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Dies ist die Einführungsseite zu der Alternativgeschichte "Georg Elser - Er hat die Welt verändert" von Sandrokottos.

In dieser Zeitlinie gelingt es dem Schreiner Johann Georg Elser am Jahrestag des Hitlerputsches am 8. November 1939, zwei Monate nach dem Einmarsch in Polen und der Kriegserklärung der Westalliierten an das Großdeutsche Reich, fast die gesamte NS-Führungselite bei einem Bombenattentat im Münchner Bürgerbräukeller auszuschalten. Anders als in UZL stellt er den Zünder seiner Bombe nicht auf 21:20 sondern auf 21:00 Uhr ein, sodass die durch schlechtes Wetter verkürzte Veranstaltung seinen Plan nicht vereitelt und die Bombe erst detoniert, nachdem Hitler bereits 13 Minuten zuvor gegangen ist, um seinen Zug zurück nach Berlin zu erreichen.

Dieses Ereignis verändert schlagartig das Machtgefüge in Europa. Im Großdeutschen Reich muss der designierte Nachfolger Hitlers, Hermann Göring, zunächst die innere Ordnung aufrecht erhalten und gleichzeitig versuchen, mit den Briten und Franzosen zu einem Waffenstillstand zu gelangen. Weite Teile der NS-Verwaltung sind vorerst lahmgelegt und erholen sich nur langsam von dem schweren Schlag, der das Regime getroffen hat. Dadurch bleiben weitere deutsche Offensivaktion aus und der "Sitzkrieg" an der deutsch-französischen Grenzen zieht sich bis 1941 ergebnis- und ereignislos hin. Zu einem wirklichen Weltkrieg wächst sich dieser Konflikt nicht aus. Im Frühjahr 1941 wird schließlich ein Waffenstillstand geschlossen, der ohne formelle beendigung des Krieges jahrzehntelang einen größeren Waffengang verhindert. Stattdessen kommt es im beginnenden Kalten Krieg zu einem Dreifrontenkonflikt, in dem die Westmächte, die Achsenmächte und die Sowjetunion in Stellvertreterkriegen ihren Einfluss auszudehnen versuchen.

Das Attentat

Motive

Elser war früh ein Gegner des Nationalsozialismus. Er verweigerte nach 1933 den Hitlergruß. Nach Augenzeugenberichten verließ er den Raum, wenn Hitler-Reden im Rundfunk übertragen wurden. In der frühen Phase war der Hauptgrund seiner Abneigung, wie er in einem späteren Gestapo-Verhör angab, die Verschlechterung der Lebensbedingungen nach 1933:

So z.B. habe ich festgestellt, dass die Löhne niedriger und die Abzüge höher wurden. […] Der Stundenlohn eines Schreiners hat im Jahr 1929 eine Reichsmark betragen, heute wird nur noch ein Stundenlohn von 68 Pfennigen bezahlt. […] Der Arbeiter kann z.B. seinen Arbeitsplatz nicht mehr wechseln, wie er will; er ist heute durch die HJ nicht mehr Herr seiner Kinder, und auch in religiöser Hinsicht kann er sich nicht mehr so frei betätigen.
Etwa ab 1938 prägte ein anderes Motiv seine Abneigung. Elser erkannte die Kriegsvorbereitungen und das Nachgeben der Westmächte bezüglich territorialer Forderungen des Deutschen Reichs:

Die von mir angestellten Betrachtungen zeitigten das Ergebnis, dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten. Unter der Führung verstand ich die ‚Obersten‘, ich meine damit Hitler, Göring und Goebbels. Durch meine Überlegungen kam ich zu der Überzeugung, dass durch die Beseitigung dieser 3 Männer andere Männer an die Regierung kommen, die an das Ausland keine untragbaren Forderungen stellen, die kein fremdes Land einbeziehen wollen und die für eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft Sorge tragen werden.
Elser wollte die führenden politischen Personen des NS-Staates mit einer Zeitbombe ausschalten und so den etwa zwei Monate zuvor von Deutschland ausgelösten Krieg über Polen gegen Großbritannien und Frankreich im Alleingang stoppen.

