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Die Geschichte Großdeutschlands umfasst die Geschichte der Staaten und Nationen auf dem Gebiet des heutigen Großdeutschen Volksstaates, also insbesondere des Großdeutschen Reiches (1943-1969) und des Deutschen Reiches (1871-1943), darüber hinaus auch der kurzzeitig existierenden Staaten Republik Österreich (1919-1938) und Tschechoslowakei (1918-1939) sowie der Staaten des Deutschen Bundes (1815-1866) und des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (800-1806).

Antike

Um 500 v. Chr. war Norddeutschland bereits von germanischen Stämmen besiedelt, die sich nach und nach auch in die südlich und östlich gelegenen Siedlungsgebiete der Kelten und anderer benachbarter Völker ausbreiteten. Seit der Eroberung Galliens durch Julius Caesar lebten sie in direkter Nachbarschaft zum Römischen Reich. Mit dem Beginn der Völkerwanderung zogen zahlreiche germanische Stammesverbände ins Reichsgebiet und errichteten eigene Königtümer auf den Trümmern des Imperiums, von denen das Reich der Franken schließlich zur dominierenden Macht Europas werden sollte.

Frühmittelalter

Das Frankenreich beherrschte im 8. Jahrhundert neben dem ehemaligen Gallien auch weite Gebiete des alten Germanien. Karl der Große unterwarf als letztes freies Volk die Sachsen zwischen Nordsee und Harz. Am Weihnachtstag 800 n. Chr. wurde er in Rom von Papst Leo III. zum Römischen Kaiser gekrönt. Nach seinem Tod wurde das Frankenreich geteilt und es entwickelten sich ein Ost- und ein Westfränkisches Reich. Aus dem Westfränkischen Reich entwickelte sich das heutige Frankreich , während die germanischen Herzogtümer des Ostfränkischen Reiches eine eigene Identität entwickelten. Spätestens nach dem Sieg Heinrichs I. gegen die eindringenden Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg trat ein geeintes germanisch geprägtes Königtum in Erscheinung. König Otto I. sicherte sich nach seiner Eroberung Italiens zusätzlich die Römische Kaiserkrone, die von nun an bis 1806 in "deutschem" Besitz verbleiben sollte.

Hoch- und Spätmittelalter

Im Laufe der Zeit büßten die Kaiser viel von ihrer Hausmacht ein und mussten den Reichsfürsten immer größere Zugeständnisse machen. Dies war nicht zuletzt dem System des Wahlkaisertums geschuldet, wodurch sich die wahlberechtigten Kurfürsten Zugeständnisse für eine geregelte Nachfolge erzwangen. Außenpolitisch war das Reich schließlich kaum noch handlungsfähig und viele Fürsten betrieben eine vom Reich unabhängige Politik, die zum Entstehen mehrerer bedeutender Mittelmächte führte (z.B. Bayern, Österreich und Preußen), während die Einmischungen auswärtiger Mächte in die inneren Angelegenheiten des Reiches sich mehrten. Seit dem 14. Jahrhundert beherrschte das Geschlecht der Habsburger von Österreich aus das Heilige Römische Reich .

Mit der lutherischen Reformation zerbrach die bisherige religiöse Einheit des Reiches und selbst ein Teil der Kurfürstentümer fiel in evangelische Hand. Es folgten zwei Jahrhunderte der religiösen Kriege auf deutschem Boden, die im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ihren Höhepunkt und Abschluss fanden. Der Krieg richtete großflächige Zerstörungen an und kostete etwa ein Drittel der Bevölkerung das Leben. Im Westfälischen Frieden schieden Italien , die Schweiz und die Niederlande endgültig aus dem Reichsverband aus, während das Gebiet des heutigen Belgien zwischen Österreich und Frankreich umkämpft blieb.

Frühe Neuzeit

Im 18. Jahrhundert stieg das Kurfürstentum Brandenburg unter den Hohenzollern zur neuen Großmacht auf. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) erkämpfte sich der nun Preußen genannte Staat gegen die Großmächte Österreich und Russland seine bleibende weltpolitische Bedeutung. Er sollte schließlich neben Österreich zur zweiten deutschen Hegemonialmacht werden.

Mit der Französischen Revolution und dem Aufstieg Napoleons kam schließlich das Ende des "Alten Reiches". Frankreich annektierte das linke Rheinufer und gründete den Rheinbund als Stachel im Fleisch des verbliebenen Reichsgebiets. Kaiser Franz I. lebte schließlich 1806 die Römisch-Deutsche Kaiserkrone nieder, proklamierte jedoch bereits 1804 das Kaisertum Österreich , um mit Napoleon Ranggleichheit zu wahren. Die europäischen Großmächte kämpften Napoleon schließlich nach seinem gescheiterten Russland-Feldzug zwischen 1813 und 1815 mühsam nieder. Die Völkerschlacht bei Leipzig gilt als Wendepunkt auf dem deutschen Kriegsschauplatz. Insbesondere Preußen fühlte sich nun als Speerspitze der Befreiungskriege gegen die französische Okkupation. Feldmarschall Blücher besiegte Napoleon 1815 im Bunde mit dem britischen Befehlshaber Wellington endgültig bei Waterloo in Belgien.

Der Deutsche Bund

Nach der Niederlage Napoleons wurden die politischen Verhältnisse in Europa neu geordnet. Viele Deutsche hofften auf die Bildung eines eigenen Nationalstaates nach dem Vorbild Frakreichs. Doch diese Hoffnungen wurden auf dem Wiener Kongress enttäuscht, der stattdessen einen losen Bund von Fürstenstaaten, den Deutschen Bund , schuf. Die Unzufriedenheit mit dieser Lösung entlud sich über Jahrzehnte immer wieder in demokratischen und liberalen Protesten, die schließlich 1848/49 in die Deutsche Revolution mündeten. Unter dem Druck der Straße wurde eine Nationalversammlung gewählt und in Frankfurt ein Verfassungsentwurf ausgearbeitet. Nach langen Diskussionen sollte ein "kleindeutscher" Bundesstaat unter preußischer Führung entstehen, der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnte die ihm angebotene Kaiserkrone aber ab. Damit war die Revolution gescheitert. Der Deutsche Bund wurde erneuert und Zensur und Repression bestimmten die Gesellschaft der nächsten Jahre.

1866 schließlich kam es zum Bruch des Bundes, nachdem Preußen unter seinem Ministerpräsidenten Otto von Bismarck den Plan gefasst hatte, die kleindeutsche Lösung mit Gewalt zu verwirklichen. In einem Krieg gegen Österreich und seine Verbündeten konnte Preußen sich in der Schlacht von Königgrätz durchsetzen. Österreich schied vorerst aus dem deutschen Raum aus und Preußen bildete zunächst mit den übrigen norddeutschen Staaten den Norddeutschen Bund. 1870/71 besiegten die vereinigten Armeen der Preußen, Bayern, Badener und Württemberger das aufgrund einer gezielten Provokation zum Krieg gereizte Frankreich und die süddeutschen Staaten schlossen sich dem Norddeutschen Bund, nun erweitert zum Deutschen Reich , an.

Das Kaiserreich

Mit der Reichsgründung begann eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland . Die Wirtschaft wuchs und Deutschlands Einfluss in der Welt ebenso. Die sogenannten Gründerjahre brachten dem Reich und seinen Bewohnern Wohlstand, jedoch auch Not und Elend für die Arbeiter. Die soziale Frage beherrschte den größten Teil von Bismarcks Kanzlerschaft, die er durch Fortschritte wie die Krankenversicherung zu entschärfen versuchte, nicht ohne den Hintergedanken natürlich, dadurch den Aufstieg Sozialdemokratie einzudämmen.

Zwar zeigten seine Maßnahmen wie das Sozialistengesetz nicht die erhoffte Wirkung, doch das deutsche Sozialsystem war zum Ende von Bismarcks Regierungszeit das fortschrittlichste der Welt.

1888 starb Kaiser Wilhelm der I. und sein Sohn Friedrich III. folgte auf den Thron nach. Allerdings verstarb er schon nach wenigen Wochen, sodass sein Sohn als Wilhelm II. den Kaiserthron bestieg. Mit Wilhelm II. begann ein neuer Abschnitt in der deutschen Geschichte, der geprägt war von dem Ziel, mit England zu konkurrieren und Kolonien in Übersee zu erwerben. Bismarck stand diesen Plänen ablehnend gegenüber, weswegen er von Wilhelm 1890 entlassen wurde. In der Folge schaffte es Wilhelm II., das von Bismarck aufgebaute Bündnissystem in Europa innerhalb weniger Jahre zu Fall zu bringen.

Auch der Erwerb von Kolonien gestaltete sich schwierig, da bis auf einige weniger attraktive Randgebiete kaum noch Land übrig war.

Das Flottenwettrüsten belastete zusätzlich die Beziehungen zur Weltmacht England .

Als am 28. Juni der österreichische Thronerbe Franz-Ferdinand in Sarajevo erschossen wurde, war ein europäischer Krieg unausweichlich. Vier Jahre lang kämpften die Mittelmächte (Deutschland, Österreich-Ungarn , Bulgarien , Osmanisches Reich ) gegen die Übermacht der Alliierten.

Zwar konnte Russland als Gegner ausgeschaltet werden, indem man den Revolutionär Lenin durch Deutschland nach St. Petersburg reisen ließ, doch der Kriegseintritt der USA zwang die Mittelmächte schließlich Ende 1918 zur Kapitulation.

In Berlin wurde am 9. November die Republik ausgerufen, am 11. November unterzeichnete Deutschland den Waffenstillstand.

Die Weimarer Republik

Die deutsche Republik hatte bereits in ihren Anfängen unter erheblichem Druck zu leiden. Zunächst erschütterte eine kommunistische Revolution das Land, dann kam es zu Putschversuchen und politischen Morden von Rechts.

Die nächste Hürde stellte der Versailler Vertrag dar, der neben umfangreichen Gebietsabtretungen die alleinige Kriegsschuld des Deutschen Reiches festschrieb.

Widerstand gegen das Diktat von Versailles, wie es in weiten Kreisen genannt wurde, regte sich Widerstand in allen politischen Lagern.

Dennoch konnte sich die Republik ab 1924 zunächst stabilisieren. Außenpolitisch wurde die Isolation durchbrochen. Dies war insbesondere Außenminister Gustav Stresemann zu verdanken, der Deutschland 1926 sogar in den Völkerbund führte.

Die Wende kam ab 1929, als die Börsen überall auf der Welt zusammenbrachen. Eine schwere Wirtschaftskrise war die Folge, die zu Armut, Massenarbeitslosigkeit und vor allem politischem Extremismus führte.

Als keine stabilen Mehrheiten im Parlament für eine Regierungsbildung mehr zustande kamen, regierte Reichskanzler Franz von Papen als Chef eines sogenannten Präsidialkabinetts ohne Mehrheit im Parlament mittels Notverordnungen, die er sich vom Reichspräsidenten ausstellen ließ. Sobald der Reichstag versuchte, der Regierung das Misstrauen auszusprechen oder die Notverordnungen zu kassieren, wurde er vom Reichspräsidenten auf Antrag der Regierung aufgelöst. Damit hatte die Parlamentsdemokratie ihre Bankrotterklärung abgegeben.

Die Kommunisten gewannen bei den folgenden Wahlen massiv hinzu, mehr jedoch profitierte die NSDAP Adolf Hitlers von der Krise der Demokratie. Bis 1932 wuchs der Stimmenanteil der Partei auf fast 40 Prozent. Am 30. Januar 1933 wurde Hitler von Reichspräsident Hindenburg zum Kanzler ernannt.

