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FLQ an der Macht
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Zeitspanne 1963 - heute
Ort Kanada
ZdA Durch eine unglückliche Aussage des kandischen Premierministers Lester Pearson bekommt die extremistische Terrorgruppe Front de libération du Québec, kurz FLQ Zuspruch aus der Bevölkerung der Provinz Québec
Kurzinformation Die Terrorgruppe Front de libération du Québec verübt seit 1963 Anschläge mit dem Ziel eines unabhängigen Québecs und der Machtergreifung. Als Premierminsister Lester Pearson sich in einer Stellungnahme unglücklich ausdrückt, bekommt die FLQ und andere seperatistische Gruppierungen Zuspruch in der Bevölkerung. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung Québecs 1966 gewinnt das seperatistische Lager die Mehrheit. In Kanada beginnt ein Bürgerkrieg.

Ausgangslage

Die Stille Revolution unter der Führung des liberalen Premierminister Québecs, Jean Lesage, brachte ab 1963 eine neue Art des Nationalismus und Seperatismus in Québec hervor. Es entstanden mehrere, zum Teil militante, separatistische und terroristische Gruppierungen. Die Front de libération du Québec , kurz FLQ verübte ab 1963 mehr als 200 Bombenanschläge und Banküberfälle in ganz Kanada. Ziel der FLQ war es aus der Provinz einen marxistischen Staat unter ihrer Kontrolle zu machen. Dieses Ziel verfolgten sie ohne Rücksicht auf Verluste.

Erste Anschläge der FLQ

FLQ ab 1963
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Flagge der FLQ

Die Mitglieder der FLQ, die sich als Felquistes bezeichnen, beganen ihre Terrorattacken zu einer Zeit, als sich die Provinz Québec in einer tiefen identitären Krise befand. Die Stille Revolution (révolution tranquille) wurde von der FLQ zwar unterstützt, ging den Extremisten jedoch nicht weit genug. Die FLQ bestand zu der Zeit aus sieben Terrorzellen, die über die ganze Provinz verteilt waren: Dieppe, Louis Riel, Nelson, Saint-Denis, Viger, Libération und Chénier. Die beiden letzten Zellen waren die, die am brutalsten und extremistischsten auftraten. 1963 hatte die FLQ in etwa 30 Mitglieder. Anführer war der belgische Linksextremist Georges Schoeters, der Premierpräsident von Québec werden wollte. Im Untergrund koordinierte er die Anschläge der Terrorzellen. Die Gruppe sprengte unter anderem eine Bahnlinie, auf der später ein Zug mit dem damaligen Premierminister John Diefenbaker an Bord hätte verkehren sollen und ermordete einen Wachmann in einem Rekrutierungszentrum der kanadischen Armee. #ZdA#. Beliebte Anschlagsziele waren Regierungsgebäude, Parteizentralen oder andere wichtige Gebäude.Die Zahl der Mitglieder stieg bis 1964 auf über 100 Personen an. Größere Anschläge wie Flugzeugentführungen und Sprengstoffattentate waren in Planung. Auch ein Anschlag auf den neuen Premierminister Lester Pearson wurde geplant. Die kanadische Bundesregierung verhängte den Ausnahmezustand und setzte in Québec unter anderem die Armee zur Beruhigung der Lage ein. Auch verdeckte Operationen führten nicht zur Zerschlagung der FLQ.

Lester Pearson verbaler Ausrutscher

Auf einer Pressekonferenz zu der FLQ-Krise äußerte sich Premierminister Lester Pearson und sein Innenminister zur aktuellen Lage. Journalisten aus aller Welt warteteten auf weitere Schritte der Regierung. Als der impulsive Premierminister aus dem Nebenzimmer in den Pressesaal ging, wirkte er angespannt und nervös. In seinem Statement verurteilte er die FLQ und deren Anschläge. Er forerte die Québecer auf, Widerstand zu leisten gegen jeglche Art von Gewalt. Weiter sagte er "Den Québecer müsste man alles erklären, anscheinend sind sie nicht in der Lage die Situation einzuschätzen". Er stellte klar, dass Québec unter kanadischer Kontrolle bleibt und die Autonomierchte eingeschränkt werden. Die Stille Revolution von Québecs Premierminister Jean Lesage war "ein riesen Fehler".

Während Pearsons Parteifreunde und die Mehrheit der englischsprachigen Kanadier hinter der Aussagen des Premiers standen, waren die Québecer empört. Hatte der Premierminister sie dumm genannt? Will er damit sagen, dass Québecer schwer von Begriff seien? Die Presse, Politiker und Gesellschaft in Québec waren wütend. Vor allem auch über die Ankündigung Pearsons, Québec würde seine Autonomie verlieren. Die von Jean Lesage erkämpfte Freiheit und Autonomie war in Gefahr, dachten die Québecer.

