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Dies ist die Einführungsseite zu der Alternativgeschichte "Ein unsportlicher Weltretter" (B-Variante) von Sandrokottos.
Hitler 5

Der ermordete Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, 20. April 1939

In dieser Zeitlinie gelingen ein britischer Anschlag auf den "Führer und Reichskanzler" Adolf Hitler an dessen 50. Geburtstag und ein mit diesem koordinierter Militärputsch gegen das NS-Regime, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs. Die Planungen zu diesem Attentat haben auch in der UZL stattgefunden, eine Ausführung lehnten die damaligen Verantwortlichen jedoch als "unsportlich" ab. In dieser Zeitlinie ist der zentrale ZdA die Entscheidung des ehemaligen britischen Außenministers und Gegners der Appeasement-Politik Anthony Eden, sich gegenüber Premierminister Chamberlain nicht zurückzuhalten, sondern sich als Identifikationsfigur einer Gegenbewegung innerhalb der konservativen Partei zu etablieren. Infolgedessen tritt Arthur Neville Chamberlain am 17. März 1939 als Premierminister zurück und Anthony Eden bewilligt als sein Nachfolger die Attentatsmission des Berliner Militärattachées Noel Mason-MacFarlane. Sekundärer ZdA (und wichtig für die Unterscheidung zwischen A- und B-Variante dieser Alternativgeschichte) ist die Entscheidung des jungen Oberleutnants Claus Schenk Graf von Stauffenberg, sich 1938 im Vorfeld der Septemberverschwörung (entgegen UZL) zum Adjutanten des Oberbefehlshabers des Heeres, Walther von Brauchitsch, ernennen zu lassen, um am geplanten Umsturz gegen das NS-Regime teilnehmen zu können. Dadurch stellt Stauffenberg bereits fünf Jahre früher die entscheidende Frage, was "nach Hitler" werden solle und wie es gelingen könne, das NS-Regime tatsächlich gänzlich auszuschalten statt nur Hitler zu beseitigen.

Die Zeitlinie startet Ende der 1930er Jahre und beschreibt in ihrem Endstand die Situation zum Beginn der 1990er Jahre nach dem Zusammenbruch der faschistischen und kommunistischen Machtblöcke.

Vergleiche zur UZL (Unsere Zeitlinie) werden kursiv geschrieben.

Die A Variante dieser Zeitlinie findet sich hier!

Zur Methodik

Die Alternativgeschichte "Ein unsportlicher Weltretter" fühlt sich dem Ansatz der kontrafaktischen Geschichtsschreibung nach wissenschaftlichen Maßstäben verpflichtet. Das bedeutet, dass alle Inhalte der Geschichte so weit es geschichtswissenschaftlich möglich ist versuchen, den Handlungsrahmen Ende 1939 zu rekonstruieren und davon ausgehend Prognosen in die "Zukunft" abzusichern. Wichtig ist also immer zuerst die Frage: Wie reagieren die aus der Historie bekannten Charaktere auf neue Situationen? Ein Großteil der Geschichte des 20. Jahrhunderts wird - ausgehend von allgemeinen Trends und Entwicklungen - ähnlich verlaufen, wie in UZL. Wie in Deutschland in diesem Setting damit umgegangen wird, das ist die zentrale Frage. Und natürlich auch, welche Folgen sich aus einer durch die Verhinderung des Zweiten Weltkrieges deutlich längere Herrschaft der Nationalsozialisten für Deutschland und dessen Gesellschaft ergeben würden; denn schließlich ist das Trauma der NS-Zeit samt Holocaust und des verlorenen Zweiten Weltkrieges das prägende Element der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dadurch ist es auch nötig, die Alternativgeschichte schon in den 199er Jahren enden zu lassen, da sonst nicht nur mit Charakteren gearbeitet werden müsste, deren Leben nach 1939 anders verlaufen ist, sondern auch vermehrt mit solchen, deren Existenz sich überhaupt nicht voraussetzen lässt.

Vorgeschichte

Seit seiner Ernennung am 30. Januar 1933 hatte der aus Österreich stammende Reichskanzler Adolf Hitler energisch daran gearbeitet, das durch die Niederlage im Weltkrieg geschwächte, entwaffnete und großer Gebiete beraubte Deutsche Reich wieder in den Kreis der europäischen Großmächte zu führen und die Bestimmungen des verhassten und in der Bevölkerung als ungerecht empfundenen Versailler Vertrages zu revidieren.

In einem ersten Schritt hatte Hitler 1935 die Wehrpflicht wieder eingeführt. 1935 fiel das Saarland an das deutsche Reich zurück, 1936 erfolgte die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes. 1938 erfolgte im März die lang ersehnte Wiedervereinigung Deutschösterreichs mit dem Deutschen Reich.

Bis dahin hatten die Westmächte, allen voran Großbritannien unter seinem Premierminister Arthur Neville Chamberlain, auf eine Politik der Beschwichtigung (Appeasement) gesetzt in der Hoffnung, durch weitreichende Zugeständnisse Hitler besänftigen und von seinen immer deutlicher zutage tretenden Kriegsplänen abbringen zu können. In den vergangenen Jahren hatten sie eine ganze Reihe offener Brüche des Versailler Vertrages unkommentiert gelassen. Auch mehrere Gelegenheiten, Hitler durch ein gezieltes Attentat zu beseitigen, verstrichen ungenutzt.

Seit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, auf den Premierminister Chamberlain nicht reagiert hatte, und dem darauf folgenden Zerwürfnis zwischen ihm und seinem Außenminister Anthony Eden, etablierte sich eine einflussreiche innerparteiliche Opposition gegen die Appeasement-Politik. Eden wurde zum Sammelbecken aller konservativen Gegenkräfte und wurde dabei insbesondere vom ehemaligen Marineminister Winston Churchill unterstützt, einem bis dato wenig beachteten aber charismatischen Hinterbänkler, der um sich ebenfalls einen kleinen Kreis von Anti-Appeasern geschart hatte.
Chamberlain

Der britische Premierminister Chamberlain bei seiner Rückkehr von der Münchner Konferenz

Im September 1938 schließlich drohte die Appeasement-Politik zu scheitern, als Hitler die Tschechoslowakei aufforderte, die mehrheitlich von Deutschen bewohnten Randgebiete an das Deutsche Reich abzutreten. Hitler hatte bereits Vorbereitungen für eine Invasion befohlen, als auf Vermittlung des italienischen Diktators Benito Mussolini eine internationale Konferenz in München zustande kam, die schließlich die deutsche Position in allen Punkten bestätigte und so die unmittelbare Kriegsgefahr bannte. Hauptarchitekt dieses Vertragswerkes war der britische Premierminister Neville Chamberlain, der nach Abschluss der Konferenz in London erklärte, mit seinen Zugeständnissen an Hitler den "Frieden für unsere Zeit" gesichert zu haben. In Großbritannien selbst fiel das Echo gemischt aus. Eden, der Kopf der konservativen Opposition gegen die Appeasement-Politik Chamberlains, erhielt mir seinen kritischen Tönen stärkeren Zuspruch, als dieser erwartet hatte.

Die durch das Münchner Abkommen massiv geschwächte Tschechoslowakei wurde in den Folgemonaten von mehreren Seiten her in die Zange genommen. Bereits im Oktober 1938 hatte Polen das sogenannte Olsagebiet besetzt. Am 2. November besetzte Ungarn die mehrheitlich magyarischen Gebiete im Süden der Slowakei. Die Slowakei selbst erklärte ihre Autonomie innerhalb des Tschecho-Slowakischen Gesamtstaates.

Am 9. März 1939 rückten tschechische Truppen in die Slowakei ein und setzten die Landesregierung unter Jozef Tiso ab. Dieser flog am 13. März nach Berlin, wo Hitler ihn drängte, die Unabhängigkeit der Slowakei zu erklären. Dies geschah am folgenden Tag durch den Landtag in Pressburg.

Nur einen Tag später reiste der tschechische Staatspräsident Emil Hácha ebenfalls nach Berlin, wo ihm ohne Umschweife deutlich gemacht wurde, dass Hitler beabsichtige, das tschechische Gebiet zu besetzen und zu annektieren und dass man Hachá persönlich für jeden der Wehrmacht entgegengebrachten Widerstand verantwortlich machen werde. Dieser wies daraufhin die tschechischen Stellen an, dem deutschen Einmarsch, der am darauffolgenden Tag stattfand, keinen Widerstand entgegenzusetzen.

Einmarsch Prag

Parade der Wehrmacht im besetzten Prag, 16. März 1939

Am 15. März um sechs Uhr rückten die deutschen Truppen über die Grenze vor und erreichten gegen neun Uhr bei Schneetreiben die Hauptstadt Prag. Die deutsche Armee entwaffnete das tschechische Heer. Mit der Wehrmacht rückte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) ein und begann mit der Verfolgung deutscher Emigranten und tschechischer Kommunisten. Während dieser Aktion, die als „Aktion Gitter“ bekannt wurde, wurden einige Tausend Personen verhaftet. Hitler verließ um acht Uhr Berlin, traf am Abend in Prag ein und verbrachte die Nacht auf dem Hradschin. Am 16. März verkündete er, die Tschecho-Slowakei habe aufgehört zu bestehen. Die "böhmisch-mährischen Länder" seien wieder in ihre "alte historische Umgebung" eingefügt worden. Ein gleichzeitig veröffentlichter Erlass proklamierte das nun unter deutscher Gebietshoheit stehende und einem Reichsprotektor unterstellte Protektorat Böhmen und Mähren.

Anthony Eden

Anthony Eden nach seiner Ernennung zum Premierminister, 17. März 1939

Als in der Folge nun auch der britischen Öffentlichkeit die Wertlosigkeit der Friedensbeteuerungen Hitlers bewusst geworden war, sahen Eden und Churchill ihre Zeit gekommen, um Chamberlain aus dem Amt zu drängen. In einer langen Unterredung mit Eden ließ sich Chamberlain Überzeugen, zu dessen Gunsten zurückzutreten und den Weg für eine konsequentere Politik frei zu machen. Am 17. März trat Chamberlain vor die Mikrofone und verkündete, dass er König George VI. um seine Entlassung gebeten habe. Anthony Eden wurde neuer Premierminister und übernahm zugleich auch erneut den Posten des Außenministers, während er Churchill zum Kriegsminister machte. Das neue Führungsduo suchte nun nach Möglichkeiten, die wachsende deutsche Bedrohung einzudämmen. Mit dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt stand man in der Folge in engem Kontakt. Seine Forderung nach einer politischen Quarantäne für Deutschland und Italien erhielt nun auch in Großbritannien Auftrieb.