Die Regierungszeit Adolf Hitlers

Nach seiner Ernennung zum Reichskanzler ging Hitler energisch daran, die Not des Volkes durch zahlreiche Maßnahmen zu lindern. Er begann den massiven Ausbau des Autobahnnetzes im ganzen Reich, führte den Reichsarbeitsdienst ein und belebte die Wirtschaft durch zahlreiche Anreize.

Am 28. Februar wurde das Reichstagsgebäude bei einem Brand schwer beschädigt, hinter dem Anschlag wurden Kommunisten vermutet. Bis heute sind die Ursachen für diesen Unfall nicht restlos aufgeklärt.

Mit der Notverordnung Zum Schutz von Volk und Staat wurden die Grundrechte außer Kraft gesetzt und die Verfolgung politischer Gegner eingeleitet.

Die KPD wurde verboten, ihre Abgeordneten verhaftet und auch die Sozialdemokraten sahen sich schweren Verfolgungen ausgesetzt.

Die Gefangenen wurden in Konzentrationslagern untergebracht, wo sie systematisch von Mitgliedern der SA misshandelt wurden. Später wurden die Lager auch mit Juden, "Asozialen", Homosexuellen, Kriminelle, Sinti und Roma, sowie Ernsten Bibelforschern (Zeugen Jehovas) gefüllt. Alle diese waren den Torturen der Schergen des Systems hilflos ausgeliefert, da die Konzentrationslager außerhalb des Rechtssystems agierten.

1934 wurde die SA unter Ernst Röhm unter dem Vorwand, sie habe einen Staatsstreich geplant, entmachtet und ihre Führer hingerichtet. Die Verwaltung der Konzentrationslager wurde der SS übertragen, die unter Heinrich HImmler den Platz der SA im Machtapparat übernahm.

1935 konnte nach einer Volksabstimmung das Saargebiet wieder ins Reich eingegliedert werden, noch im gleichen Jahr wurde die Wehrpflicht entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrages wieder eingeführt. 1936 besetzten Truppen der Wehrmacht das entmilitarisierte Rheinland, was einen weiteren Verstoß gegen den Vertrag darstellte.

AD 1939

Das Anschlussdenkmal in Oberschützen, Reichsgau Steiermark 1939

Der größte Erfolg gelang Hitler schließlich 1938, als er Österreich und das Sudetenland dem Reich anschloss und somit das Großdeutsche Reich gründete. 1939 ließ er die Überreste der einstigen Tschechoslowakei besetzen und zum Reichsprotektorat Böhmen und Mähren ausrufen. Kurz darauf gelang es ihm noch, das Memelland von Litauen zurückzugewinnen, das dieses 1923 annektiert hatte. Auf dem Höhepunkt seiner Macht fiel der Führer und Reichskanzler auf perfide Weise an seinem 50. Geburtstag einem Attentat, ausgeführt vom britischen Militarattachée Noel Mason-MacFarlane, zum Opfer.

In den Jahren seiner Herrschaft hatte Hitler dem Großdeutschen Reich zu einem beispiellosen Wiederaufstieg unter die führenden Weltmächte verholfen. Politiker aus dem In- und Ausland würdigten den großen Staatsmann, der Deutschland - ohne einen einzigen Schuss abgefeuert zu haben - aus den Fesseln des Versailler Vertrages befreit, den alten großdeutschen Traum durch die Wiedervereinigung seiner Heimat Österreich mit dem Deutschen Reich verwirklicht und den Deutschen ihren Stolz zurückgegeben hatte. Erst mit dem Einmarsch in die Rest-Tschechei und dem Anschluss des Memellandes endete die Geduld der Westmächte, die in Folge dessen zu einer gegen Deutschlands Expansion gerichteten Bündnispolitik in Osteuropa übergingen. Dennoch konnte Adolf Hitler als einer der größten deutschen Staatsmänner in die Geschichtsbücher eingehen.

Die Regierungszeit Hermann Görings

Hermann Goering Portrait

Offizielles Portrait Görings

Für das Großdeutsche Reich bedeutete der Tod Hitlers den Verlust eines gefeierten Nationalhelden und Märtyrers. In einem Geheimerlass vom Dezember 1934 hatte Hitler Hermann Göring für den Fall seines Todes zum Nachfolger in den Ämtern des Reichskanzlers und Reichspräsidenten ernannt. Diese Ernennung war den Mitgliedern der Reichsregierung seit 1936 bekannt gewesen. Offener Widerstand gegen die Nachfolgeregelung regte sich nicht, nachdem Göring die Führung der Wehrmacht bereits wenige MInuten nach dem Tod Hitlers auf sich vereidigt und sich damit die Loyalität des Militärs gesichert hatte. Das Militär hatte ursprünglich für die Zeit nach dem Attentat einen Staatsstreich geplant, um den Rest der NS-Führungsriege zu beseitigen, was sich aber wohl nicht darüber im Klaren, dass es eine eindeutig geregelte Nachfolge gab. Jedenfalls schien die Führung des Heeres völlig überrumpelt, als Göring in der Reichskanzlei Gesetz und Erlass über die Nachfolge des Führers präsentieren konnte. Nachdem sich der Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch, auf Göring hatte vereidigen lassen, brach der Umsturzversuch schnell in sich zusammen, obwohl die Wehrkreise bereits alarmiert waren.

Unmittelbar nach dem Attentat

Göring erkannte die Gunst der Stunde und nutzte die bereits angelaufene Mobilmachung zu seinen Gunsten, indem sie ihm die Möglichkeit gab, Heinrich Himmler, seinen gefährlichsten Konkurrenten, mit einem Schlag auszuschalten. Himmler hatte in den Jahren unter Hitler massiv an Macht gewonnen und dabei unter Anderem auch Göring selbst Pfründe gekostet. Nicht nur Hess und Goebbels, der Himmler Jahre zuvor nach dessen Verwanzung seiner Dienstwohnung u.a. in seinem Tagebuch als "hinterlistiges Vieh" bezeichnet hatte, auch viele andere Reichsminister unterstützten die Bestrebungen Görings, Himmler auszuschalten. Innenminister Wilhelm Frick z.B. hatte die Kontrolle über die Polizei an Himmler verloren, Justizminister Gürtner beklagte sich über die unhaltbaren Zustände in den von der SS beaufsichtigten Konzentrationslagern. Auch die Wehrmacht, schon lange erbost ob Himmlers Versuchen, eigene bewaffnete Einheiten abseits des Heeres (SS-Verfügungstruppe) aufzustellen, leistete ihm dabei nur zu gerne Schützenhilfe. Entsprechend erging bereits um 16:31 Uhr die Order, Heinrich Himmler wegen angeblicher Verschwörung zum Hochverrat zu verhaften. Unterdessen hatten Einheiten der Wehrmacht das Gestapo-Hauptquartier in der Prinz-Albrecht-Straße 8 in Berlin-Kreuzberg erreicht, wo sie Reinhard Heydrich, den Chef der Sicherheitspolizei und des SD, und Kurt Daluege, den Chef der Ordnungspolizei und stellvertretenden Chef der Deutschen Polizei, über die gegen Heinrich Himmler erhobenen Vorwürfe in Kenntnis setzten und sie auf schriftlichen Befehl Görings kommissarisch mit der Ausübung seiner Ämter als Chef der Deutschen Polizei (Daluege) bzw. Reichsführer-SS (Heydrich) betrauten. Heinrich Himmler nahm sich noch in der Nacht zum 21. April selbst das Leben. Nach Himmlers Tod wurden Daluege und Heydrich noch einmal offiziell in ihren Ämtern bestätigt. Die Trennung beider Ämter sorgte in der Folge für Spannungen zwischen beiden, denn Daluege war als Chef der Deutschen Polizei nun Vorgesetzter von Heydrich als Chef der Sicherheitspolizei, Heydrich aber als Reichsführer-SS Vorgesetzter des SS-Obergruppenführers Daluege. Der Dualismus zwischen beiden Instanzen entwickelte sich in der Folge zu einem wesentlichen Kennzeichen der Politik Görings gegenüber der SS.

Durch zahlreiche im Anschluss folgende Strafverfahren gegen ehemalige KZ-Wachmänner der SS, die medial durch Propagandaminister Goebbels groß in Szene gesetzt wurden, litt der Ruf der SS massiv und nachhaltig. Die Konzentrationslager wurden der direkten Kontrolle der Gestapo übergeben, die zu diesem Zweck massiv aufgestockt wurde. Zwar übte Heydrich als Chef der Sicherheitspolizei und des SD, der die zu großen Teilen aus SS-Angehörigen bestehende Gestapo angegliedert war, weiterhin die Kontrolle über diese Lager aus, die Kompetenz verschob sich aber aus der Sphäre der SS zurück in die Sphäre der staatlichen Polizei. Dies wurde der Beginn einer merklichen Machtverschiebung innerhalb des NS-Institutionengefüges, deren Endergebnis nicht, wie von Heydrich oder Himmler geplant, eine Entstaatlichung der Polizei war, sondern stattdessen eine weitgehende Verstaatlichung der SS.

NS-Demo

Spontaner Gedenkmarsch für den Führer, 20. April 1939 (vorne im Bild Propagandaminister Joseph Goebbels)

Derweil verkündete Propagandaminister Joseph Goebbels gegen 17:00 Uhr im Radio offiziell den Tod des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler. In seiner Rundfunkansprache verurteilte er das Attentat aufs Schärfste und drohte Großbritannien mit "einem entschiedenen Signal der Stärke und Willenskraft des Deutschen Volkes". Entsprechend der Darstellung Görings, die Goebbels, wie er seinem Tagebuch anvertraute, zwar nicht glaubte, aber aus der gemeinsamen Abneigung gegen Himmler heraus dennoch umstandslos mittrug, wurde Himmler unterstellt, von den Attentatsplänen gewusst und "durch den Versuch, entgegen dem Gesetz, die Macht im Staate an sich zu reissen, dem Lande und dem gesamten Volk unabsehbaren Schaden zugefügt" zu haben. Himmler sei daher vom Nachfolger des Führers, Feldmarschall Göring, aus der Partei sowie aus allen Staatsämtern ausgestoßen worden. Außerdem ordnete er eine dreimonatige Staatstrauer und Trauerbeflaggung an.

Die Nachricht vom Tod des Führers löste bald auch in anderen Städten Trauer und Entsetzen aus. An zahlreichen Orten fanden noch am Abend spontan organisierte Trauermärsche und -gottesdienste statt. Daneben mischten sich in die Trauer zuweilen auch antibritische Parolen, die vom Propagandaministerium dankbar aufgenommen und zusätzlich befeuert wurden.

Thronfolge

Goering Rede

Hermann Göring während seiner Antrittsrede als Staatsoberhaupt vor dem Großdeutschen Reichstag, 21. April 1939

Am Vormittag des 21. April wurde Hermann Göring als neuer Führer und Reichskanzler vor dem Großdeutschen Reichstag vereidigt. Der größte Teil der Minister aus Hitlers Kabinett konnte seine Arbeit auch unter Göring fortsetzen, wobei dieser jedoch anderen Kräften den Vorzug gab als sein Vorgänger. So konnte vor allem Innenminister Frick wichtigen Boden gutmachen, indem er die Polizei wieder vollständig in das Innenministerium eingliederte. Justizminister Gürtner versprach er die mittelfristige Auflösung der Konzentrationslager und ein Ende der Schutzhaft als Dauerinstrumentarium abseits der Gerichte. Damit hatten sich allem Anschein nach die Verfechter "geordneter Verhältnisse" und klassischer Verwaltungsarbeit gegen die Konkurrenz der rohen "Überzeugungstäter" durchgesetzt. Auch in der Armee und in der Bevölkerung hatte sich die neue Führung durch die Beseitigung Himmlers Sympathien und Vorschuss-Lorbeeren erworben. Nun galt es, diese positive Grundstimmung in effektives Regierungshandeln zu übersetzen.