Die FLQ bekommt Unterstützung aus der Bevölkerung

Demonstrativ gingen die Bürger auf die Strraße und protestierten gegen die Regierung in Ottawa. Kanadische Fahnen wurden verbrannt und die Fahne Québecs gehisst. Seperatistische Organisationen, allen voran die FLQ, riefen zum nationalen Widerstand gegen die Bundesregierung auf. Die kanadische Armee ging brutal gegen die Demonstranten vor, war allerdings zum verlieren verdammt. Die Polizei Montréals stellte sich vor die Demonstranten und schwängten die Flagge Québecs. Wieder und wieder riefen die Menschen "Vive la Québec!, Vive la République!".

Vereinzelt fielen Schüsse, mehrere Soldaten und Demonstranten kamen in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 1963 ums Leben. Die Bevölkerung stand mehrheitlich auf der Seite der Demonstranten, auch weil sich Mitglieder der Bundesregierung erneut abwertend über die frankophonen Kanadier geäußert haben. Das öffentliche Leben in den größeren Städten Québecs kam fast vollständig zum erliegen. Premierminister Pearson sah ein, dass er keine Chance gegen die komplette Bevölkerung Québecs hatte. Er erklärte das Parlament von Québec für aufgelöst und rief Neuwahlen in der Provinz aus. Die Québecer, die sich von Pearson nichts mehr sagen lassen wollten, stimmten zu. Auch die FLQ zeigte sich kooperativ. Sie witterten ihre Chance, mehr Einfluss in der Politik zu haben. Die Wahlankündigung entspannte die Stimmung in Québec. Das Problem war jedoch nicht gelöst sondern nur vertagt. Am 04.01.1964 sollten die Wahlen in der Provinz stattfinden.

Gründung der Parti séparatiste de Québec (PSQ)
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Da die FLQ eine verbotene Terrororganistaion ist, kann sie nicht an den Wahlen zur Nationalversammlung Québecs teilnehmen. Die beiden von der FLQ beherrschten seperatistischen Parteien "Rassemblement pour l'Indépendance Nationale (RIN)" und "Ralliement national (RN)" schlossen sich zusammen und bildeten die Partei "Parti séparatiste de Québec". Diese wird von der FLQ gelenkt und soll alle konservativen Wähler anziehen. Der belgischstämmige Linksextremist George Schoeters wurde Vorsitzender der Partei.

Im Wahlprogramm findt sich neben der angestrebten Unabhägigkeit Québecs von Kanada auch die Förderung der französischen Sprache wieder. In wirtschaftlichen Fragen steht die PSQ den sozialdemokratischen Parteien in Europa nahe, legt diese Forderungen allerdings deutlich konsequenter aus. Wie die beiden Vorgängerparteien auch hat die PSQ ein enges Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche, der in Québec die Mehrheit der Bevölkerung angehört. Pfarrer wurden von den Terroristen der FLQ zur Wahlwerbung gezwungen, wenn sie es nicht freiwillig machen wollten.

Vorgezogene Wahl in Québec 1964

Anfang des Jahres waren über viereinhalb Millionen Einwohner zur Wahl aufgerufen. In der Hauptstadt Ville de Québec, in Montréal und auf dem Land strömten die Menschen in die Wahllokale. Die Wahlbeteiligung betrug fast 98%. Die kanadische Armee sicherte Wahllokale und Beobachter der Vereinten Nationen stellten eine freie und faire Wahl sicher. Bis auf vereinzelte Ausschreitungen blieb es am Wahltag, einem milden Februartag, ruhig. Bis in die Abendstunden des Vortages wurde zwischen den Lagern ein erbitterter Wahlkampf geführt. Beleidigungen und Schuldzuweisungen inklusive.

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Stärkste Partei war nach der Wahl mit 63,4% der Stimmen die konservativ-separatistische Parti séparatiste de Québec (PSQ) mit dem Spitzenkandidaten George Schoeters. Der Nachfolger von Jean Lesage, Robert Bourassa und seine sozialliberale Parti Liberal (PL) wurden mit 30,5% zweitstärkste Kraft. Sonstige Parteien kamen auf 6,1%. Auf dem Land und in der Hauptstadt Ville de Québec stimmte die klare Mehrheit für die PSQ, während in Montréal die Liberalen vorne lagen. Die Einwohner Québecs haben sich klar für den radikalen Kurs der PSQ ausgesprochen und die Provinzregierung abgewählt. Robert Bourassa legte noch in der Wahlnacht alle politischen Ämter ab. George Schoeters und seine PSQ feierten bis tief in die Nacht mit tausenden Anhängern auf den Straßen in der ganzen Provinz. Die Terrorgruppe FLQ erklärte, dass die Unabhägigkeit in wenigen Wochen ausgerufen werden soll und sie hierfür auch weitere Anschläge begehen würden.