Das Attentat auf Adolf Hitler und die unmittelbaren Folgen

Stewart Menzies

Stewart Menzies war 1939 Leiter des britischen Geheimdienstes MI6

In diesem Moment tauchte ein Telegramm des britische Militärattachées in Berlin, Noel Mason-MacFarlane, im Außenministerium aus der Versenkung wieder auf. Diesem war nämlich bereits ein Jahr zuvor aufgefallen, dass die Ehrentribüne für die Parade zu Hitlers Geburtstag in jedem Jahr genau gegenüber seinem Apartment in Berlin aufgebaut wurde. Die Wohnung befand sich im 1. Stock, vom Badezimmerfenster aus war die Haupttribüne mit dem Ehrenplatz barrierefrei einsehbar. Ein ausgebildeter Scharfschütze sei ohne Weiteres in der Lage, auf die Distanz von etwa 90 Metern zwischen seiner Wohnung und der Tribüne sein Ziel mit einem einzelnen gezielten Schuss auszuschalten, eine Entdeckung durch den Lärm der Marschmusik und der schweren Gerätschaften der Armee unwahrscheinlich. 1938 war dieser Vorschlag MacFarlanes, Hitler an seinem Geburtstag zu erschießen, am damaligen Außenminister Lord Halifax gescheitert, der ihn schlussendlich als "unsportlich" abgelehnt und in einer Schublade abgelegt hatte. Im folgenden Jahr jedoch wurde endlich ernsthaftes Interesse an den Planungen des Diplomaten gezeigt, nachdem das Telegramm nach langen Irrwegen im Außenministerium den Schreibtisch von Stewart Menzies erreicht hatte. Menzies, der seit Anfang des Jahres Direktor des MI6 (oder des Secret Intelligence Service, wie er offiziell hieß) war, zeigte sich interessiert an Mason-MacFarlanes Planungen und bestellte ihn nach der Annektion der Rest-Tschechei am 15. März sogleich zu einer Unterredung nach London.

Planung des Attentats

Masonmacfarlane

Der Hitler-Attentäter Noel Mason-MacFarlane als britischer Militärattachée in Berlin, 1938

Am 18. März wurde der britische Militärattachée Noel Mason-MacFarlane am Broadway N°54 vorstellig und unterbreitete Menzies seine sehr detailreichen Planungen nicht nur für die Ausschaltung Adolf Hitlers, sondern zeitgleich auch des gesamten restlichen NS-Regimes. In seiner Zeit als militärischer Berater der britischen Botschaft hatte er eng mit der militärischen Führung des Reiches zusammengearbeitet und viele Kontakte geknüpft, vor allem zum Abwehroffizier Hans Oster und dessen Chef Wilhelm Canaris. Beide waren bereits im September 1938 maßgeblich an einem Umsturzplan beteiligt gewesen, der in der Sudentenkrise den drohenden Krieg abwenden sollte. Mason-MacFarlanes Plan sah vor, den Tod des Führers mit einem zeitgleich beginnenden MIlitärputsch zu koordinieren. Während die Menge durch den Anschlag in Aufruhr war, sollte das Militär als Ordnungsmacht auftreten und die auf der Führertribüne versammelte NS-Führungsriege in Schutzhaft nehmen. Anschließend sollten Ministerien und Rundfunkanstalten besetzt und per Reichsexekution der Ausnahmezustand verhängt werden. So sollte auch verhindert werden, dass die Gestapo den Attentäter noch am Tatort aufgreifen könnte und so eine britische Beteiligung offengelegt würde, die Konsequenzen nicht nur für das deutsch-britische Verhältnis, sondern auch ganz konkret für die Botschaftsmitarbeiter in Berlin bedeutet hätte.

Menzies zeigte sich "vorsichtig interessiert" an diesem Plan, obgleich er zu Bedenken gab, dass solch "unorthodoxe Methoden" nicht dem Ehrenkodex entsprächen, der die Arbeit des Geheimdienstes in der Verangenheit geleitet habe. Angesichts der veränderten Umstände müsse man aber für alle Optionen aufgeschlossen sein.

Am 19. März berieten sich Menzies und Mason-MacFarlane schließlich in der Downing Street mit Premierminister Eden, der sich von den Dimensionen und Möglichkeiten des Plans gleichermaßen erstaunt wie fasziniert zeigte. Insbesondere die Einweihung der deutschen Generalität hielt er für ein unkalkulierbares Risiko, ließ sich aber von Mason-MacFarlane überzeugen, dass über Hans Oster zunächst direkte Gespräche mit dem militärischen Widerstand über eine Zusammenarbeit beim Sturz des NS-Regimes aufgenommen wurden. Oster und der Adjutant des Oberbefehlshabers des Heeres, Oberleutnant Claus Schenk Graf von Stauffenberg, trafen sich am 30. März zu direkten Gesprächen mit Mason-MacFarlane und Stewart Menzies. Stauffenberg enthüllte den beiden britischen Offizieren die noch aus dem September 1938 stammenden und maßgeblich von ihm entwickelten Pläne, im Rahmen eines fingierten Attentats, das der SS in die Schuhe geschoben werden sollte, die NS-Führungsriege auszuschalten und einen parteiinternen Putsch vorzutäuschen, der dem Heer die nötige Legitimation bot, ordnungssichernd einzuschreiten und die Macht zu übernehmen. Von Noel Mason-MacFarlane sind aus dieser Unterredung folgende bedeutungsschwere Worte überliefert:

Am Abend des 20. April 1939 wird Adolf Hitler nicht mehr da sein. Von diesem Tag an liegt das Schicksal Deutschlands - im Guten wie im Schlechten - ganz allein in Ihren Händen.
Stauffenberg nahm nun direkten Kontakt zu seinem Vorgesetzten Walther von Brauchitsch und dessen Stabschef Franz Halder auf. Zeitgleich vermittelte Oster zur geheimdienstlichen Koordinierung den Kontakt zu seinem Vorgesetzten Vizeadmiral Wilhelm Canaris. Dieser ließ unter anderem mitteilen, dass der von ihm geleitete militärische Geheimdienst umfangreiche Akten über alle führenden Größen des Dritten Reiches angelegt habe, um diese in einem eventuell später stattfindenden Gerichtsverfahren gegen sie verwenden zu können. Am 4. April zog Oster über dessen guten Freund Hans Bernd Gisevius auch den Chef der Kriminalpolizei, Arthur Nebe, ins Vertrauen, der bereits über die Putschpläne vom September 1938 informiert gewesen war und im Anschluss an den Umsturz als Chef der Deutschen Polizei den inneren Frieden sichern sollte. Auch der Polizeipräsident und der Vizepolizeipräsident von Berlin, Wolf Heinrich Graf von Helldorff und Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, stellten sich wie bereits 1938 hinter die Planungen.

Am 5. April lag in N°10 Downing Street ein Telegramm vor, in dem der deutsche militärische Widerstand seine fortgeschrittenen Planungen für einen Staatsstreich im Gefolge des Attentats auf Adolf Hitler bestätigte. Gezeichnet war es von Generaloberst Ludwig Beck, Generaloberst Walther von Brauchitsch, General Franz Halder, Vizeadmiral Wilhelm Canaris und Carl Friedrich Goerdeler, der von den Putschisten für das Amt des Reichskanzlers einer Übergangsregierung ausersehen und von Ludwig Beck ins Vertrauen gezogen worden war. Damit waren die notwendigen Absprachen für den Umsturzplan getroffen und alles lag wortwörtlich in den Händen des Mannes, der diese Lawine durch seinen Vorschlag überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte: Noel Mason-MacFarlane.

20. April 1939: Der Führergeburtstag

Am Abend des 19. April folgte Hitler seiner gewöhnlichen Tagesroutine, die es einschloss, dass er mit seinen engsten Vertrauten in seinen Geburtstag hineinfeierte und - wie so oft - erst gegen vier Uhr zu Bett ging. Derweil wurde ganz Berlin festlich geschmückt und aus allen Teilen des Reiches Geschenke für den Führer in die Neue Reichskanzlei gebracht. Am nächsten Morgen um 8:00 Uhr eröffnete der Musikzug der SS-Leibstandarte Adolf Hitler mit einem Geburtstagsständchen vor den Toren der Reichskanzlei die offiziellen Feierlichkeiten. Im Anschluss folgten ab 8:30 Uhr bis etwa 9:30 Uhr die Vorbeizüge der Landsmannschaften in traditionellen Trachten. Darauf folgte der Empfang der Staatsgäste; des slowakischen Ministerpräsidenten Josef Tiso, des Reichsprotektors Konstantin von Neurath sowie des böhmischen Staatspräsidenten Emil Hácha. Ein Konzert des Matrosenchors leitete über zum Festumzug, bei dem sich Hitler in seinem Wagen nebst der übrigen NS-Granden durch die herbeigeströmte Menge zur Ehrentribüne für die Militärparade fahren und bejubeln ließ.

Der tödliche Schuss

Fuehrergeburtstag

Foto der Militärparade zum Führergeburtstag 1939, aufgenommen nur vier Minuten vor dem Attentat

Am 20. April 1939 um genau 15:00 Uhr begann schließlich, wie jedes Jahr, der Festumzug zum Geburtstag des 'Führers und Reichskanzlers'. Hitler nahm zu diesem Anlass über viereinhalb Stunden lang Paraden aller Waffengattungen der Wehrmacht ab. Im Badezimmer der Mietwohnung MacFarlanes brachte sich der Scharfschütze Howard Graves in Stellung, der vom Fenster aus freies Schussfeld auf sein exponiert etwa 90 Meter entfernt stehendes Opfer hatte. Als sich Hitler um 15:22 Uhr zum Gruß von seinem Platz erhob, traf ihn ein Schuss mitten in die Stirn. SS und Wehrmacht reagierten sofort, konnten aber eine allgemeine Panik nicht verhindern. Durch den entstandenen Tumult starben vier Zuschauer, über 300 weitere wurden verletzt. Auch lösten sich in der allgemeinen Verwirrung vereinzelt Schüsse, die später für die Umdeutung des Mordanschlags in einen Putschversuch Himmlers von entscheidender Bedeutung sein sollten. Derweil wurde Hitler in die Berliner Charité gebracht, wo das chirurgische Team um Ferdinand Sauerbruch um 15:44 lediglich noch Hitlers Tod feststellen konnte.

Ein Mord ohne Mörder

Die beiden Attentäter Noel Mason-MacFarlane und Howard Graves machten sich derweil auf den Weg zur britischen Botschaft, wo sie um 16:14 Uhr eintrafen. Durch das Chaos, das dem Attentat und den sich lösenden Schüssen folgte, war keine Behörde in der Lage, effektiv nach den Schuldigen des Anschlags zu suchen. So konnten sich im allgemeinen Gewusel zwei Briten, die zuvor die Mordwaffe in der Kanalisation versenkt hatten, unbehelligt auf den Weg in die britische Botschaft in der Wilhelmstraße 70 machen, wo sie sich vor dem Zugriff der deutschen Behörden in Sicherheit befanden. Die folgenden Tage sollten den Verantwortlichen ohnehin kaum eine Chance lassen, das eigentliche Verbrechen aufzuklären, denn schließlich galt es zunächst, die Ordnung im Reich militärisch wiederherzustellen und eine funktionsfähige Regierung zu etablieren, die das Kabinett Hitler beerben könnte.