Goebbels Sportpalastrede

Sportpalastrede

Rede des Propagandaministers Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast, 24. April 1939

Für den Montag, der auf den Führergeburtstag folgte, inszenierte Propagandaminister Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast eine Grundsatzrede, die das deutsche Volk auf den neuen Staatschef einschwören und zu verstärkter Wachsamkeit gegenüber dem westlichen Ausland wie auch gegenüber Regimekritikern im Inland aufrufen sollte. Insbesondere griff er Großbritannien und die Vereinigten Staaten und die Berichterstattung in der dortigen Presse über das Attentat auf Adolf Hitler und die Reaktionen der deutschen Bevölkung auf diese Ereignisse an. Die Rede, die in Gänze im Radio übertragen wurde, verfehlte ihre Wirkung nicht. In Großbritannien musste man einsehen, dass das Volk sich nicht, wie erhofft, massenhaft gegen das Regime erheben würde. Vielmehr stärkte die Rede die Bindung des Volkes an die NS-Herrschaft, indem sie die Idee der Führerschaft transzendierte und von der Person Hitlers löste. Nicht eine Einzelperson, sondern der elitäre Zirkel des Geheimen Kabinettsrates innerhalb der Reichsregierung, der eigentlich von Hitler 1938 als außenpolitisches Beratungsgremium eingerichtet worden war, sich unter Göring jedoch schnell zu einer Art "Präsidium der Reichsregierung" entwickelte, war nun die "Volksführung". Somit leitete Goebbels die Abwicklung des Führerkults ein, der Göring auch in späteren Jahren nie im selben Maße zukam wie Hitler. Dessen Sakralisierung setzte sich jedoch auch nach seinem Tod unvermindert fort.

Führerbegräbnis

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Skizze des geplanten Hitler-Mausoleums in Linz

Am 30. April 1939 wurde Adolf Hitler, vom Propagandaminister posthum zum "Schöpfer des Großdeutschen Reiches" stilisiert, in seiner Heimatstadt Linz mit "olympischem Pomp" beigesetzt. Der Trauerzug zog sich durch die gesamte Stadt und musste mehrfach anhalten, da verstörte Menschen die Polizeiabsperrungen durchbrachen und sich weinend und jammernd zum Sarg vorkämpften, wohl um Gewissheit zu finden, dass es wirklich ihr Führer war, der dort an ihnen vorbeigetragen wurde. Der Leichenzug wurde von hochkarätigen Staatsgästen aus aller Welt begleitet, darunter US-Präsident Franklin D. Roosevelt, Premierminister Anthony Eden, der französische Staatspräsident Edouard Daladier, der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow, der ungarische Reichsverweser Miklos Hórty, der Duce Benito Mussolini und der spanische Generalissimo Francisco Franco.

Der Prozess gegen den Hitler-Attentäter

Volksgerichtshof

Prozess gegen den Hitler-Attentäter Noel Mason-MacFarlane vor dem Volksgerichtshof

Keine zwei Wochen nach dem Attentat fand der Prozess gegen Noel Mason-MacFarlane vor dem Volksgerichtshof statt. In Großbritannien und den Vereinigten Staaten setzten sich zahlreiche Regierungsvertreter vergeblich für eine Überstellung Mason-MacFarlanes ein. Während des Prozesses demonstrierten zahlreiche Menschen überall im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten für seine Freilassung. In der britischen Öffentlichkeit wurde er wie ein Volksheld gefeiert. Trotz alledem wurde Noel Mason-MacFarlane am 3. Mai 1939 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am folgenden Tag hingerichtet. Seine Asche wurde in der Spree verstreut.

Fazit der ersten Tage und Wochen

Die neue Reichsführung war durch die unmittelbar auf das Attentat folgenden Maßnahmen im Wesentlichen stabilisiert. Ein möglicher Widerstand Heinrich Himmlers und der SS gegen Görings Herrschaft war bereits im Keim erstickt worden, darüber hinaus erhob niemand mehr einen gegen ihn gerichteten Anspruch. Im Gegenteil begrüßten vor allem viele klassische Konservative sowie die Großindustrie die neue Führung, zumal Göring sich in den Jahren unter Hitler eine erstaunliche Eigenständigkeit bewahren konnte und besonders unter den Anhängern eines traditionellen wilhelminischen Imperialismus in einer Weise anschlussfähig war, die es ihm ermöglichte, relativ frei außerhalb der Parteistrukturen zu agieren. Zusätzlich war Göring auch unter der Bevölkerung verhältnismäßig populär und verstand es, sich trotz seines Hangs zu Prunk und Pomp volksnah zu inszenieren.

Weitere Entwicklung nach dem Frühjahr 1939

Triumvirat Goebbels Goering Hess

Hermann Göring auf dem Reichsparteitag 1939, daneben Joseph Goebbels und Rudolf Hess

Den engeren Machtzirkel der neuen Führung bildete ein Triumvirat aus Göring selbst, Propagandaminister Joseph Goebbels und Parteiführer Rudolf Hess. Diese drei hielten einen Großteil der wesentlichen Zügel des Reiches in der Hand, nicht zuletzt alle Kanäle des Einflusses auf das Volk. Auf dem Reichsparteitag des Friedens vom 2. bis 11. September 1939, auf dem vor allem dem Ausland der anhaltende Friedenswille Großdeutschlands demonstriert werden sollte, wurde Göring als neuer starker Mann des Großdeutschen Reiches in Szene gesetzt und als Garant der Stabilität in Mitteleuropa. In seiner Eröffnungsrede, in der Göring zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit die Grundzüge seines Regierungsprogramms vorstellte, hob er seine Verdienste um das Zustandekommen des Münchner Abkommens hervor und kündigte als einen wesentlichen Eckpfeiler seiner zukünftigen Politik gesamteuropäische Verhandlungen zur vollen Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts der Völker unter dem Leitbild des Ethnopluralismus an, also der Schaffung homogener Nationalstaaten vor allem in Osteuropa, wo in aller Regel Siedlungs- und Staatsgrenzen nicht miteinander übereinstimmten. Da er damit implizit Bevölkerungsverschiebungen den Vorzug vor Gebietsveränderungen gegeben hatte, wurde die medial vielbeachtete Initiative von den übrigen europäischen Mächten größtenteils sehr positiv aufgenommen.

Staatsaffäre um Joseph Goebbels

1937 Lida Baarova im Film Patrioten gemeinfrei opt

Lida Baarova, Geliebte von Joseph Goebbels zwischen 1936 und 1943

Seinem Hang zu dramatisch inszenierten Intrigen blieb Hermann Göring auch als Staatschef treu. Nachdem er bereits maßgeblich an der Röhm-Affäre und der Blomberg-Fritsch-Krise beteiligt gewesen war, sollte sein nächstes Opfer niemand Geringeres als der Propagandaminister werden, mit dem er sich privat bereits seit der Zeit vor der Machtergreifung immer wieder befehdet hatte. Goebbels hatte 1936 die tschechische Schauspielerin Lida Baarova kennengelernt und bis Ende 1938 eine Affäre mit ihr geführt. Er plante bereits das Ende seiner politischen Karriere und bat Magda Goebbels um die Scheidung und Hitler um seine Versetzung als Konsul nach Japan. Göring war es, der auf Hitlers Anweisung schließlich Baarovas Telefon überwachte und die Liebesbezeugungen des Propagandaministers mitschnitt. Hitler geriet in Rage und verlangte ultimativ das Ende der Affäre. Goebbels knickte erst nach fortgesetzten Schimpftiraden des Führers ein und trennte sich in einem von Göring kontrollierten Telefonat von ihr, versuchte sie aber trotzdem weiter zu treffen. Lida Baarova kehrte derweil nach Prag zurück, nachdem sie im Großdeutschen Reich Opfer einer Hetz- und Boykottkampagne geworden war.

Nach dem Tod Hitlers sah Göring nun die Chance, Goebbels durch eine Neuauflage dieser deutsch-tschechischen Liebesgeschichte ins Abseits zu drängen. Er ermutigte den Propagandaminister, der sich nach der Trennung von seiner "Liduschka" ausgerechnet bei ihm ausgeweint hatte, den Kontakt wiederherzustellen. Das Spielverbot gegen Baarova wurde aufgehoben und sie erhielt ein großzügiges neues Engagement in Berlin. Magda Goebbels nahm diese Entwicklung mit Wut zur Kenntnis und revanchierte sich ihrerseits mit einem Verhältnis mit Karl Hanke, dem Staatssekretär ihres Ehemanns. Da die Ehe der Goebbels durch Hitler bis Ende 1939 auf Probe gestellt worden war und es Magda Goebbels allein obliegen sollte, zu entscheiden, ob sie die Ehe weiterführen oder die Scheidung wegen Ehebruchs verlangen wolle, machte sie im Winter 1939 schließlich, auch angestachelt von Hanke, von der Möglichkeit zur Scheidung Gebrauch. Göring sorgte dafür, dass der Sex-Skandal in den ausländischen Medien zum Top-Thema wurde und sich in der gesamten westlichen Welt das Maul über den Propagandaminister und seine Lüsternheit zerrissen wurde. Nach einiger Zeit wagten sich auch immer mehr deutsche Zeitungen an eine Berichterstattung, allen voran die Frankfurter Zeitung. Der Propagandaminister, von dieser Schmutzkampagne und dem öffentlich ausgetragenen Scheidungskrieg mit Magda gekränkt und erschüttert, bat Göring daraufhin um seine Entlassung. Göring gab sich erneut als verständnisvoller Freund und erfüllte Goebbels seinen Wunsch, ihn als Konsul nach Tokio zu schicken, was ihn vor einer Gefängnisstrafe wegen schuldhafter Scheidung bewahrte. Seine Geliebte folgte ihm für einige Jahre, trennte sich aber nach fortgesetzten Affären und emigrierte nach Italien. Goebbels selbst starb als gebrochener Mann bei einem amerikanischen Luftangriff auf die japanische Hauptstadt.

Mit der Ausschaltung von Joseph Goebbels hatte Göring den entscheidenden Meinungsmacher aus dem Verkehr gezogen, der ihm irgendwann einmal hätte gefährlich werden können. Das Propagandaministerium wurde nach dem Rücktritt des Ministers aufgelöst und der öffentlich-rechtliche Rundfunk nun alleinverantwortlich im Reichsministerium für das Post- und Fernmeldewesen von einem ernannten Rundfunkrat verwaltet. Die im Propagandaministerium angesiedelten Zensurbehörden wurden in Teilen ins Innenministerium eingegliedert, die Reichspressekonferenz an die Reichskanzlei delegiert.

Vereinheitlichung der Reichsverwaltung

Das größte Projekt, das in den folgenden Monaten maßgeblich von Innenminister Frick und Justizminister Gürtner im Anschluss vorangebracht wurde, war eine umfassende Neuordnung der unter Hitler absichtlich chaotisch gehaltenen Verwaltung im Reichsgebiet. Neben den Ländern, die durch die Gleichschaltung de facto keine eigene Macht mehr besaßen, und die bereits von ernannten Reichsstatthaltern geleitet wurden, existierten die Parteigaue, die gegenüber den staatlichen Stellen an Einfluss gewannen, und eine Reihe von Beauftragten, Anstalten, Körperschaften und Reichsbehörden, deren Kompetenzen sich in vielen Fällen überschnitten. Dieses Geflecht war bislang durch die gemeinsame bedingungslose Gefolgschaft gegenüber Hitler zusammengehalten worden, der bei Streitigkeiten im Einzelfall entschied, ohne eine permanente Regelung zu schaffen. Diesen Wirrarr konnte sich die neue Reichsleitung unter Göring nicht mehr länger leisten. Die Verwaltung musste effektiv funktionieren.

