Generalfeldmarschall von Witzleben wartete bereits im Rundfunkstudio, um direkt nach dem erfolgten Attentat das Volk zu informieren. Stauffenberg selbst hatte die Sprengsätze mit den zwei britischen chemisch-mechanischen Zündern scharfgemacht. Mit einer speziell für ihn angepassten Flachzange drückte er die Zünder der Bomben ein, worauf eine innerhalb einer Metallhülse in einer Glasampulle befindliche Säure einen dünnen Draht zu zerfressen begann, welcher nach einer gewissen Zeit abreißen und eine gespannte Feder mit dem Schlagbolzen auf das Zündhütchen der Initialsprengkapsel sausen lassen würde. Anschließend setzte er alles vorsichtig in seine Aktentasche. Jetzt hielt sein Wagen vor der Baracke. Stauffenberg stieg aus und ging mit dem Koffer in der Hand auf die Wache zu. Er betrat die Baracke. Die Besprechung hatte bereits mit dem Vortrag der „Ostlage" durch Generalleutnant Heusinger begonnen. Stauffenberg wurde Hitler von Keitel gemeldet und von diesem persönlich begrüßt. Danach trat der Oberst wieder zur Seite, um seine Aktentasche günstig zu platzieren, die er unter die rechte Hälfte des großen Lagetisches an die Innenseite stellte. Schon beim Betreten der Lagebaracke hatte er dem Telefonisten gesagt, er erwarte ein dringendes Gespräch aus Berlin. Mit dem Hinweis, er müsse schnell nach seinem Gespräch fragen, verließ Stauffenberg, ohne weiter aufzufallen, nach einigen Minuten das Lagezimmer. Er begab sich eilig zurück zum Wagen und fuhr los. Es war 12:41 Uhr. Die Sprengladung detonierte exakt um 12:42 Uhr in der mit 24 Personen gefüllten Lagebaracke. Es herrschte ein entsetzliches Inferno, gelblicher Qualm stieg auf und dunkler Rauch. Ein Mensch flog durch die zerborstenen Scheiben auf die glühenden Scherben. Im gleichen Augenblick fuhr der Wagen, den Stauffenbergs Adjutant Haeften organisiert hatte, vorüber. Eine dicke Qualmwolke stand über der Baracke. Karten- und Papierfetzen wirbelten in der Luft herum. Menschen in zerfetzten Kleidern, mit schwarzen Gesichtern taumelten aus der Baracke. Mitten unter ihnen befand sich Hitler. Er blutete im Gesicht und an den Händen, seine Kleidung war zerfetzt, aber der Mann lebte. Stauffenberg brüllte. „Halt!“ Er sprang aus dem Wagen und rannte das kurze Stück von der Straße auf den „Führer“ zu. Noch im Laufen zog er seine Pistole, knappe fünf Meter vor Hitler blieb er stehen. Dreimal schoss er. Hitler starrte ihn verwundert an und blickte auf seinen Oberkörper, auf dem sich ein blutiger Fleck ausbreitete. Er griff mit den Händen nach der Brust, wandte sich halb ab – und brach tot zusammen. Von allen Seiten liefen Wachsoldaten auf den Ort des Geschehens zu. Oberst Graf Schenk von Stauffenberg fühlte, wie ein Hochgefühl in ihm aufstieg: Es war vollbracht! Dann warf ihn eine Maschinenpistolengarbe zur Seite.

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