Liquidierung der NS-Führung und Sicherung der Reichshauptstadt

Wehrmachtssoldaten

Derweil hatte nämlich der Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch, bereits um 15:29 Uhr die Order erteilt, sämtliche Mitglieder der auf dem Podium versammelten NS-Prominenz unter einstweilige Schutzhaft zu stellen, vorgeblich, um zu verhindern, dass weitere Mitglieder der Reichsregierung dem Attentäter zum Opfer fallen könnten. In unmittelbarer Nähe zur Ehrentribüne war allerdings bereits ein bewaffneter Stoßtrupp postiert worden, dessen einzige Aufgabe es war, nach dem tödlichen Schuss blitzschnell zu reagieren und getarnt als SS-Mannschaft im Windschatten der SS-Leibstandarte Adolf Hitler das Podium zu erstürmen und in der entstandenen Verwirrung gezielt weitere Mitglieder der Reichsregierung auszuschalten, während SS und Wehrmacht das Feuer aufeinander eröffneten. Mit Hermann Göring, Joseph Goebbels und Rudolf Hess wurden dabei noch einmal drei der mächtigsten Granden des Regimes direkt am Ort des Geschehens getötet. Der eigentliche Plan der Heeresleitung, die NS-Führung geschlossen vor Gericht zu stellen, war damit hinfällig. Der Stoßtrupp ging auf eine Initiative Osters zurück, dem es zu heikel erschien, die mächtigsten Männer nach Hitler am Leben zu lassen. Himmler allerdings wurde unauffällig hinausgeschleust und ab 16:02 Uhr im Bendlerblock, in dem sich die Zentrale der Abwehr und das Oberkommando des Heeres befanden, arrestiert. Ihm sollte auf Initiative Stauffenbergs im Nachgang das Massaker angelastet werden. Im Feuergefecht auf der Ehrentribüne kamen 16 Mann der Leibstandarte ums Leben, weitere 29 wurden teils schwer verletzt. Aufseiten der Wehrmacht starben vier Soldaten, elf weitere erlitten nicht-lebensbedrohende Schusswunden. Auch unter den unbeteiligten Zuschauern auf der Ehrentribüne gab es im Tumult einige Opfer. So starben ein Flottenkapitän, ein General der Luftwaffe und zwei Hauptmänner des Heeres, Generaladmiral Erich Raeder, der Oberkommandierende der Kriegsmarine, stürzte vom Podium, brach sich dabei den rechten Arm und erlitt zusätzliche Trittverletzungen im Bauchbereich. Nachdem die Armee die Lage erfolgreich beruhigt hatte, wurden die übrigen anwesenden Mitglieder der Leibstandarte verhaftet und anschließend ihre Kaserne in der ehemaligen Preußischen Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde vom Heer besetzt.

Hauserstürmung Wehrmacht

Überall in Berlin erstürmten Angehörige der Wehrmacht strategisch wichtige Positionen von SS, SD und Gestapo

Zeitgleich besetzten Einheiten der Wehrmacht zentrale Schlüsselpositionen in ganz Berlin. Bis 17:30 Uhr waren alle Ministerien unter der Kontrolle der Wehrmacht. Widerstand wurde keiner geleistet, denn schließlich waren die meisten Gebäude an diesem Tag unbesetzt, da die Reichsregierung ihn einmalig zum gesetzlichen Feiertag erklärt hatte. Ab 18:00 Uhr standen auch die Rundfunkstationen in der Reichshauptstadt restlos unter der Kontrolle des Heeres. Dass diese Aktionen so reibungslos über die Bühne gehen konnten, war auch dem Umstand zu verdanken, dass die Berliner Polizei unter ihrem Präsidenten Wolf Heinrich Graf von Helldorff sich auf die Seite der Putschisten stellte und ihrerseits eigenmächtig verschiedene SS-Führer verhaftete, während das Heer die SS-Dienststellen sicherte.

Gegen 17:45 Uhr erreichten die Einheiten des Heeres auch die SS- und SD-Zentrale im Prinz-Albrecht-Palais sowie das gegenüberliegende Gestapo-Hauptquartier in der Prinz-Albrecht-Straße 8. Dort wurde neben anderen auch der Chef der Sicherheitspolizei und des SD, Himmlers engster Vertrauter Reinhard Heydrich, festgenommen. Auch er sollte gemeinsam mit seinem Vorgesetzten wegen des angeblichen SS-Putsches zur Verantwortung gezogen werden.

Verlauf der Militärintervention in den Wehrkreisen

45-001

Auch auf dem Land marschierten im Laufe des Nachmittags die Wehrkreiseinheiten auf

Während in Berlin die Regierungszentrale gesichert wurde, alarmierte das Oberkommando des Heeres auch die Wehrkreise und gab den Befehl weiter, gegen Einrichtungen der SS in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet vorzugehen, um einen angeblichen Putschversuch niederzuschlagen. Die Nachricht vom mutmaßlichen Putschversuch der SS unter Himmler verbreitete sich in Windeseile im gesamten Reichsgebiet. Die Wehrkreiskommandeure reagierten schnell und mobilisierten ihre Truppen, die innerhalb von vier Stunden damit begannen, die völlig überrumpelte SS auszuschalten. An vielen Orten waren die lokalen SS-Führer zu irritiert von den Vorgängen, als dass sie effektiven Widerstand hätten leisten können. So konnten die meisten SS-Dienststellen wie auch die Einrichtungen des SD unblutig besetzt und die Verantwortlichen in Gewahrsam genommen werden. An zentralen Stellen kam es dennoch zu Konfrontationen. So verschanzten sich Einheiten der SA und SS auf dem Parteitagsgelände in Nürnberg, das daraufhin von der Wehrmacht erstürmt werden musste. 22 SS- und SA-Angehörige sowie drei Polizisten und ein Soldat der Wehrmacht kamen dabei ums Leben. Auch an anderen Orten kam es zu Feuergefechten und Häuserkämpfen.

Erschiessung-von-Aufständischen

Erschießung von Aufständischen des Nationalsozialistischen Untergrunds, Bayern, Frühjahr 1940

Einige versprengte Einheiten der Waffen-SS flüchteten sich in den Untergrund und versuchten in den folgenden Monaten von dort aus, mit Guerilla-Aktionen, Anschlägen und Attentaten gegen die Regierung vorzugehen. Der Nationalsozialistische Untergrund verbreitete bis weit in die 1950er Jahre hinein in mehreren Wellen von politischen Morden und Terroranschlägen Angst und Schrecken und stellte den zurückgewonnenen Rechtsstaat vor enorme Herausforderungen. In einigen Wehrkreisen weigerten sich einzelne Truppenteile, die Befehle zur Besetzung der SS-Dienststellen auszuführen und mancher bezweifelte sogar offen die offizielle Version der Geschehnisse. An diesen Beispielen zeigte sich, wie sehr die nationalsozialistische Ideologie bereits in die Wehrmacht eingesickert war und wie schwer es werden würde, das Heer von deren Einfluss zu säubern. Gegen Befehlsverweigerer wurde mit äußerster Härte durchgegriffen. Trotz dieser vereinzelten Zwischenfälle lief die Zerschlagung der SS im Großen und Ganzen jedoch verhältnismäßig effektiv und verlustarm. Die größte Gefahr für das putschende Militär war somit bereits in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1939 beseitigt worden.

Im Zuge der Aktionen gegen SS, SD und Gestapo waren an vielen Orten auch die Einrichtungen der Partei erstürmt und vom Militär gesichert worden. Die Gauleiter befanden sich fast alle im Gewahrsam der Wehrmacht, ihre Dienststellen wurden von Militärbeamten übernommen, die später als Chefs der Zivilverwaltung (CdZ) zum Einsatz kommen sollten.

Trauer und Wut

Um genau 19:00 Uhr verkündete dann Generaloberst Walther von Brauchitsch im Radio offiziell den Tod des Führers und Reichskanzlers und der weiteren Mitglieder des Kabinetts. Er erklärte zudem, die Reichsregierung habe die Wehrmacht gebeten, die Ordnung im Reiche aufrecht zu erhalten und zu diesem Zweck vom Mittel der Reichsexekution Gebrauch zu machen. Die Reste der Regierung selbst befänden sich an einem geschützten Ort in Sicherheit und hielten die Geschäfte aufrecht, während das Militär die Lage befriede. Die Bürger sollten ihre Häuser nicht verlassen und den Anweisungen der Soldaten Folge leisten. Außerdem ordnete er Staatstrauer an und rief das Volk auf, für das Reich zu beten.

Die Nachricht vom Tod des Führers löste reichsweit Trauer und Entsetzen aus. An zahlreichen Orten fanden noch am Abend spontan organisierte Gedenkmärsche und -gottesdienste statt.

Internationale Reaktionen auf das Attentat

Zeitgleich begannen die Fernschreiber, Beileidstelegramme aus aller Welt aufzuzeichnen. So drückte die sowjetische Regierung dem deutschen Botschafter Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg „ihr Bedauern und ihre Entrüstung über den ruchlosen Anschlag von Berlin und ihre Freude über die schnelle und entschiedene Gegenreaktion des Großdeutschen Reiches angesichts dieses Donnerschlags des Schicksals“ aus. Anthony Eden telegrafierte an die Reichskanzlei, das britische Volk fühle sich "dem Deutschen Volk in seiner tiefen Abscheu über diese grauenvolle Tat verbunden" und die britische Regierung distanziere sich in aller Form "von solchen Mitteln der politischen Auseinandersetzung". US-Präsident Franklin D. Roosevelt ließ ausrichten, das Großdeutsche Reich habe am 20. April einen "großen Staatsmann" verloren, der Deutschland, ohne einen einzigen Schuss abgefeuert zu haben, aus der Demütigung der Kriegsniederlage herausgeführt, den alten großdeutschen Traum durch die Wiedervereinigung seiner Heimat Österreich mit dem Deutschen Reich verwirklicht und dadurch den Deutschen ihren Stolz zurückgegeben" habe. Mussolini und Franco lobten besonders das beherzte Eingreifen der Wehrmacht zur Stabilisierung der Regierung.