Reichsgaue 1941 klein

Verwaltungsgliederung des Großdeutschen Reiches 1941 (In Schraffur dargestellt ist das Protektorat Böhmen und Mähren)

Mit den am 14. April 1939 beschlossenen und am 1. Mai in Kraft getretenen Gesetzen über die Verwaltung der Ostmark (Österreich) und des Sudetenlandes waren erstmalig sogenannte Reichsgaue als neue staatliche Mittelbehörde und Selbstverwaltungskörperschaften gebildet worden. Hitler hatte angesichts der landsmannschaftlichen Verbundenheit vieler Deutscher noch gezögert, dieses neue Verwaltungsmodell direkt auch im "Altreich" einzuführen und die Länder endgültig abzuschaffen. Frick und Gürtner entwickelten nun ein breit angelegtes Konzept zur Umgestaltung der gesamten übrigen Reichsverwaltung und zur beschleunigten Bildung von Reichsgauen in allen Teilen des Großdeutschen Reiches bis 1941. Mit dem Gesetz über den Aufbau der Verwaltung im Großdeutschen Reich vom Februar 1940 wurde die rechtliche Grundlage dafür geschaffen. Aus politischen Erwägungen heraus wurde die Grenzziehung der Reichsgaue noch mehrere Male verändert, sodass sich die endgültige Festlegung der Grenzen einiger Reichsgaue noch bis 1943 hinzog. Doch schließlich hatte das Reich wieder eine einheitliche - und vor allem effektiv arbeitende - Verwaltung, die die Konkurrenz verschiedener Instanzen bereinigte und die enge Verzahnung von Staat und Partei durch die Angleichung der Reichsverwaltung an die Struktur der NSDAP und die dadurch in aller Regel entstehende Personalunion zwischen Reichsstatthalter des Reichsgaus und Gauleiter des Parteigaus noch zusätzlich verstärkte.

Auf Reichsebene wurde, in Anlehnung an den 1933 eingerichteten Preußischen Staatsrat, der wie der Freistaat Preußen selbst der Neugestaltung des Reiches geopfert wurde, ein Großdeutscher Reichsrat gebildet, dem die Mitglieder der Reichsregierung sowie andere zentrale Funktionsträger in Staat und Partei qua Amt angehören sollten und der Führer und Reichskanzler ermächtigt wurde, aus den Ständen des Volkes zusätzliche Mitglieder zu berufen. Der Großdeutsche Reichsrat war demnach in keiner Weise identisch mit dem Reichsrat der Weimarer Reichsverfassung, der als Vertretung der Länder konzipiert war. Beim Großdeutschen Reichsrat handelte es sich um ein reines Beratungsgremium ohne eigene Entscheidungsbefugnisse.

Auch auf Ebene der Reichsregierung wurden Ressorts und Posten neu geordnet. Vor allem Hermann Göring gab einige seiner arbeitsintensiveren Posten ab. Die Präsidentschaft des Großdeutschen Reichstages übernahm Hanns Kerrl, bisher Görings Stellvertreter auf diesem Posten und zudem Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten. Das Kirchenministerium wurde aufgelöst und als Abteilung wieder dem Innenministerium angegliedert. Die Kompetenzen des Luftfahrtministeriums wurden zwischen dem Verkehrsministerium und dem Oberkommando der Luftwaffe aufgeteilt. Die Posten Görings als Reichsbeauftragter für Rohstoff- und Devisenfragen und Reichsbeauftragter für den Vierjahresplan übernahm Fritz Todt, der bereits Generalbevollmächtigter für die Bauwirtschaft und Generalinspektor für das Straßenwesen war. Dieser Kombination von Funktionen wurde 1941 noch das Verkehrsministerium hinzugefügt, sodass er als Reichsminister für Verkehr, Bau und Raumordnung in die Reichsregierung aufrückte. Das Oberkommando der Luftwaffe fiel an den bisherigen Staatssekretär Generaloberst Erhard Milch, während Göring sich selbst das Kriegsministerium sicherte. Die Aufgaben des Reichsjägermeisters und des Reichsforstmeisters wurden mit dem Landwirtschaftsministerium zum Reichsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zusammengelegt. Auch andere Beauftragtenposten wurden einzenen Ministerien zugeordnet und so die Struktur der obersten Reichsbehörden wieder weitgehend vereinheitlicht. Zusätzlich wurden die Führerkanzlei, die Präsidialkanzlei und die Reichskanzlei zu einer gemeinsamen Behörde unter der Leitung von Görings bisherigem Staatssekretär Paul Körner verschmolzen. Das Forschungsamt des ehemaligen Luftwaffenministeriums, de facto Görings persönlicher Geheimdienst, wurde als eigenständige Reichsbehörde der neuen Kanzlei des Reichsoberhaupts unterstellt. Fricks ursprünglicher Intention, das Forschungsamt der Gestapo anzugliedern, machte Göring einen Strich durch die Rechnung.

Die Nationalsozialistische Reichsverfassung

Den bedeutendsten Schritt der Rechtsvereinheitlichung stellte jedoch der Entwurf für eine neue Verfassung dar, der das von den Nationalsozialisten Erreichte in eine langfristig stabile Form bringen sollte. Seit 1941 arbeitete Wilhelm Frick gemeinsam mit Hans Frank, der den verstorbenen Gürtner als Justizminister beerbte, an einem Entwurf, der mit Ablauf des Ermächtigungsgesetzes am 10. Mai 1943 in Kraft treten und damit die Bewährungsphase des Dritten Reiches beschließen sollte. Die neue Verfassung war in Stil und Struktur eine Revision der Weimarer Reichsverfassung, übertrug aber wesentliche Teile des nationalsozialistischen Rechts direkt in den Verfassungstext, wie die Stellung der NSDAP als Staatspartei, die Gliederung des Reiches in Gaue, die Einrichtung des Großdeutschen Reichsrates oder das 1934 durch die Vereinigung der Ämtes des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers geschaffene Präsidialsystem. Hermann Göring blieb im neu geschaffenen Amt des Reichsoberhaupts (eine neutrale Formulierung, die bewusst sowohl den für Paul von Hindenburg reservierten Titel des Reichspräsidenten als auch die an die Person Adolf Hitlers gebundenen Titel des Führers und Reichskanzlers vermied) Staats- und Regierungschef des Reiches. In seiner Funktion als Oberbefehlshaber der Wehrmacht schuf Göring für sich selbst den Dienstgrad des Reichsmarschalls, unter dem er seitdem auch in der Öffentlichkeit auftrat. Ihrer absoluten Herrschaft sicher scheute die NS-Führung sich nicht, den Entwurfstext direkt als Nationalsozialistische Verfassung des Großdeutschen Reiches zu betiteln. Die Verfassung wurde am 31. Januar 1943, zehn Jahre und einen Tag nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, in einer Volksabstimmung angenommen. Zugleich wurde ein neuer Reichstag gewählt. In seiner Eröffnungsrede vor dem Großdeutschen Reichstag erklärte Reichsmarschall Göring die Nationale Revolution, die Hitler begonnen hatte, für beendet.

Außenpolitik

Außenpolitisch bedeutete der Übergang zu Göring einen markanten Bruch in der bisherigen Außenpolitik des Großdeutschen Reiches. In den letzten Jahren unter Hitler hatte das Reich eine agressive Expansionspolitik betrieben, die insbesondere im Verlauf des Jahres 1939 zu einer allgemeinen Abkühlung der Außenbeziehungen nach allen Seiten geführt hatte. Das Großdeutsche Reich war zur Mitte des Jahres hin außenpolitisch weitgehend isoliert und unterhielt freundschaftliche Beziehungen eigentlich nur noch zum faschistischen Italien, zum franquistischen Spanien und zur gerade erst auf deutschen Druck hin gegründeten Slowakei. In der Weltöffentlichkeit wurde zu diesem Zeitpunkt allgemein erwartet, dass Europa auf einen erneuten großen Waffengang zusteuern werde. Viele Mitglieder der Reichsregierung waren allerdings bereits vor Hitlers Tod einem drohenden Krieg gegenüber skeptisch gewesen. Göring selbst war hinter Hitlers Rücken der maßgebliche Initiator der Münchner Konferenz gewesen, die die Tschecholowakei zerschlug, während dieser bereits Vorbereitungen für einen Einmarsch getroffen hatte. Auch Goebbels äußerte sich zumindest intern besorgt über die drohende Eskalation. Daher versuchte die neue Reichsregierung unter Göring zunächst, die außenpolitischen Wogen zu glätten und verloren gegangenes Renommee zurückzugewinnen.

Außenminister Joachim von Ribbentrop, der nun deutlich freier agieren konnte als noch unter Hitler, bemühte sich in Anlehnung an die Bündnispolitik Bismarcks, das Großdeutsche Reich durch ein Netz ineinander greifender und gegensätzlich wirkender Bündnisse in Europa und international abzusichern und Großdeutschland so langfristig zur Drehscheibe der europäischen Politik zu machen. Dabei waren seine Bemühungen vornehmlich auf eine Isolation Großbritanniens ausgerichtet, dem er bereits seit dem Scheitern der Verhandlungen über die Flottenrüstung kritisch gegenüberstand. Hitler selbst hatte Großbritannien stets als natürlichen Verbündeten gesehen und daher Ribbentrops antibritische Aktivitäten ausgebremst. Nun schien sein eigener Tod den Glauben des Führers Lügen gestraft zu haben und auch in der Reichsregierung erkannten viele nun die von Ribbentrop beschworene destabilisierende Wirkung des Empire auf dem Kontinent.

Zugleich versuchte von Ribbentrop, das Großdeutsche Reich aus bewaffneten Konflikten weitestgehend herauszuhalten, um so seine Handlungsfreiheit zu bewahren. So erklärte er, als das Kaiserreich Japan, mit Deutschland durch den Antikominternpakt verbunden, im Dezember 1941 die Vereinigten Staaten angriff, das Großdeutsche Reich für neutral in diesem "rein asiatischen Konflikt". Drohende kriegerische Auseiandersetzungen zwischen Ungarn und Rumänien sowie zwischen Italien und Griechenland konnten auf dem Verhandlungswege abgewendet werden. Das Großdeutsche Reich etablierte sich so bis zur Mitte der 1940er Jahre langsam als stabilisierender Faktor in Mittel- und Osteuropa.

Nationalitätenpolitik

Erstaufnahmelager

Spruchband am Eingang eines Erstaufnahmelagers für Aussiedler aus Osteuropa, 1941

Anders als von Göring erhofft, fand die auf dem Reichsparteitag 1939 angekündigte internationale Konferenz zur Bereinigung der Nationalitätenkonflikte in Europa nicht statt. Nach deren Scheitern versuchte die neue Führung, die "ethnische Bereinigung" der europäischen Staaten durch bilaterale Verhandlungen zu befördern. So wurden in den Jahren zwischen 1940 und 1945 mit Dänemark, Italien, Polen, Estland, Lettland, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und der Sowjetunion entsprechende Optionsverträge, im Volksmund auch "Heim-ins-Reich-Verträge", geschlossen. Theoretisch ermöglichten diese Verträge den Angehörigen nationaler Minderheiten in den jeweiligen Staaten die freie Entscheidung darüber, ob sie die ihrer Volkszugehörigkeit entsprechende Staatsangehörigkeit annehmen und übersiedeln, oder ob sie an ihren angestammten Wohnorten verbleiben wollten.