Planung und Vorbereitung

Nach dem Münchner Abkommen vom 30. September 1938 war Elser endgültig davon überzeugt, dass Hitler einen neuen Krieg plante und nur noch seine Ermordung großes Unheil abwenden könne. Nun begann er, einen Bombenanschlag zu planen. Da Hitler bekanntlich abends vor jedem Jahrestag seines gescheiterten Putschversuchs vom 9. November 1923 im Münchner Bürgerbräukeller eine Rede hielt, beschloss Elser, in die Säule direkt hinter dem Rednerpult eine Zeitbombe einzubauen. Er heuerte zunächst als Arbeiter im Steinbruch von Georg Vollmer in Königsbronn-Itzelberg an, um dort 105 Dynamit-Sprengpatronen und 125 Sprengkapseln für seine Zeitbombe zu entwenden. Am 5. August 1939 zog er nach München und mietete dort eine kleine Werkstatt. Den Nachbarn gegenüber gab er sich als Erfinder aus und konnte so unauffällig einen Zeitzünder konstruieren.

Ab Ende August 1939 suchte Elser den Bürgerbräukeller jeden Abend auf, nahm dort zunächst eine einfache Arbeitermahlzeit für 60 Pfennig zu sich und wartete eine günstige Gelegenheit ab, um sich unbemerkt in der Besenkammer zu verstecken. Dort verharrte er mehrere Stunden, bis das Gasthaus abgeschlossen wurde. In über 30 Nächten höhlte er dann in mühevoller, riskanter Arbeit eine Säule aus, um darin die Bombe mit Zeitzünder zu deponieren. Die Öffnung verschloss Elser mit einem Teilbrett der Säulenverkleidung, das er wie eine Tür anbrachte, während er die Schnittstellen in der Säule mit den Leisten der Verkleidung verdeckte. Der durch die Arbeit entstandene Hohlraum befand sich oben in einer Säule, die unmittelbar hinter Hitlers Rednerpult stand. Um nicht durch Geräusche auf sich aufmerksam zu machen, musste er jeweils für zehn Minuten seine Arbeit unterbrechen, bis die automatische Toilettenspülung des Bürgerbräukellers wieder einsetzte. Den anfallenden Schutt versteckte er in einem selbstgefertigten Sack, den er anfangs in einem Karton, später in einem Koffer unter den Augen der Kellnerinnen tagsüber hinaustrug und in der Isar entleerte. In den ersten Novembertagen baute er seine selbstkonstruierte Zeitbombe samt Dynamitpatronen, Sprengkapseln und Schwarzpulver in den Hohlraum in der Säule ein. In der Nacht vom 7. auf den 8. November überprüfte er im Bürgerbräukeller durch Horchen das Ticken des Uhrwerks der Zeitbombe.

Bombenexplosion und Opfer des Attentats

Am 8. November 1939 waren im Münchener Bürgerbräukeller etwa 1500 bis 2000 Zuhörer, nach anderen Angaben sogar 3000 Zuhörer, darunter ein großer Teil der NS-Führungsspitze, zum Gedenken an den Hitlerputsch 1923 versammelt. Die Parteiprominenz saß dicht gedrängt vor dem Rednerpult Hitlers.

Die Bombe explodierte exakt zu der von Elser vorgesehenen Zeit um 21:00 Uhr. Die Explosion des Sprengsatzes verwüstete den Saal. Durch die Druckwelle der Explosion brach der Pfeiler zusammen, in dem die Zeitbombe mit dem Dynamit versteckt war. Im Bereich der Rednertribüne stürzte die gesamte Deckenkonstruktion auf das Pult und die umliegenden Stühle und Tische. 85 Menschen wurden sofort erschlagen und Hunderte unter Mauerwerk, Dachträgern und Holzbalken begraben. 43 starben nach der Einlieferung in die Krankenhäuser. Weitere 218 Personen wurden schwer, 181 weniger schwer und nochmals zusätzlich 437 leicht verletzt. Das Explosionsgeräusch war für Radiohörer, die die Berichterstattung über die Veranstaltung verfolgten, deutlich zu hören.