21. April: Bildung der Notstandsregierung

Gegen 6:45 Uhr traf schließlich Carl Friedrich Goerdeler, ehemaliger Oberbürgermeister von Leipzig und prominentester Kopf des konservativen Widerstands gegen das NS-Regime, im Bendlerblock ein, wo ihm eröffnet wurde, man gedenke, ihn als Reichskanzler einer geschäftsführenden Reichsregierung einzusetzen. Goerdeler erklärte sich zur Bildung einer Regierung bereit, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Mitglieder des Kabinetts Hitler unbehelligt den Gerichten übergeben würden und er vom kommissarischen Reichspräsidenten offiziell mit der Regierungsbildung beauftragt werde.

Erwin Bumke: Der neue Reichspräsident

Erwin Bumke

Erwin Bumke, Präsident des Reichsgerichts (1929-1939) und kommissarischer Reichspräsident (1939)

Eine Abordnung der Generalstabs des Heeres fuhr sogleich nach Leipzig, wo dem Präsidenten des Reichsgerichts, Erwin Bumke, gegen 8:00 Uhr am Morgen des 21. April mitgeteilt wurde, dass der Führer und Reichskanzler getötet worden und ihm damit gemäß Art. 51 der Reichsverfassung das Amt des Reichspräsidenten kommissarisch zugefallen sei. Man habe Befehl, ihn zu seinem eigenen Schutz nach Berlin zu bringen und dort das weitere Vorgehen zu beraten. Gegen 15:00 Uhr am 21. April traf Bumke mit Carl Friedrich Goerdeler und den versammelten Generalstabschefs zusammen. Der Chef der Abwehr, Wilhelm Canaris, eröffnete ihm, dass gegen Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich sowie gegen die gesamte SS, den SD und die Gestapo der dringende Verdacht des Hochverrats und des Mordes an Adolf Hitler und führenden Mitgliedern seines Kabinetts bestehe. Auch wenn das Militär bereits in vorauseilendem Gehorsam einen drohenden Putsch niedergeschlagen, die SS ausgeschaltet und die öffentliche Ordnung rudimentär aufrecht erhalten habe, befinde man sich in einer Situation des "inneren Verteidigungszustandes". Daher sei es zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bis zur Aufklärung derartiger Vorwürfe unumgänglich, eine "unbeeinflusste" Reichsregierung zu berufen und dem Militär umfassende Kompetenzen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung an die Hand zu geben. Im Weiteren sei zu prüfen, ob und inwieweit die Partei selbst in den Aufstand involviert sei und ob weitergehende Maßnahmen zum Schutz der Reichsregierung zu treffen seien. Bumke, schockiert von den Berichten über das Geschehen in Berlin und völlig überrumpelt von diesem Empfang und der Vehemenz der Forderungen des Militärs, gab dessen Drängen ohne größeren Widerstand nach.

Carl Friedrich Goerdeler: Der neue Reichskanzler

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Carl Friedrich Goerdeler, großdeutscher Reichskanzler (1939-1947)

Wunschgemäß ernannte Bumke am Abend des 21. April Carl Friedrich Goerdeler zum Reichskanzler. Dieser bildete eine Regierung, der neben einzelnen nationalkonservativen in der Mehrheit nationalsozialistische Minister angehörten. Von den Ministern. die bereits im Kabinett Hitler eine Position bekleidet hatten, blieben im Kabinett Goerdeler erhalten: Justizminister Franz Gürtner, Finanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk, Arbeitsminister Franz Seldte und Reichsprotektor Konstantin von Neurath. Auch eine Reihe ehemaliger Hitler-Minister kehrten in die Reichsregierung zurück. Dies waren: Hjalmar Schacht (Wirtschaft), Paul von Eltz-Rübenach (Post und Verkehr), Alfred Hugenberg (Ernährung und Landwirtschaft) sowie Franz von Papen (Vizekanzler). Das durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten 1933 eingerichtete Propagandaministerium wurde ebenso aufgelöst wie das Göring'sche Luftfahrtministerium. Außenminister Joachim von Ribbentrop wurde abberufen und sein Staatssekretär Ernst von Weizsäcker, ein Mitwisser der Verschwörung, übernahm zunächst kommissarisch dessen Amt. Arthur Nebe wurde als Nachfolger Himmlers zum Chef der Deutschen Polizei ernannt. Goerdeler behielt sich selbst das Innenministerium vor, während er das Kriegsministerium unter Beförderung zum Generalfeldmarschall an Ludwig Beck abtrat.

Ludwig Beck: Der neue Oberbefehlshaber der Wehrmacht

Bundesarchiv Bild 183-C13564, Ludwig Beck

Generalfeldmarschall Ludwig Beck

Beck, der als prominenter Kritiker von Hitlers Kriegspolitik durchaus auch über den elitären Kreis des militärischen Widerstands hinaus Sympathien genoss, sollte eine Schlüsselrolle in der Etablierung der Militärherrschaft im Großdeutschen Reich zukommen. Denn direkt nach der Ernennung Becks verfassten dieser und der weitere Kreis der Verschwörer, insbesondere aber Oberleutnant Stauffenberg, eine Notverordnung, die Verordnung des Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung, betreffend die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Reichsgebiete nötigen Maßnmahmen, die in Anknüpfung an frühere Fälle des Staatsnotstands - z.B. im Zuge der kommunistischen Aufstände 1920 oder im Krisenjahr 1923 - die gesamte vollziehende Gewalt innerhalb des Reichsgebietes in den Händen des Kriegsministers bündelte und diesem zudem die Ermächtigung übertrug, seinerseits Notverordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen, die Verwaltung neu zu ordnen und die ihm übertragene vollziehende Gewalt auf die Wehrkreiskommandeure weiter zu übertragen. Den fertigen Text dieser Verordnung legten sie, zurückdatiert auf den Vortag, anschließend dem Reichsgerichtspräsidenten zur Unterzeichnung vor. Damit waren de facto nicht nur die Weimarer Reichsverfassung, sondern auch alle auf ihrer Grundlage erlassenen Verfassungsgesetze der Nationalsozialisten mittelfristig hinfällig und das Militär wurde in die Lage versetzt, die Zustände im Reich mit umfassender Machtvollkommenheit neu zu ordnen. Die Reichsregierung trat hinter die Militärverwaltung zurück und diente während der Zeit des sogenannten "inneren Verteidigungszustands" im Wesentlichen als Beratungsorgan der Militärführung ohne reale Machtbefugnisse.

Erwin von Witzleben: Der neue Chef des Oberkommandos der Wehrmacht

Bundesarchiv Bild 146-1978-043-13, Erwin v. Witzleben

Generaloberst Erwin von Witzleben

Leiter des operativen Geschäfts der Militärverwaltung wurde General der Infanterie Erwin von Witzleben, der den als Reichsprotektor nach Böhmen und Mähren abgeschobenen Wilhelm Keitel im Rang eines Generalobersten als Chef des Oberkommandos der Wehrmacht beerbte. Ihm oblag, wo sich Beck den militärischen Oberbefehl über alle drei Teilstreitkräfte unter ihren Oberkommandierenden Walther von Brauchitsch (Heer), Erich Raeder (Marine) und Erhard Milch (Luftwaffe) vorbehielt, vor allem die zivile Organisation der Militärherrschaft. Er war es auch, der in Abstimmung mit den Wehrkreiskommandeuren die Einsetzung der Chefs der Zivilverwaltungen (CdZ) vorantrieb, die als weisungsbefugte Oberbehörden alle Reichs-, Landes- und Kommunalbehörden innerhalb ihres jeweiligen Wehrkreises steuern und dafür sorgen sollten, dass ein Mindesmaß an ordnungsgemäßer Verwaltungstätigkeit erhalten blieb, während man auf Reichsebene die Verhältnisse neu ordnete. Vor allem aber wurde den Chefs der Zivilverwaltungen auf sein Betreiben hin der Befehl über die örtlichen Polizeikräfte übertragen, sodass diese dem Zugriff von SS und Partei nachhaltig entzogen waren. Auch koordinierte er die Aktivitäten der drei Teilstreitkräfte und beriet sich in den folgenden Monaten regelmäßig mit den vereinigten Generalstäben der Waffengattungen. Witzleben entwickelte bis Ende des Jahres eine rege Verwaltungstätigkeit, die sich in einer Fülle von gesetzesverändernden Notverordnungen niederschlug, an deren Formulierung er maßgeblich beteiligt war.

22. April 1939: Einrichtung der Militärverwaltung

Am Morgen des 22. April war das Großdeutsche Reich ein anderes als noch zwei Tage zuvor. Das Militär hatte die vollziehende Gewalt und über das übertragene Notverordnungsrecht des Reichspräsidenten gewissermaßen auch die gesetzgebende Gewalt übernommen und die NS-Führungselite beseitigt, ohne dass es dagegen zu nennenswertem Widerstand außerhalb von Partei und parteinahen Organisationen gekommen wäre. Mit dem Reichsgerichtspräsidenten hatte das Militär das rechtmäßige Staatsoberhaupt und dessen immense Machtfülle auf seiner Seite, weshalb sich auch in Verwaltung und Polizei nur vereinzelt Widerstand regte. Das Militär stützte seine Macht in den folgenden Monaten daher juristisch durchaus legal auf eine Notverordnung des Reichspräsidenten:

Verordnung des Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung, betreffend die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Reichsgebiete nötigen Maßnahmen
Vom 20. April 1939
Auf Grund des Artikel 48 der Reichsverfassung verordne ich zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung für das Reichsgebiet folgendes:
§ 1
Die Artikel 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Verfassung des Deutschen Reichs werden bis auf weiteres außer Kraft gesetzt. Es sind daher Beschränkungen der persönlichen Freiheit, des Rechtes der freien Meinungsäußerung einschließlich der Pressefreiheit, des Vereins- und Versammlungsrechts, Eingriffe in das Brief-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechgeheimnis, Anordnungen von Haussuchungen und von Beschlagnahmen sowie Beschränkungen des Eigentums auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zulässig.
§ 2
Mit der Bekanntmachung dieser Verordnung geht die gesamte vollziehende Gewalt auf den Reichskriegsminister über, der sie auf die Militärbefehlshaber in den Wehrkreisen übertragen kann. Sie wird von den Militärbefehlshabern in den Wehrkreisen auf dem Gebiete der Zivilverwaltung durch die Chefs der Zivilverwaltung ausgeübt, die der Reichskriegsminister im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern ernennt.
§ 3
Der Reichskriegsminister ist ermächtigt, alle erforderlichen Maßnahmen zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu treffen, besonders die hierzu erforderlichen Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen und die Behörden mit Weisung zu versehen, auch für die Dauer der Geltung dieser Verordnung Mitglieder der Landesregierungen und der Reichs- und Landesbehörden ihrer Stellungen zu entheben und andere Personen mit der Führung der Dienstgeschäfte zu betrauen. Er kann die Ausübung dieser Befugnisse ganz oder teilweise auf die Militärbefehlshaber in den Wehrkreisen übertragen, die im Bereich der Zivilverwaltung zur weiteren Übertragung dieser Befugnisse auf die Chefs der Zivilverwaltung berechtigt sind.
§ 4
Wer den im Interesse der öffentlichen Sicherheit erlassenen Anordnungen des Reichskriegsministers, der Militärbefehlshaber in den Wehrkreisen oder der Chefs der Zivilverwaltung zuwiderhandelt oder zu solcher Zuwiderhandlung auffordert oder anreizt, wird, sofern nicht die bestehenden Gesetze eine höhere Strafe bestimmen, mit Gefängnis und Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft.
§ 5
[1] Gegen die Anordnungen der Chefs der Zivilverwaltung im Einzelfalle steht die Beschwerde an den Reichsminister des Innern offen.
[2] Gegen die Anordnungen der Militärbefehlshaber in den Wehrkreisen im Einzelfalle steht die Beschwerde an den Reichskriegsminister offen.
§ 6
[1] Jede Betätigung durch Wort, Schrift oder andere Maßnahmen, die darauf gerichtet ist, lebenswichtige Betriebe zu Stillegung zu bringen, wird verboten.
[2] Als lebenswichtige Betriebe gelten die öffentlichen Verkehrsmittel sowie alle Anlagen und Einrichtungen zur Erzeugung von Gas, Wasser, Elektrizität und Kohle.
Zuwiderhandlungen werden nach § 4 bestraft.
§ 7
Diese Verordnung tritt mit der Verkündung in Kraft.
Berlin, den 20. April 1939
Der Reichspräsident
Dr. Bumke
Der Reichskanzler und Reichsminister des Innern
Dr. Goerdeler
Der Reichskriegsminister
Beck, Generalfeldmarschall
Mit dieser Notverordnung zeigten sich erneut die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten des Artikels 48 der Verfassung, der sogar in der Lage war, das völlig umgestaltete Staatsgefüge des Dritten Reiches zu umgehen und eine militärische Parallelverwaltung aufzubauen, die unbeeindruckt von den nationalsozialistischen Gesetzen agieren und sich ihr eigenes Recht im Verordnungswege schaffen konnte. Der Reichspräsident schuf damit nicht nur die Voraussetzungen für die rechtliche Absicherung der Militärherrschaft, sondern machte sich auch selbst weitestgehend überflüssig, denn durch die Abtretung seines Notverordnungsrechts an den Kriegsminister war eine direkte Mitwirkung Bumkes an den weiteren Geschicken des Reiches (von Ausnahmen wie der Auflösung des Reichstages abgesehen) nicht mehr erforderlich. Dies war ihm durchaus recht, denn der Reichsgerichtspräsident selbst hatte keinerlei politische Ambitionen und war froh, seine kommissarische Präsidentschaft möglichst schnell beenden zu können. Bis zur Anberaumung einer Volkswahl des Reichspräsidenten sollte allerdings noch eine Weile vergehen.

Bereits am 22. April einigten sich Goerdeler und Beck, wie in der Notverordnung vorgesehen, auf eine Liste der zukünftigen Chefs der Zivilverwaltungen, wobei die CdZ-Gebiete nicht den Grenzen von Ländern, Gauen oder sonstigen staatlichen Bezirken folgten, sondern bewusst die Struktur der Wehrkreise auf den zivilen Bereich übertrugen. Die Wehrkreiskommandeure hielten sich, wie zu erwarten stand, aus den zivilen Angelegenheiten weitgehend heraus, sodass die Chefs der Zivilverwaltung in den meisten Gebieten relativ frei agieren konnten. Bei ihrer Auswahl war darauf geachtet worden, dass es sich um verwaltungserfahrene und loyale Offiziere handelte. Dennoch funktionierten die Zivilverwaltungen in den folgenden Monaten und Jahren mehr schlecht als recht, sodass die Reichsebene regelmäßig regulierend eingreifen musste - ein Phänomen, das sich bereits beim Anschluss des Sudetenlands gezeigt hatte. In Teilen des Militärs konnte man es daher schon nach kurzer Zeit kaum mehr erwarten, die Verantwortung für die zivile Verwaltung wieder an die regulären staatlichen Stellen zurückgeben zu können.

So ineffektiv das CdZ-System im Ganzen war, leistete es doch auf regionaler Ebene einen unschätzbaren Beitrag zur "Entnazifizierung", also der Verdrängung führender Nationalsozialisten aus staatlichen Funktionen, vor allem bei der Polizei, die seit 1936 immer enger mit der SS verzahnt worden war und nun mühsam wieder von ihr entflochten werden musste. Dieses Unterfangen sollte die Militärregierung noch bis 1941 beschäftigen.

25. April 1939: Auflösung des Reichstags

In den Tagen unmittelbar nach der Machtübernahme reagierten die übrig gebliebenen Institutionen des Nationalsozialistischen Staates. Der Vizepräsident des Reichstags, der vormalige Kirchenminister Hanns Herrl, lud die Abgeordneten zu einer Sitzung in die Krolloper, wo der Reichstag über eine Aufhebung der Notverordnung vom 22. April beschließen sollte, um der Militärverwaltung ihre Legitimation zu entziehen. Beck und Goerdeler, die das Vorhaben schnell durchschauten, reagierten unverzüglich und erwirkten beim kommissarischen Reichspräsidenten gerade noch rechtzeitig die Auflösung des Reichstags, die Kerrl noch während seiner Eröffnungsrede von einem bewaffneten Heeresangehörigen auf das Pult gelegt wurde. Somit war der nationalsozialistischen Opposition gegen den Umsturz die letzte Möglichkeit genommen, auf legalem Wege die Macht vom Militär zurückzuerobern. Durch eine Notverordnung wurde die eigentlich innerhalb von 60 Tagen erforderliche Neuwahl des Reichstags bis auf weiteres ausgesetzt, vorgeblich aus dem Grunde, dass sich der ordnungsgemäße Ablauf eines solchen Urnengangs nicht werde sicherstellen lassen. im Wesentlichen ging es Beck und seinen Mitstreitern aber darum, zu verhindern, dass das Parlament gegen ihre Notverordnungen vorgehen könnte. Von nun an konnte das Militär also weitestgehend unbehelligt auf Grundlage des Notverordnungsrechts regieren.

30. April 1939: Das Führerbegräbnis

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Skizze des geplanten Hitler-Mausoleums in Linz

Am 30. April 1939 wurde Adolf Hitler schließlich in seiner Heimatstadt Linz mit "olympischem Pomp" beigesetzt. Der Trauerzug zog sich durch die gesamte Stadt und musste mehrfach anhalten, da verstörte Menschen die Polizeiabsperrungen durchbrachen und sich weinend und jammernd zum Sarg vorkämpften, wohl um Gewissheit zu finden, dass es wirklich ihr Führer war, der dort an ihnen vorbeigetragen wurde. Der Leichenzug wurde von hochkarätigen Staatsgästen aus aller Welt begleitet, darunter US-Präsident Franklin D. Roosevelt, Premierminister Anthony Eden, der französische Staatspräsident Edouard Daladier, der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow, der ungarische Reichsverweser Miklos Hórty, der Duce Benito Mussolini und der spanische Generalissimo Francisco Franco. Am Grab hob der Kriegsminister, Generalfeldmarschall Ludwig Beck, die Verdienste des Führers um das Großdeutsche Reich hervor und erklärte, um ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren sei es unumgänglich, seinen Mördern schnell und entschieden den Prozess zu machen und Partei und Staat von allen Mitwissern der Verschwörung der SS um ihren Reichsführer Heinrich Himmler und den Chef der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich zu säubern. Er rechtfertigte das harte Durchgreifen der Wehrmacht gegen die Partei und deren Gliederungen mit einer unmittelbar von ihnen ausgehenden Gefahr für den Bestand der Reichsregierung und die öffentliche Sicherheit und Ordnung. In den folgenden Wochen und Monaten kam eine Prozesswelle ins Rollen, durch die viele SS-Angehörige nicht primär wegen des angeblichen Putschversuches, sondern vor allem wegen der bereits in den Jahren seit 1934 von der Schutzstaffel begangenen Verbrechen angeklagt und verurteilt wurden.

Weitere Entwicklung bis Ende 1939

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Proteste gegen die Reichsregierung, August 1939

Der Rest des Jahres 1939 war geprägt von den Bemühungen der Militärregierung um eine Stabilisierung der Lage im Reich und eine Neuorganisation der Reichsverwaltung. Eine der vornehmlichen Maßnahmen war die Verdrängung überzeugter Nationalsozialisten aus der unmittelbaren Reichsverwaltung, insbesondere aus den Ministerien und Polizeibehörden. Zugleich musste sich die Militärregierung zunehmend mit Unmut innerhalb der Bevölkerung auseinandersetzen, die an der nationalsozialistischen Gesinnung der führenden Köpfe des Reiches zweifelte. Allerdings erreichten diese Proteste zu keinem Zeitpunkt die Ausmaße einer Massenbewegung. Dennoch zeigten sie, dass die Militärdiktatur auf wackeligen Beinen stand und bislang keine wirkliche Basis in der Bevölkerung hatte. Hitler und der Nationalsozialismus galten vielen nach wie vor als Garanten von Aufstieg und Stabilität, die Militärs nicht als würdige Erben der Bewegung, die sie in großen Teilen zerschlagen hatten. Nur vereinzelt meldeten sich unterstützende Stimmen zu Wort, die vor allem das Einschreiten der Wehrmacht gegen die SS und deren Willkür betonten. Nennenswerten Einfluss gewannen solche Initiativen nicht. Mehrfach führten die Proteste gegen die Militärführung aber dazu, dass die eigentlich relativ lax gehandhabten Demonstrationsverbote wieder verschärft wurden, was wiederum die reformorientierten Kräfte im Land schwächte.