In der Realität ging mit dem Abschluss dieser Verträge jedoch auch das stillschweigende Einverständnis der Vertragsparteien zu einer entsprechenden Homogenisierungspolitik einher, die diskriminierende Maßnahmen gegen die Sprachen der Minderheiten und deren Kultureinrichtungen ebenso umfasste wie Benachteiligungen im öffentlichen und beruflichen Leben, sodass der Verbleib mehr und mehr zu einer fiktiven Wahlmöglichkeit wurde. Im Gegenzug wurden den Umsiedlern im Großdeutschen Reich ein Begrüßungsgeld, finanzielle Vergünstigungen sowie geschlossene Siedlungsgebiete im Reichsgebiet und im Protektorat Böhmen und Mähren in Aussicht gestellt. So konnte ein Großteil der Volksdeutschen aus Osteuropa (Schätzungen gingen 1945 von etwa 65 bis 70 Prozent aus) wieder mit den übrigen Volksgenossen zusammengeführt werden. Durch die Homogenisierung der Bevölkerung trugen diese Abkommen auch zur inneren Befriedung der beteiligten Staaten bei, spätestens seit auf Vermittlung des Großdeutschen Reiches vergleichbare Verträge auch zwischen Polen bzw. Estland und der Sowjetunion, zwischen Ungarn und Rumänien sowie zwischen Polen und Litauen zustande gekommen waren. Konfliktreich gestaltete sich hingegen die Integration der Zugezogenen im Reich selbst sowie die Zuweisung geeigneter Siedungsgebiete und Bauplätze. Viele Umsiedler mussten teils jahrelang in Erstaufnahmelagern ausharren.

Germanisierung Böhmens und Mährens

Parallel dazu trieb die Regierung Göring die Germanisierung des Reichsgebietes voran. Insbesondere im Protektorat Böhmen und Mähren entstanden nun in großer Zahl deutsche Siedlungen, die dem Zugriff der Protektoratsverwaltung entzogen waren (sie wurden stattdessen administrativ den umliegenden Reichsgauen Sudetenland, Bayreuth, Ober- und Niederdonau unterstellt) und wie befestigte Enklaven die böhmischen Lande durchsiebten. Dafür wurden in großer Zahl tschechische Bauern enteignet. Viele dieser Siedlungen umgaben hohe Mauern mit Stacheldraht und Wachtürmen; die Wehrmacht übernahm ihren Schutz gegen die aufgebrachten tschechischen Nachbarn. In der deutschen Bevölkerung wurde das Protektorat bald als "Reichsemmentaler" verulkt. Die Siedlungspolitik sollte ein erster Schritt zur vollständigen Germanisierung der böhmisch-mährischen Lande sein, die eine Ausschaltung der autochthonen tschechischen Kultur und eine Integration der "germanisierungswürdigen" Bewohner des Protektorats einschloss. Jeder Hinweis auf ein vom Großdeutschen Reich getrenntes Staatsgebilde oder gar ein eigenes Nationalbewusstsein sollte restlos getilgt werden.

Am 28. Oktober 1939, dem Jahrestag der tschechoslowakischen Unabhängigkeit, entlud sich der Widerstand der tschechischen Bevölkerung gegen die deutsche Besatzungsmacht in Massendemonstrationen und Streiks im ganzen Protektorat sowie insbesondere in Prag. Dabei wurde der Arbeiter Otakar Sedláček erschossen und der Medizinstudent Jan Opletal schwer verwundet. Er starb am 11. November 1939 an seinen Verletzungen; bei seiner Beerdigung in Prag gab es große Unruhen. Am 17. November 1939 wurden neun Studenten von der Polizei erschossen, die der Rädelsführerschaft bei den Demonstrationen bezichtigt wurden. Über 1200 tschechische Studenten wurden im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert, alle tschechischen Universitäten geschlossen („Sonderaktion Prag“). Neurath schaffte es auch in der Folge nicht, das Protektorat im Sinne der Reichsführung zu befrieden.

Heydrich Attentat

Der beschädigte Wagen Heydrichs nach dem Attentat, 27. Mai 1942

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD Reinhard Heydrich wurde am 27. September 1941 zum Stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren ernannt. Von Neurath blieb formell Reichsprotektor, wurde aber beurlaubt. Heydrich erwarb sich durch die brutale Verfolgung des Widerstandes seinen Ruf als „Schlächter von Prag“. Nachdem er am 27. Mai 1942 durch ein Attentat in der sogenannten Operation Anthropoid schwer verwundet worden und am 4. Juni 1942 an den Folgen des Attentates gestorben war, erlebte das Reichsprotektorat eine erneute Terrorwelle durch die Nationalsozialisten, gedacht als Vergeltung für den Mord an Heydrich. 10.000 Tschechen wurden festgenommen, über 1300 getötet. Diese Zeit wird von den Tschechen die Heydrichiáda (dt. „Heydrichiade“) genannt. Besonders bekannt wurden die Massaker von Lidice (Liditz) am 10. Juni 1942 und von Ležáky am 24. Juni 1942. Die SS und Polizei zerstörten dabei ganze Ortschaften und ermordeten nahezu alle männlichen Einwohner. Die Frauen und Kinder wurden in Konzentrationslager eingeliefert. Am 3. Juli 1942 wurde der Ausnahmezustand aufgehoben, die Standgerichte zur Aburteilung verdächtiger Personen blieben jedoch auf unbestimmte Zeit weiter im Amt. 1943 wurde Konstantin von Neurath auf eigenen Wunsch aus dem Amt des Reichsprotektors entlassen und der Ostforscher und Prager Dekan Theodor Oberländer übernahm sein Amt. Das operative Geschäfts leitete als Höherer SS- und Polizeiführer weiterhin Karl Hermann Frank, der auch für die Racheakte nach dem Anschlag auf Heydrich verantwortlich war und bis in die 60er Jahre hinein erbarmungslos gegen jeden tschechischen Widerstand im Protektorat vorging.

Judenverfolgung

In der Judenpolitik setzte die neue Reichsleitung den Kurs Hitlers in weiten Teilen ungebrochen fort. Auch nach 1939 folgten weitere Maßnahmen gegen die im Reich verbliebenen Juden, wie die Aushöhlung des Rechtsschutzes, die fortschreitende Ghettoisierung und die Enteignung von Privatvermögen. Die Volkszählung am 17. Mai sicherte personenbezogene Daten zur Auswertung und anschließenden Erstellung einer Judenkartei. Mit der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland wurd eine staatlich kontrollierte jüdische Einheitsgemeinde öffentlichen Rechts geschaffen. Ab 1941 mussten alle Juden im Großdeutschen Reich zur Erkennung eine gelbe Armbinde mit Davidstern tragen. Mehr und mehr wurden die Juden in eigenen Stadtvierteln (Ghettos) angesiedelt und so vollends von der übrigen Bevölkerung separiert. Derweil förderte das Regime weiter die Auswanderung der jüdischen Bevölkerung. So konnten im Sommer 1939 etwa 10.000 Juden von Emden und Hamburg aus Deutschland verlassen und nach Palästina übersiedeln.

Mit der Gründung des Staates Israel 1948 veränderte sich die Lage der Juden im Großdeutschen Reich fundamental. Waren in der Vergangenheit verschiedene Möglichkeiten der Ansiedlung der deutschen Juden an anderen Orten auf der Welt (z.B. Madagaskar) diskutiert wurden, gab es nun einen Staat, der jedem Juden weltweit die Einreise und die Staatsbürgerschaft versprach. Alle noch im Reichsgebiet lebenden Juden wurden nun als Staatsangehörige Israels betrachtet. Sie wurden gezwungen, entweder ein Aufenthaltsvisum für das Großdeutsche Reich zu beantragen oder nach Israel auszureisen. Zwar machten viele deutsche Juden von einem Visa-Antrag Gebrauch, bewilligt wurden die Anträge jedoch nur in sehr seltenen Ausnahmefällen. Die israelischen Behörden unterstützten die deutschen Juden ihrerseits bei der Umsiedlung in den Jüdischen Staat, um den Aufbau voranzubringen. Besonders in dieser Phase kam die Zuwanderung der etwa 250.000 Juden, die 1948 noch im Großdeutschen Reich lebten, den Verantwortlichen sehr gelegen.

Parallel dazu verstärkte die Reichsregierung die Zusammenarbeit mit den arabischen Nachbarstaaten Israels. Insbesondere wurden mit Saudi-Arabien und dem Iran Verträge abgeschlossen, die einerseits großzügige Öllieferungen an das Großdeutsche Reich vorsahen, andererseits aber diesen Ländern deutsche Militärhilfe und modernste Waffen zusagten. Innerhalb kürzester Zeit wurde Großdeutschland die dominierende Macht im Nahen Osten und drängte damit die Briten und Sowjets aus dem Orient hinaus. Langfristiges Ziel der großdeutschen Nahostpolitik war, den Staat Israel klein zu halten und zu verhindern, dass er weltpolitisch einflussreich werden würde. In Teilen des Regimes herrschte die Befürchtung, die Israelis könnten vom Heiligen Land aus wie in einem "zweiten Vatikan" das Weltjudentum und somit auch die Mehrheit der Staaten der Welt steuern.

Atompolitik

Mjoellnir Detonation

Explosion der ersten deutschen Atombombe, 12. Juni 1946

Im Schatten der außenpolitischen Trendwende und begünstigt durch eine anhaltende Förderung von Wissenschaft und Forschung machte in den 40er Jahren das deutsche Programm zur Erforschung und Nutzbarmachung der Kernenergie unter Otto Hahn und Werner Heisenberg große Fortschritte. Im Herbst 1945 nahm das Reich seinen ersten Versuchsreaktor in Betrieb. Am 12. Juni 1946 zündete das Großdeutsche Reich als zweite Nation weltweit nach den Vereinigten Staaten von Amerika den Prototypen einer einsatzfähigen Kernwaffe. Erst im September 1946, nachdem verschiedene Versuche auch die Einsatzfähigkeit der Atombombe in einer ballistischen Rakete (Aggregat 4) bewiesen hatten, trat Hermann Göring mit dieser Neuigkeit vor die Weltöffentlichkeit. Die übrigen Weltmächte reagierten panisch. Die Vereinigten Staaten erklärten, dass jeder Einsatz der Atombombe durch einen anderen Staat eine äuqivalente Antwort der USA nach sich ziehen werde und der Welt keinesfalls ein Atomkrieg aufgebürdet werden dürfe. Außenminister von Ribbentrop konterte, dass der Atombombe als Garantin für die Weltmachtstellung des Großdeutschen Reiches gebührender Respekt zu zollen sei und ihre Abschreckungswirkung völlig ausreichend sei, um die Überlegenheit des deutschen Erfindergeistes vor den Augen der Welt zu beweisen. Das Großdeutsche Reich hatte sich somit, da allen Beteiligten sich über die Folgen eines atomaren Schlagabtausches im Klaren waren, de facto unangreifbar gemacht. Die Sowjetunion zog 1949 als dritte Atommacht nach, es folgten Großbritannien und Frankreich.

Die Nutzbarmachung der Kernenergie hatte jedoch weit über ihr militärisches Abschreckungspotential hinaus praktischen Nutzen, konnten doch die seit dem Ende der 1940er Jahre gebauten Atomkraftwerke eine spürbare Verbesserung der Elektrizitätsversorgung und ein Ende der fast ausschließlichen Abhängigkeit von Kohle und Öl erreichen.