Die prominentesten Todesopfer waren laut einem Pressebericht der Münchner Neuesten Nachrichten vom 10. November 1939:

Max Ammann Präsident der Reichspressekammer
Martin Bormann Reichsleiter der NSDAP, Stabsleiter von Rudolf Heß
Philipp Bouhler Leiter der Führerkanzlei
Wilhelm Brückner Chefadjutant von Adolf Hitler
Franz Xaver Ritter von Epp Reichsstatthalter in Bayern
Sepp Dietrich Befehlshaber der Leibstandarte Adolf Hitler
Karl Fiehler Oberbürgermeister von München
Hans Frank Generalgouverneur im besetzten Polen
Wilhelm Frick Reichsminister des Innern
Joseph Goebbels Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda
Ulrich Graf Mitglied des Reichstags, rettete Hitler während des Putsches das Leben
Rudolf Heß Stellvertreter des Führers
Konstantin Hierl Reichsarbeitsführer
Heinrich Himmler Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei
Adolf Hitler Führer und Reichskanzler
Heinrich Hoffmann Hitlers Fotograf
Adolf Hühnlein Führer des Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK)
Hermann Kriebel Leiter der Personal- und Verwaltungsabteilung im Auswärtigen Amt
Robert Ley Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF)
Joachim von Ribbentrop Reichsaußenminister
Alfred Rosenberg Reichsleiter der NSDAP, Chefideologe der Partei
Julius Schaub Chefadjutant von Adolf Hitler
Rudolf Schmundt Militärischer Chefadjutant Adolf Hitlers
Julius Streicher Herausgeber der Zeitschrift "Der Stürmer"
Fritz Todt Generalbevollmächtigter für die Bauwirtschaft
Adolf Wagner Gauleiter von München-Oberbayern
Christian Weber SS-Brigadeführer, Begrüßungsredner
Friedrich Weber Leiter der Reichstierärztekammer
Karl Wolff Stabschef von Heinrich Himmler

Festnahme in Konstanz

Elser erreichte auf seiner Flucht am 8. November 1939, mit dem Dampfer von Friedrichshafen kommend, den Konstanzer Hafen um 20:40 Uhr. Er nahm die Route Marktstätte, Rosgartenstraße, Bodanplatz, Hüetlinstraße, Kreuzlinger Straße in die Straße Schwedenschanze.

Elser wurde gegen 20:45 Uhr (vor der Explosion um 21:00 Uhr im Münchner Bürgerbräukeller) bei dem Versuch, in die Schweiz zu fliehen, noch auf deutscher Seite vom Zollassistenten Xaver Rieger und dem Hilfsgrenzangestellten Waldemar Zipperer vom Zollgrenzschutz in Konstanz im Wessenberggarten in der Schwedenschanze festgenommen und zum 200 Meter entfernten Hauptzollamt gebracht. Er machte sich verdächtig, weil seine Grenzkarte abgelaufen war und seine Tasche u. a. eine Ansichtskarte des Bürgerbräukellers und Teile eines Zünders enthielt. Unter dem Rockaufschlag trug er ein Abzeichen des kommunistischen Rotfrontkämpferbundes. Er wurde nach der Leibesvisitation im Zollgebäude am Kreuzlinger Tor in die Konstanzer Gestapo-Zentrale in der Mainaustraße 29 gebracht. Nachdem seine Verhaftung nach Karlsruhe und von dort nach Berlin gemeldet worden war, brachte man ihn in die Staatspolizeileitstelle nach München.

Verhör und Suche nach Hintermännern

Für die Ermittlungen wurde am Tag nach dem Anschlag eine Sonderkommission Bürgerbräukeller gegründet. Sie bestand aus einer Tatortkommission unter dem Abteilungsleiter Hans Lobbes aus dem Reichskriminalpolizeiamt und einer Täterkommission unter Franz Josef Huber, dem Leiter der Gestapozentrale in Wien.

Elser wurde in München und Berlin von der Gestapo teils unter Folter verhört. Dabei stellte sich bald seine Täterschaft zum Anschlag in München heraus, zu der sich Elser schließlich bekannte. Er verriet sich unter anderem durch seine geschwollenen Knie, die aus seinen Arbeiten im Bürgerbräukeller für die Vorbereitung des Attentats resultierten, bei denen er nächtelang auf den Knien hatte herumrutschen müssen

Fünf Tage nach dem Attentat wurde am 13. November von der Gestapo auch Elsers in Stuttgart lebende Schwester Maria Hirth während der Arbeit festgenommen, ebenso ihr Mann Karl Hirth und ihr zehnjähriger Sohn Franz (* 1929). Vater und Sohn wurden aus der vorher durchsuchten Wohnung ihrer Familie in der Lerchenstraße im Stuttgarter Westen zum Verhör in das Stuttgarter Dienstgebäude der Gestapo („Hotel Silber“) abgeführt. Karl Hirth war vorher vormittags an seinem Arbeitsplatz Hotel Württemberger Hof festgenommen worden. Im Hotel Silber trafen sie auf die Gattin und Mutter. Das Kind wurde von der Gestapo im Gebäude an der Pforte „vergessen“ und erst abends in ein nahe gelegenes Kinder- und Waisenheim gebracht.