Die erste Hälfte der 40er Jahre

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Demonstration gegen die Rüstungspolitik des Reiches, Frühjahr 1941

Zwischen 1940 und 1948 erschütterte eine schwere Finanz- und Wirtschaftskrise, ausgelöst durch die massive Aufrüstung, das Großdeutsche Reich. Durch die schwerige Rohstoffversorgung kam es zu Produktionsengpässen und Kurzarbeit. Das vom Reich ausgezahlte Kurzarbeitergeld konnte den Lohnverlust der Arbeiter jedoch in keinster Weise kompensieren. Immer öfter kam es zu Streiks in den Betrieben. Seit dem Herbst 1940 wandte sich die öffentliche Meinung zusehends gegen die militärische Rüstung, die zwar nicht grundlegend abgelehnt, doch in ihrer Radikalität als große Belastung der Volkswirtschaft empfunden wurde. Vor allem wurde gefordert, der privaten Warenwirtschaft bei der Ressourcenzuteilung die Priorität vor dem militärischen Bedarf einzuräumen. Die wesentlichen Probleme der Wirtschaft entstanden einerseits aus einem chronischen Devisenmangel, der es nicht erlaubte, Rohstoffe in ausreichenden Mengen aus dem Ausland zu importieren (Hitler hatte demgegenüber der deutschen Wirtschaft ein Autarkie-Programm verordnet), andererseits aber auch aus einer Abkoppelung der deutschen Inlandswirtschaft vom Weltmarkt durch Preisfestlegungen und eine "verdeckte Staatsverschuldung", die sich aus Papieren einer Strohfirma ohne gegenwert generierte und damit den unvermeidlichen Kollaps der Reichsmark immer weiter hinauszögerte. Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht und Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk vermochten, für die angehäuften Staatsschulden einen langfristigen Tilgungsplan über 17 Jahre zu entwickeln und diesen durch verschiedene Steuererhöhungen, eine massive Drosselung der militärischen Rüstung und harte Kürzungen bei den Sozialausgaben des Reiches gegenzufinanzieren. Ein flankierendes Konjunkturprogramm sollte der Inlandswirtschaft wieder auf die Beine helfen. Für einige Zeit verschlechterten die Maßnahmen der Reichsregierung die wirtschaftliche Lage weiter und zwischen 1941 und 1949 mussten in einigen Bereichen sogar wieder Bezugsscheine für Verbrauchsgüter ausgegeben werden. Die Maßnahmen waren wenig populär und führten periodisch zu reichsweiten Protesten, dafür waren sie aber auf lange Sicht umso wirksamer.

Kaefer Wolfsburg

Eine Charge frisch vom Band gelaufener Volkswagen für den Export, Wolfsburg 1944

Um die nahezu aufgebrauchten Devisenreserven des Reiches zu schonen, wurden mit anderen Staaten Handelsverträge geschlossen, die einen direkten Warenaustausch vorsahen und meist Rohstoffe direkt gegen deutsche Fertigprodukte eintauschten. Nachdem bis Ende der 30er Jahre klassische Konsumgüter und Spielwaren einen Großteil der deutschen Exporte ausgemacht hatten, lieferte die deutsche Wirtschaft seit den 1940er Jahren in zunehmendem Maße Technologie und Luxusgüter, darunter nicht zuletzt Automobile, Radio- und schließlich Fernsehgeräte. Bis zum Beginn der 60er Jahre hatte sich die Staatsverschuldung des Großdeutschen Reiches ohne nennenswerte Abwertung der Reichsmark stabilisiert und die Wirtschaft erholte sich, auch durch ein Ende der in den 30er Jahren populären internationalen Boykottkampagnen gegen deutsche Exportwaren. Die deutsche Wirtschaft erlangte allerdings erst zum Ende der 1950er Jahre hin wieder die Stärke zurück, die sie vor der Weltwirtschaftskrise 1929 besessen hatte.

Der Hungerwinter 1946/47

Protest Hungerwinter

Protestkundgebung im Hungerwinter

Ihre größte Bewährungsprobe hatte die Reichsregierung allerdings erst in den Jahren 1946/47 zu bestehen. Denn der Sommer 1946 war einer der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen, sodass die Ernteerträge massiv einbrachen. Die Lebensmittel mussten noch strenger rationiert werden, doch reichten sie trotz dieser Maßnahmen kaum bis zum nächsten Jahr aus. Der Wert der ausgegebenen Lebensmittelmarken reduzierte sich immer mehr, bis die errechnete tägliche Ration schließlich weit unter dem Energiebedarf eines Menschen lag, der den ganzen Tag regungslos im Bett verbracht hätte. Der Winter 1946/47 war schließlich der kälteste des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa mit Durchschnittswerten unter -20°C. In ganz Europa wurden Brennstoffe knapp. Auch im Großdeutschen Reich brach die Versorgung mit dringend benötigter Heizkohle fast vollständig zusammen, da Elbe, Rhein und Oder zu großen Teilen einfroren und die lebenswichtige Binnenschifffahrt zum Erliegen kam.

Holzraub

Eine Gruppe Männer teilt illegal geschlagenes Feuerholz auf

Überall im Reich spielten sich fürchterliche Szenen ab. Geschäfte wurden - trotz harten Durchgreifens der Polizeikräfte - geplündert, Silos gestürmt und Kohlen von den Zügen geraubt. Der Kölner Erzbischof Josef Frings rechtfertigte den Diebstahl von Nahrungsmitteln und Heizmaterial in seiner Silvesterpredigt, woraufhin sich im rheinischen Sprachraum der Ausdruck "fringsen" für den Mundraub durchsetzte. Auch die Elektrizitäts- und die Wasserwerke fielen, aufgrund der unzureichenden Versorgung der Kohlekraftwerke, über weite Strecken des Winters aus. Als Folge davon starben hunderttausende Deutsche an Unterernährung oder erfroren in ihren ungeheizten Wohnungen oder auf der Suche nach etwas Essbarem. Um dem Mangel an Heizmaterial zu begegnen schreckten die Menschen auch nicht davor zurück, wild zu roden und in ihrer Not ganze Stadtparks abzuholzen oder gar Latten von den Zäunen der Nachbarn zu verfeuern. Um an Lebensmittel zu kommen, fuhren viele Menschen aufs Land und versuchten, bei den Bauern ihre Habseligkeiten gegen einen Teil ihrer Ernten einzutauschen. Auch in anderen Ländern Europas war die Versorgungslage ähnlich katastrophal. Allein in der Sowjetunion verhungerten oder erfroren im Winter 1946/47 bis zu drei Millionen Menschen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 1942

Trophäe

Die Weltmeisterschaftstrophäe der FIFA

Doch neben vielen Tiefen erlebte das Großdeutsche Reich während der 1940er Jahre auch einige unerwartete Höhen. Darunter sticht die Fußball-Weltmeisterschaft 1942 besonders hervor. Nachdem sich die FIFA 1938 noch geziert hatte, Deutschland zum Austragungsort des Großereignisses zu machen, wurde der deutsche Bewerbung bei der FIFA-Konferenz im Dezember 1940 doch noch der Zuschlag erteilt. Bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land konnte das Reich unter der Führung von Reichstrainer Sepp Herberger Brasilien im Endspiel mit 3:2 besiegen und zum ersten Mal die Coupe Jules Rimet in Händen halten. Nach dem Ende der NS-Herrschaft und der sich immer weiter verschlimmernden Wirtschaftskrise war dieser sportliche Erfolg psychologisch überaus wertvoll. Nicht zuletzt förderte die wahrgenommene Gesamtatmosphäre der Weltmeisterschaft aber auch eine Entspannung der internationalen Beziehungen, nachdem das Großdeutsche Reich hier unter Beweis stellen konnte, dass sich seit den Olympischen Spielen 1936 die politischen Verhältnisse massiv verändert hatten und mit der neuen Reichsregierung eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich war. Ein kräftiger Anstieg ausländischer Investitionen in die deutsche Wirtschaft war eine der positiven Begleiterscheinungen dieser Entwicklung. Sportlich konnte das Reich jedoch nicht an diesen Erfolg anknüpfen und schied bei der WM 1946 in Argentinien bereits im Viertelfinale aus.

Langfristige politische Auswirkungen des Attentats

Der Tod des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler veränderte schlagartig das Machtgefüge in Europa. waren die letzten Jahre von einer Welle faschistischer Umstürze geprägt gewesen, deren schrecklichster den vierjährigen Spanischen Bürgerkrieg ausgelöst hatte, so begann sich die politische Landschaft nun allmählich in neuer Form zu stabilisieren. Bald verschwamm die Grenze zwischen Kapitalisten und Faschisten im gemeinsamen Kampf gegen den Kommunismus und die Sowjetunion.

Großdeutsches Reich

In den Jahren seiner Herrschaft hatte Hitler dem Großdeutschen Reich zu einem beispiellosen Wiederaufstieg unter die führenden Weltmächte verholfen. Durch geschickte Schachzüge hatte er zunächst das Saarland und das entmilitarisierte Rheinland wieder vollständig ins Reich eingegliedert, danach die Wehrpflicht wieder eingeführt und mit der Wiederaufrüstung begonnen. Im März 1938 konnte das nunmehr unabhängige Österreich mit Deutschland vereinigt werden. Mit dem Münchner Abkommen vom November 1938 konnte Hitler den letzten außenpolitischen Erfolg verbuchen. Erst mit dem Einmarsch in die Rest-Tschechei und dem Anschluss des Memellandes endete die Geduld der Westmächte, angesichts der drohenden weiteren kriegerischen Expansion des Großdeutschen Reiches, sodass man letztlich zu drastischen Mitteln griff. Dennoch konnte Adolf Hitler als einer der größten deutschen Staatsmänner in die Geschichtsbücher eingehen.

Für das Großdeutsche Reich bedeutete der Tod Hitlers den Verlust eines gefeierten Nationalhelden und Märtyrers. Die vom Militär ins Amt gebrachte Regierung wurde vom Volk in der ersten Phase noch sorgenvoll beäugt, doch spätestens mit den Hochverratsprozessen gegen Hermann Göring und Heinrich Himmler wegen der vermeintlichen Verschwörung zum Staatsstreich und verstärkt durch die Leipziger Revolte verlor die NSDAP massiv an Unterstützung. Die Partei wurde daraufhin verboten und die Gründung neuer Parteien wieder zugelassen. Nach der Neuwahl des Reichstages im November 1939 hatte die Reichsregierung alle Hände voll zu tun, die durch Hitlers Rüstungspolitik vom Kollaps bedrohte deutsche Wirtschaft zu stabilisieren. Dazu sollten die aufgestauten Inlandsschulden in einem auf 17 Jahre verteilten Tilgungsplan nach und nach abgebaut werden. Harte Sparmaßnahmen, Steuererhöhungen und eine Drosselung der Rüstung waren dafür die Voraussetzung. International konnte eine Entspannung erreicht werden, die schließlich in der Wiederaufnahme des Großdeutschen Reiches in den Völkerbund und der Einbindung in ein gegen den Kommunismus gerichtetes Bündnissystem im Kalten Krieg gipfelte.

In der UZL beginnt Hitler mit dem Angriff auf Polen den Zweiten Weltkrieg, der nach beachtlichen Anfangserfolgen der Wehrmacht schließlich in der völligen Niederlage und Besetzung Deutschlands im Mai 1945 sowie in der Folge in der Spaltung Europas in einen West- und einen Ostblock endet. Es entstehen zwei deutsche Staaten, die erst 1990, nach dem Ende des Kalten Krieges, wiedervereinigt werden können.