Wirtschaftspolitik

Reichswerke Salzgitter

Die "Reichswerke Hermann Göring" in Salzgitter, gegründet zur Verarbeitung minderwertigen Eisenerzes

Hitler hatte im Jahr 1936 ein großangelegtes Programm, den sogenannten Vierjahresplan, auf den Weg gebracht, um gleichermaßen Deutschlands Kampfbereitschaft wie auch einen möglichst hohen Grad an Autarkie für die deutsche Wirtschaft zu erreichen. Mit der Organisation betraute er Hermann Göring, der somit zum "Wirtschaftsdiktator" wurde und somit alle wirtschaftspolitischen Entscheidungen in seiner Person bündelte. Bis 1940 hatten diese Pläne nicht nur eine beispiellose Aufrüstung erlaubt, sondern auch tatsächlich in einigen Bereichen wie z.B. Erzen und Legierungen, Nahrungsmitteln und Baustoffen einen hohen Grad an Autarkie tatsächlich herstellen können. In anderen Feldern, so vor allem bei der Versorgung mit Öl und Gas, blieb das Großdeutsche Reich aber weiterhin massiv von Importen abhängig. Dies sollte sich in dem Moment als Fatal erweisen, in dem die letzten, nur durch die Annexion Österreichs und der Tschechei noch einmal kurzfristig gestreckten - Devisenreserven des Reiches aufgebraucht waren. Schon seit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft gab das Reich deutlich mehr Geld aus, als es einnahm, und deckte die sih daraus ergebenden Schulden mit Kreditaufnahmen. Die staatlich regulierte Preisfestlegung für inländische Produkte verschleierte weitgehend effektiv den Zustand der Finanzwirtschaft. Mit zahlreichen europäischen Staaten wie Jugoslawien, Ungarn oder Schweden wurden Abkommen ausgehandelt, die einen direkten Warentausch vorsahen und so die Devisenreserven des Reiches schonten. In anderen Ländern machte aber vor allem eine starke, von den Vereinigten Staaten ausgehende Boykottbewegung dem deutschen Außenhandel schwer zu schaffen, sodass die Absätze vieler Produkte massiv einbrachen.

Großindustrie und Militär wurden zunehmend unruhig, insbesondere da überhaupt nicht genug Treibstoff vorhanden war, um die in großer Zahl gebauten Kriegsmaschinen betreiben zu können. Die Wehrmacht begann daraufhin mit der Anlegung einer Strategischen Ölreserve für den Kriegsfall, was jedoch im Umkehrschluss die zivile Versorgung mit Öl und Kraftstoffen massiv einschränkte, sodass unter Anderem das Versprechen, jeden Deutschen mit einem privaten Kraftfahrzeug zu versorgen, zur Makulatur geriet. Die Forschung auf dem Gebiet der synthetischen Ersatzkraftstoffe erwies sich auch weiterhin als fruchtlos. So wurden in der Folge auch die Versuche intensiviert, zusätzliche Ölfelder auf deutschem Boden bzw. in deutschen Hoheitsgewässern zu finden. Insbesondere in der Nordsee fanden umfangreiche Probebohrungen statt, die insbesondere im Holsteinischen Wattenmeer Bestände zutage förderten. So konnte das Fördervolumen bis 1950 zwar signifikant gesteigert werden, hielt aber mit der Entwicklung des (hauptsächlich militärischen) Bedarfs nicht ansatzweise Schritt.

Zur Mitte der 40er Jahre hin wurde die finanzielle Situation des Reiches immer bedrohlicher. Neue Devisenreserven waren praktisch nicht mehr zu erhalten, die Ausfuhren gingen durch internationale Boykotte stetig zurück und auch die Versorgung mit für die Wirtschaft dringend benötigten Rohstoffen stockte. Auch die Versorgung mit Grundbedarfsgütern gestaltete sich immer schwieriger, da ein Großteil der vorhandenen Ressourcen primär der Rüstungswirtschaft zugute kam. Das Reich reagierte darauf mit weiteren Erhöhungen der ohnehin bereits deutlich gestiegenen Steuern, was wiederum Unmut in der Bevölkerung auslöste. Ein Teufelskreis zeichnete sich ab, aus dem das Reich nur noch durch eine radikale Abkehr von der bisherigen Wirtschafts- und Finanzpolitik auszubrechen imstande gewesen wäre. Die Reichsregierung aber vermochte nicht, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, sodass sich die Situation von der Bevölkerung weitgehend unbemerkt immer mehr verschlechterte, da die real bereits existierende Hyperinflation sich durch die Preisfestlegungen der Reichsregierung nicht nach außen zeigte.

Gesellschaftliche Entwicklung und politische Folgen

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Der Bischof von Münster Clemens August Graf von Galen im Kardinalsornat, 1946

Während die Steuern stiegen, die Löhne sanken und auch die sozialen Wohltaten des Reiches immer spärlicher sprudelten, wuchs mit den Jahren der Unmut in der Bevölkerung. Immer wieder flammten Proteste gegen die Politik der Reichsregierung auf. Diese richteten sich teilweise gegen die wirtschaftliche Lage, teilweise aber auch gegen einzelne Maßnahmen, die als ethisch und moralisch fragwürdig galten. So protestierte der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen im Verlaufe des Jahres 1941 mehrfach in seinen Predigten gegen das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten, das die gezielte Tötung von Behinderten zum Inhalt hatte. Seine Predigten verbreiteten sich in Abschriften rasant und führten dazu, dass die Aktion T4, wie das Euthanasieprogramm im NS-Verwaltungssprech hieß, zunächst abgebrochen werden musste. Teile der Reichsführung forderten, Galen zu hängen oder wenigstens zu verhaften. Aus Sorge vor Unruhen in der Bevölkerung ließ man ihn jedoch unbehelligt. Stattdessen wurde die Druckerei verstaatlicht, die seine Schriften vervielfältigt hatte, und mehrere katholische Zeitungen verboten. Wenngleich Proteste dieser Art lokale Phänomene blieben und in der Regel mit harschen Konsequenzen geahndet wurden, zeigte sich noch mehr und mehr, dass der Widerstand grundsätzlich über Möglichkeiten verfügte, sich Gehör zu verschaffen.

Unruhige Jahre (1940 bis 1944)

Verhaftung
Diese Botschaft nahmen vor allem die Arbeiter aufmerksam zur Kenntnis, deren Lebensumstände zunehmend prekärer wurden. Seit 1940 führte der chronische Rohstoffmangel in der Privatwirtschaft immer wieder zu Produktionsstillständen in den Fabriken. Um Entlassungen zu vermeiden, beförderte die Reichsregierung den exzessiven Einsatz von Kurzarbeit, also einer außerordentlichen Reduzierung der regelmäßigen Arbeitszeit unter Beihilfe des Staates. Das von der Reichsregierung ausgezahlte Kurzarbeitergeld, das den Lohnverlust der Arbeiter ersetzen sollte, fing den finanziellen Schaden jedoch nicht ansatzweise auf. Waren in der Anfangszeit die Einsätze von Kurzarbeit noch punktuell erfolgt, entwickelten sie sich in den Jahren 1941/1942 jedoch immer mehr zum Dauerzustand, der de facto eine katastrophale Lohnkürzung für die Arbeiter bedeutete. Immer öfter legten die Arbeiter in den Bertrieben daher die Arbeit nieder und streikten gegen den Einsatz der Kurzarbeit. Die Gestapo ging hart gegen die Streikenden vor und viele wurden wegen subversiver, staatsgefährdender Aktivitäten verhaftet. Zahlreiche Führer der Proteste wurden in die umliegenden Konzentrationslager eingewiesen, von wo nicht wenige nie mehr zurückkehrten. Diejenigen, die zurückkehrten, berichteten von Misshandlungen, Folter und Erschießungen, was die Stimmung noch mehr anheizte. Derweil konnten die Ausfälle in der Belegschaft zumindest kurzfristig noch durch die Zuweisung von Zwangsarbeitern oder Batallionen des Reichsarbeitsdienstes, die sich die Reichsregierung von den Unternehmen teuer bezahlen ließ, aufgefangen werden, doch wurde dadurch die Ursache der Proteste nicht wirklich behoben.
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Demonstration gegen die Rüstungspolitik des Reiches, Sommer 1942

In den folgenden Monaten bis Mitte 1942 begannen die Proteste allmählich, sich auch gegen die horrenden Militärausgaben und die damit verbundene Bündelung wirtschaftlicher Ressourcen in den Händen der Wehrmacht zu richten. Unter dem Leitspruch "Butter statt Kanonen! Mehr Lohn statt Divisionen!" demonstrierten die Arbeiter nun zunehmend für eine Umverteilung von Geldern und Rohstoffen zugunsten der Privatwirtschaft. Immer öfter solidarisierten sich jetzt auch andere Gruppen wie die Kirchen und Teile des Beamtenapparates oder der Polizei mit den Demonstranten. In Witten im Ruhrgebiet, wo sich eines der industriellen Zentren des Reiches befand, weigerte sich die von den den Stadtoberen angeforderte Schutzpolizei gar, eine Demonstration gewaltsam aufzulösen. Je mehr die Proteste sich ausweiteten, desto weniger waren die Staatsorgane gewillt, drastische Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um nicht unwillentlich zu einer Eskalation beizutragen. Dies wiederum ermutigte zunehmend die Demonstranten.

Reichsmarschall Göring, der es bislang erfolgreich geschafft hatte, dass die schlechte wirtschaftliche Lage nicht ihm persönlich angelastet wurde, versprach eine Neubewertung der Rüstungsprogramme, eine Liberalisierung des Warenhandels und spürbare soziale Verbesserungen. Eine tatsächliche oder gar spürbare Verbessung konnte durch diese Zusicherungen allerdings zunächst nicht erreicht werden. Stattdessen griff er wiederholt Großbritannien und die Vereinigten Staaten an, die durch Boykottkampagnen und Lügenpropaganda dem internationalen Ansehen des Großdeutschen Reiches schweren Schaden zugefügt und "dem deutschen Arbeiter das Werkzeug aus der Hand geschlagen" hätten. Die Wirtschaftskrise sei also im Wesentlichen das Ergebnis der internationalen Isolation Großdeutschlands und nicht auf Misswirtschaft des Regimes zurückzuführen. Eine nationale oder gar antibritische Stimmung konnte dadurch nur begrenzt angeheizt werden. Vielen Arbeitern war - wie auch den Vertretern der Großindustrie - klar, dass der Rohstoffmangel und der Devisenbankrott maßgeblich durch die hohen Rüstungsausgaben verursacht waren.

Proteste

Protestkundgebung in Berlin, September 1942

Ab dem Herbst 1942 hatte sich allmählich eine organisierte außerparlamentarische Opposition gegen die Reichsregierung und die NSDAP gebildet. Die Bevölkerung wurde in der Artikulation ihrer Forderungen immer selbstbewusster und scheute auch nicht mehr vor Repressalien zurück. Unter dem Radar entstanden Gesprächskreise und Aktionsgruppen, die ein breites Spektrum politischer Positionen abdeckten. Verschiedenste Gruppen traten nun in die Öffentlichkeit und vernetzten sich. Gewerkschaftler und Sozialdemokraten fanden sich mit Liberalen, Christlichsozialen und Nationalkonservativen zusammen, in den Kirchen und in den Studentenschaften regte sich ein neuer kritischer Geist.
Freie Wahlen Plakat

Protestplakat zur Reichstagswahl 1943

Zu Wortführern der Proteste wurden schnell die beiden populären ehemaligen Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler (Leipzig) und Konrad Adenauer (Köln). Auch aus den evangelischen Landeskirchen und der katholischen Kirche waren zunehmend Stimmen zu vernehmen, die eine grundlegende Wende der Reichspolitik zugunsten des Volkes und insbesondere ein Ende der politischen und religiösen Repression forderten. Im Vorfeld der Reichstagswahlen im Januar 1943 erhob sich dann auch erstmalig wieder die Forderung nach freien Wahlen, was als sehr reale Bedrohung der aboluten Machtposition der NSDAP im Staat aufgefasst werden musste.