Vom 19. bis 23. November wurde Elser im Geheimen Staatspolizeiamt in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin von den Kriminalkommissaren Herbert Kappler, Schmidt und Seibold verhört. Nachdem das Verhörprotokoll keinen Aufschluss über Hintermänner erbracht hatte, wurde weiter ermittelt. Der notwendige logistische Aufwand für ein derartiges Attentat schien für einen Einzelnen zu groß. Die Zweifel an Elsers Alleintäterschaft gründeten sich auch darauf, dass man ihm nicht die Kenntnisse und Fähigkeiten zum Bau der zeitgesteuerten Bombe zutraute. Da Elser darauf beharrte, die Bombe in allen Details allein konstruiert und angefertigt zu haben, wurde er aufgefordert, sie unter Aufsicht ein zweites Mal zu bauen. Elser erstellte dafür eine genaue Liste der benötigten Einzelteile und fertigte die Bombe ein weiteres Mal an.

Am 22. November 1939 informierte die deutsche Presse über den inzwischen überführten Täter. Von mehreren Fotografien, die von Elser zwischen dem 19. und dem 23. November gemacht worden waren, wurde nur eine in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht, sodass sie bis heute das bekannteste Bild Elsers geblieben ist. Die propagandistische Absicht der damaligen Bilderauswahl ergibt sich dadurch, dass Elser, der während der Verhöre geschlagen wurde und als gemeinster Verbrecher gebrandmarkt werden sollte, auf diesem Foto ungepflegt wirkt, auf anderen während der Vernehmung gemachten, aber nur für interne ermittlungstechnische Zwecke verwendeten Aufnahmen jedoch einen sicheren, kompetenten und überlegten Eindruck vermittelt.

Tabula Rasa

Am Morgen des 9. November war das Großdeutsche Reich nicht mehr dasselbe wie am Tag zuvor. Beinahe die gesamte Führungsspitze des Regimes war auf einen Schlag ausgelöscht worden. Ein derart effektives und katastrophales Attentat hatte die Welt bis dahin noch nicht gesehen. Der einzige Überlebende, abgesehen von den Führungsspitzen der Streitkräfte, war Hermann Göring, Preußischer Ministerpräsident, Präsident des Reichstages, Beaftragter für den Vierjahresplan, Reichsforst- und Reichsjägermeister sowie designierter Nachfolger Hitlers als Führer und Reichskanzler. In seiner Rede zum Beginn des Überfalls auf Polen hatte Hitler seine bereits seit 1934 bestehende Nachfolgeregelung öffentlich bekanntgegeben:

Ich habe damit wieder jenen Rock angezogen, der mir einst selbst der heiligste und teuerste war. Ich werde ihn nur ausziehen nach dem Sieg, oder ich werde dieses Ende nicht erleben!
Sollte mir im diesem Kampfe nun etwas zustoßen, dann ist mein erster Nachfolger Parteigenosse Göring. Sollte Parteigenossen Göring etwas zustoßen, ist der nächste Nachfolger Parteigenosse Hess. Sie würden diesen dann als Führer genau so zu blinder Treue und Gehorsam verpflichtet sein wie mir. Sollte auch Parteigenossen Hess etwas zustoßen, werde ich durch Gesetz nunmehr den Senat berufen, der dann den Würdigsten, d.h. den Tapfersten, aus seiner Mitte wählen soll.
Durch diese Erklärung war also jedem klar, wer in dieser schweren Stunde die Geschicke des Reiches zu lenken bestimmt war. Göring war nicht nur ein Kriegsheld des Ersten Weltkrieges, sondern auch ein Nationalsozialist der ersten Stunde. 1923 nahm er in München am Hitlerputsch teil. Bei dieser Gelegenheit wurde er schwer verwundet und nach einer Morphiumbehandlung süchtig. Dies minderte seine Leistungsfähigkeit mit den Jahren immer mehr, doch verstand er es, seine Aufgaben zu delegieren und sich bei der Bevölkerung beliebt zu machen. Zwar gehörte die Behauptung, der Feldmarschall habe so viel hang zu Selbstironie besessen, dass er alle über ihn im Reich kursierenden Witze sammelte, ins Reich der Legenden, doch galt er unter den NS-Größen allgemein als der umgänglichste Zeitgenosse.