Großbritannien

Das Vereinigte Königreich war durch seine entgegenkommende Politik (Appeasement) gegenüber Hitler hauptverantwortlich für die Konsolidierung der deutschen Machtposition in Mitteleuropa. Vor allem die osteuropäischen Staaten hatten lange vergeblich auf britische Rückendeckung gehofft. Besonders die Zerschlagung der Tschechoslowakei, an der Großbritanniens Premier Chamberlain führend beteiligt gewesen war, hatte das Vertrauen der internationalen Partner erschüttert. Unter Anthony Eden verfolgte das Vereinigte Königreich nun eine Politik der Stärke gegenüber den Kontinentalmächten, die auch nicht davor zurückschreckte, politische Attentate als Mittel einzusetzen.

Durch das von Großbritannien durchgeführte, aber lange nicht offiziell bestätigte Attentat auf Adolf Hitler und den anschließenden Militärputsch erlosch die unmittelbare Kriegsgefahr. Die Briten versuchten allerdings auch nicht, dem Großdeutschen Reich die hinzugewonnenen Gebiete wieder abzunehmen. Großbritannien konnte sich, von der Gefahr eines Krieges in unmittelbarer Nähe befreit, auf den Fernen Osten konzentrieren, wo die indische Unabhängigkeitsbewegung und das japanische Vordringen in Südostasien seine volle Aufmerksamkeit forderten.

In der UZL ist Großbritannien, das eine Garantieerklärung für Polen abgegeben hatte, gezwungen, Deutschland den Krieg zu erklären und wird nach der Niederlage Frankreichs dessen Hauptgegner. Winston Churchill, der nach dem Krebstod Neville Chamberlains neuer Premierminister wird, führt sein Land durch einen entbehrungsreichen Krieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzt Großbritannien den Norden Deutschlands und verbündet sich mit Frankreich und den Vereinigten Staaten gegen die expansive Sowjetunion.

Frankreich

Die französische Regierung hatte sich nach dem Scheitern der Appeasement-Politik bereits auf einen drohenden Konflikt mit dem Großdeutschen Reich eingestellt, doch fehlten den Franzosen abgesehen von der stark befestigten Maginot-Linie die erforderlichen Mittel, einem massiven deutschen Angriff standzuhalten. Insofern atmete man in Paris erleichtert auf, als die Nachricht vom geglückten Attentat eintraf. Die französische Innenpolitik hatte diese Ruhepause bitter nötig.

In den folgenden zwei Jahrzehnten hatte Frankreich alle Hände voll damit zu tun, sein Kolonialreich zu halten, musste aber schließlich alle Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen, Algerien jedoch erst nach einem langen und blutigen Unabhängigkeitskrieg. Die Weltmachtstellung Frankreichs war spätestens durch die Dekolonisation dahin. Zwar kam es bislang nicht mehr zu einem militärischen Kräftemessen zwischen dem Großdeutschen Reich und Frankreich, doch blieben die Beziehungen zwischen beiden Staaten stets frostig.

In der UZL wird Frankreich 1941 von Deutschland besetzt und kann erst von den Alliierten 1944 befreit werden. Frankreich ist nach dem Krieg schließlich neben dem westdeutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer die treibende Kraft hinter der europäischen Einigung, die so nie im gleichen Maße stattfindet. Vor allem aber führt dieser Prozess zu einer Ablösung der jahrhundertealten deutsch-französischen Erbfeindschaft durch eine enge deutsch-französische Freundschaft.

Osteuropa

Die nach dem Großen Krieg neu entstandenen oder neu zugeschnittenen osteuropäischen Staaten Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien und Griechenland waren in den Jahrzehnten danach vor allem bestrebt, ihre neu gewonnene nationale Selbstständigkeit zu erhalten und auszubauen. Verschiedene Bündnissysteme, So die Balkanentente und die Kleine Entente, sollten dem latenten Revisionismus Deutschlands, Ungarns oder Bulgariens entgegentreten. Außerdem fürchteten insbesondere die Staaten in Nordosteuropa eine militärische Expansion der Sowjetunion. Das komplexe Geflecht von Bündnissen und Garantien erlitt einen merklichen Bruch, nachdem Hitler Österreich und die Tschechoslowakei zerschlagen und das Großdeutsche Reich geschaffen hatte. Die aus diesen Ereignissen entstandene Slowakei lehnte sich eng an Großdeutschland an, ebenso wie Ungarn. Nach dem Tod Hitlers wurde das Großdeutsche Reich zunächst Hegemonialmacht Osteuropas und richtete die Energie dieses Bündnisses vornehmlich gegen die Sowjetunion. Im Verlaufe des Kalten Krieges wuchsen das deutsche und das amerikanische Bündnissystem immer mehr zusammen.

In UZL wurden die osteuropäischen Staaten nach dem Abschluss des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakts zwischen beiden Parteien aufgeteilt und nach dem Beginn des deutschen Angriffs auf Polen, der den Zweiten Weltkrieg auslöste, besetzt. Später besetzten die Deutschen ganz Osteuropa und wurden in den Jahren 1944-1945 von den Sowjets vertrieben, die bis ins deutsche Kernland vordrangen und einen Teil davon besetzten. Die baltischen Staaten und der Osten Polens sowie das rumänische Bessarabien wurden nach dem Krieg der Sowjetunion einverleibt, während in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien kommunistische Regimes installiert wurden. Ohne den Zweiten Weltkrieg und mit einer geeinten antisowjetischen Front in Osteuropa findet keine sowjetische Expopansion statt. Die Grenzen der osteuropäischen Staaten bleiben größtenteils unverändert.

Sowjetunion

Die Sowjetunion war bereits seit Langem daran interessiert, das Hitler-Regime in Deutschland zu beseitigen. Nicht nur die antikommunistische Propaganda der Nationalsozialisten und die Verfolgung der KPD machten Stalin sorgen, sondern auch die zunehmende Präsenz der deutschen Außenpolitik in Osteuropa. Das Bündnis mit Italien, Spanien, Ungarn, der Slowakei und später weiteren staaten im Antikominternpakt bedrohte die sowjetischen Interessen im Schwarzmeerraum und verhinderte eine weitere Konsolidierung der sowjetischen Machtsphäre in Osteuropa. Nur punktuell konnten kommunistische Gruppen in Europa erfolge verbuchen, wie z.B. bei der Vertreibung der Italiener aus Albanien.

Stalin lenkte seine Aufmerksamkeit daher verstärkt nach Ostasien, wo er die chinesischen Kommunisten unter Mao Zedong materiell unterstützte. Auch verlegte er in erheblichem Maße Truppen und Gerät an die Grenze zur japanisch besetzten Mandschurei, wo seit Jahren ein blutiger Grenzkonflikt schwelte. Als mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 der Pazifikkrieg ausbrach, verhielt sich die Sowjetunion zunächst neutral. Erst 1944, als der Krieg sich merklich zuungunsten der Japaner wendete, marschierte die Sowjetunion mit massiven Kräften in die Mandschurei ein und drängte die Japaner Schritt für Schritt nach Korea zurück. Sein Eingreifen sorgte dafür, dass in Korea ein kommunistischer Vasallenstaat etabliert werden konnte und die chinesischen Kommunisten eine stabile Ausgangsbasis für ihre Operationen und ihren schlussendlichen Sieg im Chinesischen Bürgerkrieg erhielten. Auch in Südamerika und

In UZL stieg die Sowjetunion durch ihre Beteiligung am Zweiten Weltkrieg sowohl in Europa als auch in Ostasien zur Weltmacht auf und beherrschte für einen Zeitraum von 45 Jahren die Hälfte Europas von der Elbe bis zur Ägäis. Trotz horrender Verluste ging Stalin gestärkt aus dem Krieg hervor und konnte im Bündnis mit Maos China auch in Ostasien Einfluss gewinnen (Nordkorea, Vietnam).

Japan

Das Japanische Kaiserreich hatte seit den 1930er Jahren begonnen, auf das asiatische Festland zu expandieren. 1895 war bereits Taiwan und 1910 Korea annektiert worden. Nach dem Großen Krieg wurde Japan zudem die Verwaltung der deutschen Kolonien Tsingtau und im Südpazifik übertragen. 1932 rief Japan in der seit dem russischen Bürgerkrieg besetzt gehaltenen Mandschurei einen unabhängigen Staat unter Puyi, dem letzten Kaiser von China, aus. Durch diese Erwerbungen wurde Japan massiv gestärkt und verfügte nun über eine stabile Ausgangsbasis für weitere Expansionsbestrebungen, die sich insbesondere gegen den Nachbarn China richteten, in dem seit Jahren ein blutiger Bürgerkrieg tobte. So konnten die Chinesen wenig entgegensetzen, als die Japaner 1937 im Nordosten des Landes einmarschierten und schnell vordrangen. Die ehemalige Hauptstadt Peking wurde erobert, der dicht besiedelte Küstenstreifen bis Shanghai unter Kontrolle gebracht und eine Marionettenregierung eingesetzt. Die Chinesen mussten sich ins Hinterland zurückziehen und konnten nur mit Mühe ihre Stellungen halten.

Der innerasiatische Konflikt eskalierte schließlich 1941, als Japan nach einem verstrichenen Ultimatum Französisch-Indochina besetzte. Die schwachen Kolonialtruppen waren kaum zu nennenswertem Widerstand in der Lage. Daraufhin erfolgte ein britisch-amerikanisches Embargo gegen Japan, das neben der Einfrierung von japanischen Vermögen auch ein Ausfuhrverbot für Erdöl einschloss, von dem Japan abhängig war. Dies war für die Japaner der zentrale Auslöser, die amerikanische Pazifikflotte in Pearl Harbor anzugreifen, um danach relativ ungestört Südostasien und vor allem das ölreiche Niederländisch-Indien besetzen zu können.

Seit dem Sieg in der Schlacht von Midway 1942 drängten die Amerikaner die Japaner jedoch immer weiter nach Asien zurück und verfolgten unter ihren Oberbefehlshabern Douglas MacArthur und Chester Nimitz eine Strategie des "Island Hopping", die die stärksten japanischen Stellungen umging und sie dadurch isolierte und ungefährlich machte. So konnten die Amerikaner ihre eigenen Verluste minimieren und verhältnismäßig schnell vorrücken. Spätestens mit der Schlacht von Leyte 1944 war die japanische Flotte vernichtet und die Amerikaner konnten von nun an verhältnismäßig ungestört im Pazifik agieren und schließlich die Japan vorgelagerten Inseln Okinawa und Iwo Jima besetzen. Derweil marschierte die Rote Armee ab 1944 in die Mandschurei und nach Korea ein und vertrieb die Japaner vom asiatischen Festland.

Im Jahr 1945 erfolgte schließlich in mehreren Etappen die Besetzung der japanischen Hauptinseln durch amerikanische, britische, kanadische, australische, französische und weitere alliierte Truppen, während die Nordinsel Hokkaido von sowjetischen Truppen eingenommen wurde. Auf der Konferenz von Nagasaki wurde die Teilung Japans in drei Besatzungszonen beschlossen. Die Inseln Kyushu und Shikoku und der Westteil der Hauptinsel Honshu bis Kyoto wurden der britischen, der Rest Honshus der amerikanischen und Hokkaido der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen. Zudem erhielt die Sowjetunion das Mandat für Korea. 1955 wurde Japan "neutralisiert" und in die Unabhängigkeit entlassen.