Am 13. Januar 1943 führte eine Rede des Gauleiters Paul Giesler bei der 470-Jahr-Feier der Münchner Universität zu tumultartigen Protesten. Er beschimpfte Studentinnen, sich herumzutreiben. Sie sollten stattdessen „dem Reichsmarschall ein Kind schenken“, er werde auch seine Adjutanten zu dem Zweck vorbeischicken. Von Studenten wurde der Angetrunkene aus dem Raum gedrängt. Protestierende Studentinnen wurden im Anschluss festgenommen. Im Februar wurden, ebenfalls in München, die Studenten Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst beim Verteilen von Flugblättern von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau eingewiesen. Im November 1943 wurden drei katholische Priester und ein evangelischer Pfarrer in Lübeck wegen staatsgefährdender Umtriebe verhaftet. Sie hatten unter anderem Predigten des Bischofs Clemens August Graf von Galen weiterverbreitet und in ihren eigenen öffentlichen Stellungnahmen einen "antichristlichen" Charakter der NS-Herrschaft angeprangert.

Eskalation hin zum Volksaufstand

Die zunächst gewaltlosen Proteste begannen in der zweiten Jahreshälfte 1943 zunehmend zu eskalieren und immer öfter kam es zu Vandalismus und gezielten Aktionen gegen Einrichtungen der Gestapo oder der NSDAP. Auf dem Alten Markt in Leipzig verbrannten Studenten am 8. November Ausgaben des Stürmers und des Völkischen Beobachters. Auch in anderen Universitätsstädten folgten einige Gruppen diesem Beispiel. Die Gestapo ging brutal gegen die Rädelsführer vor, doch der Sturm der Entrüstung wurde dadurch nur noch mehr angefacht. Immer öfter brannten Bücher, Autos oder Verwaltungsstellen der Partei.

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Das von Demonstranten in Brand gesteckte Columbushaus am Potsdamer Platz in Berlin

Der Radikalisierung der Proteste folgte eine ebenso starke Mobilisierung der Bevökerung. Auch vonseiten der Gestapo und der Polizei verschärfte sich die Gangart und immer öfter wurde dabei auch scharf geschossen. Zum Abend des 9. April hin eskalierte endgültig von beiden Seiten aus die Gewalt. So kam es vonseiten der der Gestapo zu gezielten Erschießungen von Demonstranten, während diese wiederum das Columbushaus am Potsdamer Platz in Berlin in Brand steckten, in dem sei 1941 die Zentrale des Euthanasieprogramms untergebracht war. Die Demonstrationen richteten sich nun immer offener gegen die Regierung als Ganze und immer wieder tauchten regierungsfeindliche Transparente auf. Oppositionelle Gruppen stellten ihre Forderungen an einen Neuaufbau des Reiches nun öffentlich vor den Demonstranten vor und wagten sich so aus der schützenden Deckung.
Regierung weg
Reichsmarschall Göring, der sich von dieser Entwicklung gleichermaßen schockiert wie gelähmt zeigte, zögerte, den von einigen Vertretern des Geheimen Kabinettsrates geforderten Ausnahmezustand zu verhängen und das Militär zur Befriedung der Lage einzusetzen. Zu sehr ängstigte ihn die Vorstellung, das Volk vollends gegen sich aufzubringen. Göring setzte stattdessen auf Deeskalation, indem er einigen der wesentlichen Forderungen der Protestierenden nachgab, allen voran die Beseitigung der prekären Rohstoffversorgung durch die übermäßige Rüstung, die zu Kurzarbeit und Lohnkürzungen geführt hatte, eine effektive Wirtschaftsförderung durch staatlich gelenkte Investitionen in Schlüsselbranchen sowie eine Verstärkung der Bemühungen um ausländisches Kapital, internationale Entspannung und dadurch auch eine Steigerung der Exporte, um den Devisenhandel wieder anzukurbeln.

Bildung des Infrastrukturministeriums unter Albert Speer

Albert Speer

Albert Speer, seit 1944 Infrastrukturminister und seit 1948 Leitender Minister der Reichsregierung

Im Januar 1944 verkündete Göring die Ernennung von Albert Speer zum Reichsminister für Infrastruktur und Ressourcenbewirtschaftung in der Nachfolge von Fritz Todt, der die Wirtschaftskrise nicht hatte lösen können und dafür öffentlich in der Kritik stand. Todt blieben die Leitung seines Bautrupps und eine Reihe von Posten außerhalb des Infrastrukturministeriums. Aus der Reichsregierung schied er aber aus. Albert Speer sollte es fortan obliegen, die deutsche Wirtschaft durch eine effektive Steuerung aus der Krise herauszuführen. Er übernahm in seinem Ministerium die umfassende Kontrolle über das gesamte Post- und Fernmeldewesen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Straßenbau, Eisenbahn, Ressourcenverteilung innerhalb der Wirtschaft, Energie- und Wasserversorgung sowie die Kriegsrüstung. Die Ministerien für Post, Verkehr und Landwirtschaft sowie wesentliche Teilgebiete des Innen-, des Arbeits- und des Wirtschaftsministeriums gingen in dieser neuen Superbehörde auf.

Albert Speer war als "Hofarchitekt" Adolf Hitlers in den 1930er Jahren zum prominenten Aushängeschild des Nationalsozialismus aufgestiegen. Seit 1937 leitete er hauptverantwortlich die Bauprogramme in mehreren von Hitler zu "Kultstätten der Bewegung" ausersehenen Städten, darunter Berlin, Nürnberg, München und Hitlers Heimatstadt Linz. Seit 1941 war er Staatssekretär im von Fritz Todt geleiteten Reichsministerium für Verkehr, Bau und Raumordnung. Speer hatte durch seine monumentalen Prachtbauten dem Volk seit dem Beginn der 1940er Jahre also im wahrsten Sinne omnipräsent vor Augen gestanden. Er verkörperte geradezu den großdeutschen Nationalstolz.

Speer kündigte in seiner ersten öffentlichen Erklärung im Februar 1944 eine Rückbesinnung auf den "deutschen Forscher- und Erfindergeist" und die "Schaffenskraft des deutschen Arbeiters" an, die wesentliche Garanten des zukünftigen Wirtschaftsaufschwungs sein würden. Privatinitiative solle stärker unterstützt und innovative Produkte vom Reich besonders gefördert werden. Damit verstärkten sich auch die Investitionen in das Fernsehen, das er, wie auch der ehemalige Propagandaminister Goebbels, früh als Zukunftstechnologie erkannt hatte, in die Raketentechnik (insbesondere die Entwicklung von ballistischen Mittelstreckenraketen und später der ersten Interkontinentalraketen) oder die Atomkraft, deren grundsätzliche Eignung zur Energieerzeugung bereits belegt worden war. Auch andere Branchen, insbesondere die Automobilindustrie, wurden kräftig angekurbelt, vor allem auch, da man sich durch den massenhaften Absatz von Autos, Radiogeräten und perspektivisch auch Fernsehern einen kräftigen Anstieg des Exportvolumens versprach, das wiederum die Devisenreserven stabilisiert hätte. Die Rohstoffe wurden entsprechend dieser neuen Zielvorgaben umgelenkt und dadurch notwendigerweise auch eine massive Drosselung der Rüstungsproduktion bewirkt. Das Militär nahm diese Einschränkungen zunächst im Wesentlichen zähneknirschend hin, musste aber bald einsehen, dass durch die effektive Steuerung Speers im Endeffekt auch in den Werften und Panzerfabriken die Grundstoffe schlussendlich zuverlässiger und -was viel entscheidender war - im richtigen Mengenverhältnis eintrafen.

Durch die Maßnahmen Speers konnte die bislang erschreckend ineffektive Rohstoffwirtschaft generalstabsmäßig organisiert und dadurch deutlich effektiver gestaltet werden. Die Privatwirtschaft erhielt Ressourcen und neue Aufträge vom Reich, insbesondere natürlich vom Infrastrukturministerium selbst, und nach und nach konnten die Einschränkungen und Hürden im Wirtschaftsleben, die in den letzten Jahren entstanden waren, zurückgefahren werden. Bis 1950 konnte die inländische Preisregulierung schrittweise aufgehoben werden, was zwar einen nicht unerheblichen Wertverlust der Reichsmark mit sich brachte, aber zugleich auch einen förderlichen Effekt auf das Engagement der Gewerbetreibenden hatte, da sie nun ohne Kartellzwang wieder in Konkurrenz zueinander treten konnten. Es stellte sich ein profundes wirtschaftliches Wachstum ein, das Speer erfolgreich als Ergebnis seiner harten verwalterischen Tätigkeit und seines rastlosen Einsatzes präsentieren konnte. Tatsächlich förderten die Maßnahmen der Reichsregierung die wirtschaftliche Erholung in erheblichem Maße, doch die zentrale Weichenstellung für das "Wirtschaftswunder" erfolgte in der Außenpolitik, wo die Vereinigten Staaten nach dem Sieg über Japan im Pazifikkrieg und dem Beginn des Kalten Krieges mit der Sowjetunion versuchten, Europa für eine geschlossene antikommunistische Front zu gewinnen und diese Initiative vom Großdeutschen Reich dankbar aufgenommen wurde.

Der Hungerwinter 1946/47

Proteste Hungerwinter

Protest in Krefeld

Seine größte Bewährungsprobe hatte Reichsminister Albert Speer allerdings noch zwei Jahre nach seinem Amtsantritt zu bestehen. Denn der Sommer 1946 war einer der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen, sodass die Ernteerträge massiv einbrachen. Die Lebensmittel mussten streng rationiert werden, doch reichten sie trotz dieser Maßnahmen kaum bis zum nächsten Jahr aus. Zum ersten Mal seit dem Weltkrieg wurden Lebensmittelmarken ausgegeben, deren Wert sich immer mehr reduzierte. Schließlich lag die errechnete tägliche Tagesration weit unter dem Energiebedarf eines Menschen, der den ganzen Tag regungslos im Bett verbracht hätte. Der Winter 1946/47 war schließlich der kälteste des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa mit Durchschnittswerten unter -20°C. In ganz Europa wurden Brennstoffe knapp. Auch im Großdeutschen Reich brach die Versorgung mit dringend benötigter Heizkohle fast vollständig zusammen, da Elbe, Rhein und Oder zu großen Teilen einfroren und die lebenswichtige Binnenschifffahrt zum Erliegen kam.

Kalorien

Demonstration gegen die Lebensmittelrationierung

Görings Plan, die Bevölkerung der Reichshauptstadt Berlin durch Luftlieferungen zu versorgen, scheiterte - abgesehen von seinen größenwahnsinnigen Dimensionen - primär an den widrigen Witterungsbedingungen. Überall im Reich spielten sich fürchterliche Szenen ab. Geschäfte wurden - trotz harten Durchgreifens der Polizeikräfte - geplündert, Silos gestürmt und Kohlen von den Zügen geraubt. Der Kölner Erzbischof Josef Frings rechtfertigte den Diebstahl von Nahrungsmitteln und Heizmaterial in seiner Silvesterpredigt, woraufhin sich im rheinischen Sprachraum der Ausdruck "fringsen" für den Mundraub durchsetzte. Wegen Anstiftung zur Begehung von Straftaten wurde er von der Gestapo kurzzeitig in Haft genommen, aufgrund massiver Proteste der Kölner aber ohne Anklage wieder freigelassen. Auch die Elektrizitäts- und die Wasserwerke fielen, aufgrund der unzureichenden Versorgung der Kohlekraftwerke, über weite Strecken des Winters aus.