Auch dass er sich unter Hitler eine erstaunliche Eigenständigkeit hatte bewahren können, qualifizierte ihn für die große Aufgabe, die nun vor ihm lag: Das Reich nach dem katastrophalen Anschlag zu einen, Stärke zu demonstrieren und aus einer Position der Stärke heraus die Alliierten an den Verhandlungstisch zurückzuholen. Bereits vor dem 8. November hatte Göring immer wieder hinter Hitlers Rücken mit den Alliierten in Kontakt gestanden und dabei sogar angeboten, Hitler zu entmachten. Göring musste sich daher bei allen seinen Bemühungen um Verständigung mit den Westalliierten immer dessen bewusst sein, dass sie diese Informationen jederzeit gegen ihn verwenden könnten und dass dies sehr wahrscheinlich zu seinem Sturz führen würde.

Außenpolitik

Dennoch wagte Göring, nachdem sich die Lage im Reich bis Weihnachten einigermaßen beruhigt hatte, bereits im Januar 1940 einen ersten Versuch, den Krieg, den er von Anfang an abgelehnt hatte, zu beenden. Dabei bot er die Wiederherstellung Polens und einen Beistandspakt gegen die expansive Sowjetunion an, die Briten und Franzosen forderten jedoch den Rückzug des Deutschen Reiches auf die Grenzen von 1937, was für die deutsche Seite völlig indiskutabel war. Zwar vermochte Göring den Krieg zu diesem Zeitpunkt nicht zu beenden, doch konnte er sich so innerhalb Deutschlands als Friedensstifter in Szene setzen, dem nur die überzogenen Forderungen der Gegenseite den Erfolg versagt hätten. So konnte er Wehrmacht und Volk auf einen längeren Krieg einschwören, der ausschließlich von der Haltung der Alliierten abhängig und jederzeit zu beenden sei, sobald diese einlenken würden. Die deutschen Angriffsplanungen für den Westen, die eine massive Invasion Frankreichs und der neutralen Benelux-Staaten vorsahen, wurden fallengelassen und eine defensive Position hinter dem Westwall bezogen, während die Franzosen sich ebenfalls hinter der schwer befestigten Maginot-Linie verschanzten und keine Vorstöße auf deutsches Gebiet unternahmen. So kam es letztlich in gewisser Weise zu einem "unerklärten Frieden" zwischen den beiden Machtblöcken.

Innenpolitik

Im Inneren gab das Großdeutsche Reich nach dem Ausfall des größten Teils der NS-Führungselite ein desolates Bild ab. Die obersten Ränge der Verwaltung waren - mit Ausnahme des Militärs - unbesetzt und mussten nun von der "zweiten Reihe" her aufgefüllt werden. Dabei suchte Göring verstärkt den Ausgleich zwischen gemäßigten Nationalsozialisten und den klassischen konservativen Eliten des Reiches.

Während Göring versuchte, die Verwaltung neu zu ordnen, ergriffen in Polen Aufständische die günstige Gelegenheit, die sich ihnen bot. Der verhasste Generalgouverneur war getötet worden und die SS musste sich zunächst vom Verlust ihres Reichsführers Himmler erholen. Göring hatte es mit dieser Personalie auch nicht allzu eilig, da er nur zu genau wusste, welche Machtfülle der Reichsführer-SS in seinen Händen halten würde und eines Tages gegen ihn wenden könnte. Im Dezember 1939 begann zunächst mit dem Warschauer Aufstand, der von der Wehrmacht blutig niedergeschlagen wurde, ein langanhaltender Partisanenkrieg, der, je mehr sich die Kommunisten innerhalb der Partisanenbewegung als führende Gruppierung durchsetzten, von der Sowjetunion materiell unterstützt wurde, sodass sich der Kampf um Polen zu einem der ersten Stellvertreterkriege entwickelte. Auch in Böhmen und Mähren gab es in den folgenden Jahren immer wieder Aufstände und Anschläge. Die deutsche Seite reagierte darauf mit Strafaktionen, bei denen vielfach ganze Dörfer planvoll ausradiert wurden.

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