Auch in UZL besetzte Japan nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich dessen Kolonien in Indochina, was der Auslöser für ein weitreichendes Handelsembargo Großbritanniens und der Vereinigten Staaten gegen Japan, vornehmlich gegen dringend benötigte Ölimporte, war. Der folgende Pazifikkrieg endet nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki in der bedingungslosen Kapitulation Japans. Das bislang japanisch besetzte Korea wird in einen Nord- und einen Südstaat geteilt. 1950 bricht dort der Koreakrieg als erster sogenannter "Stellvertreterkrieg" der Supermächte USA und UdSSR aus.

Vereinigte Staaten

Die Vereinigten Staaten waren 1939 weder Willens noch in der Lage, einen Krieg zu führen. Der Großteil der politischen Elite fühlte sich dem Isolationsmus verpflichtet und beschränkte ihren Horizont auf den amerikanischen Doppelkontinent. 1941 wurde der internationalistisch eingestellte Präsident Franklin D. Roosevelt von dem gemäßigt-isolationistischen Republikaner Thomas E. Dewey abgelöst, der sich jedoch noch im selben Jahr nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor einem ungewollten Krieg gegenübersah. Eine nenneswerte Rüstungsproduktion hatte noch nicht eingesetzt, sodass die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, selbst offensiv tätig zu werden, durch den großteiligen Verlust der Pazifikflotte für längere Zeit massiv eingeschränkt war. Erst ab 1943 waren sie in der Lage, die Japaner immer weiter zurückzudrängen und schließlich nach einer Invasion der japanischen Hauptinseln zur Kapitulation zu zwingen. Nach dem Pazifikkrieg steigt die Sowjetunion zum ideologischen Todfeind auf. Der Kalte Krieg beginnt.

In UZL steigen die USA durch ihre Beteiligung am Zweiten Weltkrieg und die spätere Gründung von NATO und SEATO zur führenden Weltmacht auf und werden zum direkten Gegenspieler der Sowjetunion im Kalten Krieg. Bis in die heutige Zeit verstehen die Vereinigten Staaten sich als "Weltpolizist" und greifen in politische und militärische Konflikte überall auf der Welt ein.

Sonstige Auswirkungen

Der Tod Adolf Hitlers fiel in eine Zeit epochaler Umbrüche in der Welt, von denen die rasant fortschreitende Technisierung sicherlich eine der augenfälligsten war. Auch sozial, politisch, gesellschaftlich und kulturell hinterließen die 1930er Jahre einen nachhaltigen Eindruck.

Philosophien und Ideologien

Bereits seit dem 19. Jahrhundert begann sich das Denkmodell des Nationalismus, das die Gründung von homogenen Staaten von gleicher Kultur, Sprache und Ethnie postulierte, weltweit durchzusetzen. Das Ende des Weltkrieges brachte mit dem von US-Präsident Woodrow Wilson geforderten und später zum internationalen Rechtsprinzip erhobenen Selbstbestimmungsrecht der Völker eine grundlegende Wende der Weltpolitik. Staatsgrenzen sollten sich von nun an primär an Siedlungsgrenzen ausrichten und Gebietsänderungen nur noch durch ausdrückliche Willensbekundung der betroffenen Bevölkerung möglich sein. Umgesetzt wurde es allerdings in den Pariser Vorortverträgen nur unvollständig. So wurde dem deutschsprachigen Rest Österreichs der beiderseits gewünschte Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich verweigert. Auch andere vorwiegend deutschsprachige Territorien gingen an andere Staaten, wie das Sudetenland an den Rändern Böhmens. Später kam durch den Briand-Kellogg-Pakt als weiterer Grundsatz der späteren Weltpolitik die Nichtanerkennung einseitiger Grenzveränderungen hinzu. Auf Grundlage dieser Vereinbarung wurde z.B. dem japanischen Vasallenstaat Mandschukuo die internationale Anerkennung verwehrt und das Gebiet weiterhin als Teil Chinas betrachtet. Durch Hitlers Revisionspolitik in Europa wurde der Grundsatz des Selbstbestimmungsrechts der Völker insofern weiter gestärkt, als dass mit dem Münchener Abkommen faktisch die Anerkennung der Möglichkeit verbunden war, dass durch internationale Vereinbarungen ein Staat gezwungen werden konnte, Gebiete aufgrund des Mehrheitswunsches seiner Bewohner an einen anderen Staat abzutreten. Das Münchener Abkommen schuf also einen Präzedenzfall der zukünftigen internationalen Krisendiplomatie, der zum Beispiel im Jugoslawienkrieg den internationalen Militäreinsatz zugunsten der kroatischen Unabhängigkeitsbewegung oder im sudanesischen Bürgerkrieg die Gründung des unabhängigen, mehrheitlich christlichen Staates Südsudan rechtfertigte. Ein internationales Eingreifen zugunsten eines unterdrückten Staatsvolkes erfuhr vor diesem Hintergrund ebenfalls eine grundlegende Rechtfertigung. Der Nationalismus und daran anschließend das Konzept des Ethnopluralismus, also des Modells grundlegend getrennter Gesellschaften in den einzelnen Staaten, wird dadurch langanhaltend zum Leitkonzept der europäischen Politik.

In UZL wird das Münchener Abkommen nachträglich für null und nichtig erklärt und damit der Grundsatz der staatlichen Souveränität gestärkt. Grenzveränderungen werden ausschließlich durch vertragliche Vereinbarung der beteiligten Parteien und niemals auf kriegerischem Wege anerkannt. Die internationale Gemeinschaft hat kein Recht, in die territoriale Souveränität eines einzelnen Staates einzugreifen.

Durch den Zweiten Weltkrieg und die durch ihn verursachten Verwerfungen und Verwüstungen - nicht zuletzt in ethischer Hinsicht - erhält das Prinzip der internationalen Zusammenarbeit eine neue Dimension. In Europa gründen sich verschiedene Organisationen für die Zusammenarbeit der Staaten. Der Europäischen Union gelingt es schließlich, einen Großteil des Kontinents in einen gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Sphäre zu vereinen.

Durch die Verbrechen des Nazi-Regimes aufgerüttelt beginnt eine Diskussion, die 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mündet. Der Schutz der Menschenrechte wird Leitgrundsatz einer neuen internationalen Organisation, der Vereinten Nationen.

Kunst und Literatur

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war vor allem vom Kalten Krieg geprägt. In den kommunistisch regierten Ländern herrschte die Angst vor Faschismus, im Westen, so auch in Großdeutschland, wurde das (Schreck-)Gespenst des Kommunismus beschworen. Insbesondere das Genre des Agentenromans bzw. -films erlebte in dieser Phase seine Blüte. Der Faschismus bleibt eine kurze Episode von geringer Nachhaltigkeit. In der historischen und politikwissenschaftlichen Forschung ist er ein Nischenthema. Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor eine sehr aktive nationalsozialistische Bewegung in Großdeutschland, die je nach politischem Klima und wirtschaftlicher Lage weiterhin starken Zuspruch erhält, von den meisten anderen Parteien aber nur partiell als ernstzunehmender Koalitionspartner angesehen wird. Bücher, Bilder und Filme mit nationalistischem oder antisemitischem Inhalt sind auch nach den 30er Jahren noch häufig in der gesellschaftlichen Debatte zu finden. Eine einflussreiche antizionistische Lobby prägt das deutsch-israelische Verhältnis.

In UZL findet spätestens seit den 1960er Jahren eine intensive Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und eine beispiellose und systmatische Aufarbeitung der NS-Verbrechen statt. Der Nationalsozialismus ist im Schulunterricht, durch Mahnmale, Gedenkstätten, Literatur, Filme und Bücher im Deutschland der Nachkriegszeit omnipräsent - manchmal so omnipräsent, dass die deutsche Erinnerungskultur von einigen als Belastung empfunden wird.

Hingegen sucht man einen britischen Agenten mit der Dienstnummer 007 in den Bücherregalen und Videotheken der AZL vergeblich, denn Ian Fleming wird ohne Zweiten Weltkrieg selbst nie Agent des britischen Geheimdienstes und kommt nie auf die Idee, Romane darüber zu schreiben.

Politik und Gesellschaft

Die deutsche Gesellschaft des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist geprägt von einem starken Nationalbewusstsein, das sich aus einer reichen tausendjährigen Geschichte speist, in der Deutschland über weite Strecken Drehscheibe der europäischen Politik gewesen ist. Seiner zentralen Lage auf dem Kontinent entspricht sein heutiger wirtschaftlicher und politischer Einfluss. Das Großdeutsche Reich kontrolliert einen Großteil des europäischen Binnenhandels, der reichlich Zölle und Maut-Gebühren abwirft, und ist eine der wirtschaftsstärksten Exportnationen der Welt. Deutsche Autos und deutsche Flugzeuge, aber auch deutsche Waffen, sind gefragte Waren auf dem Weltmarkt. Entsprechend beansprucht die Reichsregierung das Recht, deutsche Wirtschaftsinteressen nötigenfalls auch militärisch zu schützen, was sich z.B. in der Marinemission am Horn von Afrika gegen somalische Piraten äußert.

Die deutsche Kultur speist sich aus den verschiedenen lokalen Traditionen des Landes, die im Laufe der Zeit immer mehr zusammengewachsen sind. Großereignisse wie der Kölner Karneval, das Münchner Oktoberfest oder der Wiener Opernball finden Nachahmer im gesamten Reichsgebiet. Das Schützenwesen, das sich in der Tradition früherer Bürgerwehren, die sich heute vor allem als Kulturträger und Sozialverbände verstehen, und die traditionellen Schützenfeste sind reichsweit ein prägendes Element der lokalen Verbandsstrukturen. (Para-)Militärische Traditionen finden sich weit über das eigentliche Militär hinaus in Schützenvereinen, Polizei, Feuerwehr und den parteinahen Wehrverbänden. Soldatisches Vokabular und der soldatische Ehrenkodex spielen in zahlreichen gesellschaftlichen Debatten eine zentrale Rolle, auch in Fällen, die keinen unmittelbaren militärischen Bezug aufweisen.



Nationen EUWR-B

140px-Flag of the German Empire.svg Großdeutschland | 1920px-Flag of the Protectorate of Bohemia and Moravia.svg Böhmen und Mähren

480px-Wappen Deutsches Reich (Weimarer Republik).svg
Zeitlinien Deutschlands Zwischenkriegszeit
Reichsflagge des Deutschen Reiches

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