Die kanadische Bundesregierung räumte die Niederlage des liberalen Lagers ein, zeigte jedoch Flagge in dem sie eine Unabhängigkeit konsequent ausschloss. "Man müsse das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen", so Premierminister Lester Pearson. Der rechte Flügel seiner Partei forderte einen erneuten Militäreinsatz um die FLQ zu zerschlagen, doch Lester Pearson konnte nichts machen. Laut den Vereinten Nationen lief die Wahl demokratisch und frei ab. Das Ergebnis seifür Québec und Kanada bindend. Die Unterstützung der UN führte zu einer Solidarisierungswelle einiger Staaten der Welt, allen voran französischsprachige Staaten wie Frankreich und Belgien. Englischsprachige Verbündete wie Großbritannien schlugen sich auf die Seite der Bundesregierung. Die USA hielten sich weitestgehend aus dem Konflikt heraus, verstärkten jedoch die Truppenzahl an der Grenze zu Québec um bei einem ausbrechenden Bürgerkrieg die Grenze sichern zu können.

FLQ an der Macht

Allen Widerständen zum Trotz wurde die neue Regierung drei Wochen nach der Wahl im Hôtel du Parlement in Ville de Québec ins Amt eingeführt. Kanadische Politiker blieben der Vereidigung fern. George Schoeters wurde neuer Premierminister von Québec und hielt kurz nach seiner Vereidigung eine Rede vor mehreren hunderttausend Menschen auf dem zentralen Platz Place des Canotiers im Hafen der Stadt. In dieser Rede bekräigte er den Wunsch nach Unabhängigkeit und dankte den Québecern erneut für seine Wahl. Er werde "seine ganze Kraft in Unabhängigkeit Québecs investieren um den Einwohnern des Landes eine gute Zukunft zu garantieren". Seine Rede war stark und laut, jedoch frei von Schuldzuweisungen und Gewaltaufforderungen. Während die Marionettenpolitiker der Regierung zusammen mit George Schoeters, der mittlerweile ein hohes Tier der FLQ ist, feierten, bereiteten eben jene den Unabhängigkeitskampf vor. Anschläge in Ottawa, Toronto und vor Kasernen der kanadischen Armee in Montréal waren geplant.

Ihren Plan wollte die FLQ so schnell wie möglich ausführen, um die aufgeheizte Stimmung in der Bevölkerung nutzen zu können. Die Unabhängigkeitserklärung soll vorbereitet werden und eine Untergrundarmee gegründet werden. Englische Einflüsse sollten aus dem Land verschwinden und das Luxushotel Château Fortenac neuer Sitz der Regierung werden.

Unabhängigkeitserklärung der PSQ

Nach einigen Wochen im Amt brachte die PSQ einen Gesetzentwurf in die Nationalversammlung ein, der eine schrittweiße Unabhängigkeit von Kanada vorsah. Mit überwältigender Mehrheit wurde das Gesetz verabschiedet. Unter anderem wurde eine erneute Volksbefragung vorbereitet um den Willen der Bevölkerung hinter sich zu haben. Dieses Referendum sollte für die Regierung von Québec, aber auch für die Bundesregierung bindend sein. Die kanadische Regierung stellte klar, dass eine Unabhängigkeit nicht in Betracht kam.

Bei dem Referendum im Mai 1964 votierten 64,8% der Wahlberechtigten für die Unabhängigkeit, 35,2% dagegen. Beobachter der Vereinten Nationen bestätgten den demokratischen Ablauf der Wahl und forderten die beiden Regierungen auf, das Ergebnis anzuerkennen. Entgegen den Vorwürfen der Bundesregierung hatte die FLQ die Wahl nicht gefälscht, sondern lediglich eine schlaue Wahlstrategie. Die Einwohner Québecs stimmten fair und demokratisch für eine Loslösung von Kanada.

Zweiter kanadischer Militäreinsatz

Als die Polizei Québecs mit der Stürmung von Bundeseinrichtungen begann und Schüsse fielen, befahl Premierminister Lester Pearson den zweiten Militäreinsatz in Québec. Dabei konnte er nicht auf die meisten der in Québec stationierten setzen, da diese bereits in die Armée de libération du Québec eingetreten sind. Von Ontario und Neufundland aus versuchten kanadische Truppen nach Québec einzudringen. Terroristen der FLQ sprengten die Macdonald-Cartier Bridge zwischen Gatineau und Ottawa, die die Grenze zwischen Québec und Ontario markiert. Die kanadische Armee ging äußerst hart vor und erntete auf der Weltbühne hierfür deutliche Kritik.

Frankreichs Präsident Charles de Gaulle forderte Kanada auf das Blutvergießen zu beenden und den Volkswillen anzuerkennen. Auch US-Präsident Lyndon B. Johnson, der deutsche Bundeskanzler Ludwig Erhard und sogar die britische Königin Elisabeth II. äußeren sich ähnlich. Im UN-Sicherheitsrat wurde Kanada aufgefordert, den Krieg zu beenden und Québec in die Unabhängikeit zu entlassen. Lester Pearson gab nicht auf und wies alle Vorwürfe zurück. Frankreich, ein Verbündeter Québecs, setzte ein Handelsembargo zu Kanada ein und lies den Botschafter ausweisen. Präsident de Gaulle brachte Waffenlieferungen an die Befreiungsarmee Québecs ins Spiel.

Nach über einem Monat Krieg und immer größer werdenen Druck aus Bevölkerung und aus dem Ausland, zog sich die kanadische Armee aus Québec zurück. Hilfsgüter aus Frankreich stellten den die Versorgung Québecs sicher, welches nun aufgebaut werden sollte. Die FLQ hatte genaue Vorstellungen von ihrem Québec und wie sie es am besten unter ihre Kontrolle bringen können. Durch die gute Planung konnte schnell ein funktionierender Staat errichtet werden.


Ausgang

Nach der einseitig erklärten Unabhängigkeit und dem Rückzug der kanadischen Truppen begann der Aufbau eines Staates nach den Vorstellungen der FLQ.

Nach wenigen Wochen wurden die ehemaligen Provinzämter zu Staatsämtern und die Provinzpolizei zur Staatspolizei. Die Armée de libération du Québec übernahm die alten kanadischen Kasernen und stellte sich neu auf. Mit Steuervergünstigungen versuchte die PSQ Unternehmen ins Land zu holen und die Wirtschaft anzukurbeln. Die FLQ wurde zu einer Art Geheimpolizei, die nun keine Anschläge mehr in Kanada verübte, sondern Kritiker der PSQ verschwinden lies. Als Linksterroristen orientierten sie sich an ihrem Vorbild, dem sowjetischen KGB.

Québec ist in 17 Verwaltungsregionen (frz. régions administratives) untergliedert. Hauptstadt ist Ville de Québec, größte Stadt Montréal.

Die egierung besteht aus dem Präsident der gleichzeitig Regierungchef ist und insgesamt 12 Ministern. Neuer Sitz der gesamten Regeriung und den Ministern ist das Château Fortenac in Ville de Québec. Die Assemblée nationale du Québec ist das Parlament Québecs und besteht aus den beiden Parteien PSQ und Parti liberal. Die FLQ hat grundsätzlich einen Ein-Parteien-Staat als Ziel, wich von ihrem Plan aber ab, um keine Kritik auf sich zu ziehen. Denn allen Umständen zum trotz war Québec noch auf die Kredite und Hilfen Frankreichs angewiesen. Pressefreiheit ist in der neuen Verfassung festgeschrieben, die großen staatlichen Medien werden jedoch ebenso wie die staatlichen Betriebe von der FLQ gesteuert.

Québec heute

Im Laufe der Jahre entwickelte sich Québec immer mehr zu einem eigenen Staat und ist heute zu 100% unabhängig von Kanada. Zwischen den beiden Ländern bestehen weder wirtschaftliche noch diplomatische Verbindungen.

Die Verfassung enthält einen umfassenden Menschenrechtskatalog. Bis 2003 existierte die Todesstrafe, sie ist heute offiziell abgeschafft, wird in einigen Geheimgefängnissen allerdings noch angewandt. Religionsfreiheit wird garantiert, Angehörige protestantischer Gemeinden oder Muslime sehen sich allerdings Repressalien der FLQ ausgesetzt. Diese agiert inzwischen nicht mehr im Untergrund, sondern nennt sich Direction de la sécurité (kurz: DS). Sie ist direkt dem Präsidenten unterstellt und hat etwa 7000 Mitarbeiter. Diese unterhalten einige Gefängnisse und Zuchthäuser, setzen Kritiker und Journalisten unter Druck und unterstützen die anderen Sicherheitsbehörden. Sie haben zudem Spione in Kanada und Großbritannien platziert.

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