Von der außerparlamentarischen zur parlamentarischen Opposition

Erneut flammten überall im Reich Proteste auf, während die Menschen froren und hungerten. Auch die Opposition meldete sich zu Wort und zu den Reichstagswahlen 1947 traten mit der "Liste Adenauer" und der "Liste Goerdeler" erstmalig wieder mit der NSDAP konkurrierende Wahlvorschläge an. Zwar hatte Innenminister Wilhelm Frick bereits im Vorfeld der Reichstagswahl 1933 die Hürden für die Anmeldung einer Wahlkreisliste massiv erhöht und 50.000 Unterschriften dafür eingefordert, doch verboten worden waren sie nie. Auch gab es keine Regelung, die bestimmt hätte, dass Wahlkreislisten nur von Parteien aufgestellt werden könnten - die sämtlichst verboten waren.

Dennoch gelang es Konrad Adenauer und Carl Friedrich Goerdeler in ihren Heimatwahlkreisen 20 (Köln-Aachen) und 29 (Leipzig) trotz Schikanen der Behörden, die erforderlichen Unterschriften zu sammeln und eine Wahlkreisliste einzureichen. Für alle übrigen Wahlkreise genügten je 20 Unterschriften, sodass beide Listen im Ergebnis reichsweit antreten konnten. Als am 26. Januar die Stimmen ausgezählt waren, hatten die beiden Namenslisten (ein Begriff, der sich für solche um Einzelpersonen herum entstandenen Bündnisse in der Zukunft etablieren sollte) zusammen etwa ein Fünftel aller Stimmen errungen und einen wesentlichen Teil der klassischen liberalen und konservativen Milieus für sich gewinnen können, obgleich es ihnen kaum möglich war, einen größeren Wahlkampf auf die Beine zu stellen. Zu groß waren die Widerstände der NSDAP-kontrollierten Verwaltung, die sich von den Oppositionsgruppen bedroht und von der Reichsregierung im Stich gelassen fühlte. Doch Göring nahm diese Entwicklung insgeheim mit einiger Freude zur Kenntnis, war er doch seit jeher bestrebt, sich von der NSDAP zu lösen und seine Macht auf ein breiteres Fundament zu stellen. Daher war er auch in der Folge bestrebt, gute Kontakte zu den beiden einflussreichen parteilosen Oppositionsführern aufzubauen, die ja schließlich ein für Göring nicht uninteressantes Klientel bedienten.

Nicht zuletzt bot sich so auch eine Möglichkeit, die Opposition in die Verantwortung zu zwingen und somit ihre Energien von der Straße ins Parlament umzulenken. Und tatsächlich traten die Abgeordneten beider Listen als Sprachrohr der Proteste in Erscheinung, die daraufhin abflauten und deren Führer ihre Hoffnungen auf die neue Parlamentsvertretung richteten. Die Reichsregierung nahm in der Folge zahlreiche Vorschläge aus dem Parlament dankend auf, insbesondere solche, die auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zielten, und band so die Oppositionsbewegung in das Regierungshandeln ein. So bedeutete der Hungerwinter zwar für viele Leidtragende die endgültige Abkehr von der nationalsozialistischen Ideologie, die sich im Ganzen als nicht tragfähig erwiesen hatte, tatsächlich aber stärkte die Entwicklung die Reichsführung um Hermann Göring gegenüber der Partei, die sich ohnehin bereits zu großen Teilen auf die Verwaltung des status quo zurückgezogen hatte und nur noch äußerst selten durch eigene Initiativen auf sich aufmerksam machte.

Dies war nicht zuletzt dem Umstand zuzuschreiben, dass Rudolf Hess, der seit Jahren an mehreren chronischen Erkrankungen litt, sich im Laufe der Zeit immer mehr in eine Phantasiewelt zurückgezogen hatte, sodass er als stabilisierender Faktor ausfiel. Sein Stellvertreter, der Leiter der Parteikanzlei Martin Bormann, war zwar ein herausragender Oranisator, der sich im Laufe der Zeit die vollständige Macht über nahezu den gesamten Parteiapparat hatte sichern können, doch mangelte es ihm an Phantasie und Innovationskraft. Seit dem Tod Hitlers fehlte der Partei somit eine charismatische Führungsfigur und Göring dachte aus naheliegenden Gründen überhaupt nicht daran, Hess zu ersetzen. So verfiel die Partei mehr und mehr zu einem überdimensionierten Freizeitgestalter, der zwar nach wie vor von der Jugendzeit bis ins Alter für die Bevölkerung omnipräsent blieb, aber nur noch mäßige Bindungswirkung entfaltete.

Anfang des Jahres 1948 schuf Reichsmarschall Göring für Albert Speer den - in der Verfassung nicht vorgesehenen - Posten eines Leitenden Ministers der Reichsregierung. De facto lagerte Göring damit die eigentlich allein ihm obliegende praktische Regierungsführung aus und schuf sich so einen politisch verantwortlichen Stellvertreter und Regierungschef, der national wie international hohes Ansehen genoss.

Nationalsozialismus mit menschlichem Antlitz (1948-1962)

Die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, die sich im Großdeutschen Reich abzeichneten, wurden in der westlichen Welt überwiegend positiv aufgenommen. In der amerikanischen Presse machte das Wort vom "Nationalsozialismus mit menschlichem Antlitz" die Runde, das zuerst in der Wochenendausgabe der Washington Post vom 19. Juni 1948 auftauchte und später auch von anderen Tageszeitungen wie der New York Times aufgegriffen wurde. Später nutzte auch US-Präsident Robert A. Taft den Begriff in einer Grundsatzrede zur Außenpolitik, wodurch er schließlich populär wurde. Obgleich die deutsche Reichsführung den Begriff streng von sich wies und erklärte, dass sich der Nationalsozialismus nie grundlegend gewandelt habe, nutzte ihr doch die dadurch vermittelte positive Grundstimmung in der Welt in ihren Bemühungen um internationale Entspannung.

Wirtschaft und Gesellschaft der 50er Jahre

Tagesschau Logo 50er Jahre

Logo der Tagesschau seit 1952

Auch wirtschaftlich und gesellschaftlich ging es aufwärts. Dies zeigte sich nicht nur im massiven Zuwachs bei den privaten Kraftfahrzeugen, sondern auch bei der Verbreitung der Massenmedien Radio und Fernsehen. Nachdem mit dem Volksempfänger jeder Deutsche mit einem Radiogerät ausgestattet worden war, folgte nun die flächendeckende Versorgung mit Fernsehgeräten, mit denen seit Mitte der 40er Jahre Versuchsreihen liefen. Am 4. Januar 1952 wurde die erste Sendung der Tagesschau ausgestrahlt, die nach und nach die im Vorprogramm der Kinos gezeigte Wochenschau verdrängte, bis diese 1970 endgültig eingestellt wurde. Fernsehen und Radio wurden beide von einem einheitlichen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dem Großdeutschen Rundfunk, betrieben, dessen Infrastruktur in Speers Ministerium angesiedelt war. Daneben gab es mittlerweile einige lokale Radiosender.

Große Halle Berlin

Blick auf das Regierungsviertel in Berlin, zentral im Bild die Große Halle hinter dem wiederaufgebauten Reichstag, circa 1960

Seit dem Ende der 40er Jahre hatte sich die Zensur allmählich gelockert, sodass in begrenztem Rahmen eine freie Berichterstattung stattfinden konnte. Zwar wurden negative Berichte, von denen nach Ansicht der Reichsregierung ein Schaden für Ansehen oder Wirtschaft des Reiches ausgehen könnte, nach wie vor juristisch verfolgt, doch entledigten sich zahlreiche Zeitungen nach und nach des aufgezwungenen ideologischen NS-Vokabulars und berichteten auch über Aktivitäten der Opposition. Je nach politischer Haltung der Chefredakteure waren diese Berichte eher mehr oder eher weniger wahrheitsgetreu. Im Ganzen lockerte der Staat seinen Zugriff auf das Privatleben der Bürger entscheidend, sodass dem wirtschaftlichen Aufschwung allmählich auch ein - wenn auch von Teilen der Reichsregierung und der Partei kritisch beäugter - Zuwachs an individueller Freiheit folgte. Dem entsprach ein anhaltend hoher Anteil parteiloser Abgeordneter im Reichstag bei den Reichstagswahlen 1951 und 1955, der sich bei etwa einem Drittel der Gesamtzahl auf vergleichbar hohem Niveau stabilisierte, aber die absolute Mehrheit der NSDAP zu keinem Zeitpunkt ernsthaft bedrohte. Der Nationalsozialismus stand der Bevölkerung nun abgesehen von den allgegenwärtigen Hakenkreuzflaggen insbesondere durch die zahlreichen Monumentalbauten vor Augen, die Albert Speer noch auf Weisung Hitlers und nach dessen Planungen verwirklicht hatte. Insbesondere die Große Halle in Berlin sowie die umliegenden Regierungsgebäude und der monumentale Südbahnhof wurden zum Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Deutschland wurde insbesondere für Amerikaner ein beliebtes Reiseziel. Der von Ferdinand Porsche entworfene Volkswagen wurde derweil zum Exportschlager.

In Literatur und Film setzte eine intensive Beschäftigung mit der deutschen Vergangenheit ein, insbesondere mit Adolf Hitler und den Anfangsjahren des Nationalsozialismus. Die offizielle Biographie über Adolf Hitler wurde ebenso ein Bestseller wie die Biographien über Otto von Bismarck, Paul von Hindenburg, Friedrich II. von Preußen und andere prominente Gestalten der deutschen Geschichte. Parallel zur Entwicklung des amerikanischen "Sandalenfilms" entstanden in den großdeutschen UFA-Filmstudios monumentale Historien-Epen wie Hermann der Cherusker (1954), Der Löwe von Braunschweig (1955), Otto - Speerspitze des Deutschen Reiches (1956), Barbarossa (1958), Radboud (1960) und Der Niedersachse (1961) über den Sachsenherzog Widukind. Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung bildete das 1963 vollende Schlachtengemälde Türken vor Wien, das von der Ersten Wiener Türkenbelagerung 1529 handelte. Nicht zuletzt sollten diese aufwändig inszenierten und pompösen Dramen das deutsche Nationalgefühl und die Identifikation mit der eigenen, stets von auswärtigen Feinden bedrohten Nation stärken, wozu sie durch ihre monokausale Erzählstruktur und Emotionalisierung in der Folge entscheidend beitrugen.

Elvis-deutschland-1958

Elvis Presley verteilt schon bei seiner Ankunft in Deutschland die ersten Autogramme

Einen prägenden Einfluss insbesondere auf die Jugend entwickelte demgegenüber der Rock'n'Roll, der als Protestkultur aus den Vereinigten Staaten nach Europa kam und auch in den Untergrundclubs der deutschen Großstädte kursierte. Wie schon bei der Swing-Jugend, deren Nachfolge der Rock'n'Roll in Teilen antrat, blieben die staatlichen Repressionsmaßnahmen gegen die "obszöne Negermusik" in ihrer Wirkung beschränkt. Ein gesamtstaatliches Verbot gab es nicht und auf lokaler Ebene hing viel von der Einstellung der örtlichen Behörden ab. In Metropolen wie Berlin waren die Maßnahmen ohnehin nicht effektiv durchzusetzen. Als dann einer der bekanntesten Sänger der Szene, Elvis Presley, 1958 im Rahmen der neuen deutsch-amerikanischen Militärallianz (s.u.) mit seiner Einheit nach Deutschland verlegt wurde, zeigte sich das Regime machtlos gegen die tausenden Fans, die ihn allerorten bestürmten. Konzerte waren ihm zwar nicht gestattet worden, doch zeigte sich auch so, dass die NS-Führung der kulturellen Entwicklung mitterweile nur noch verständnislos hinterherhinkte.

Außenpolitik

Doenitz Speer Briten

Der Leitende Reichsminister Albert Speer und Admiral Karl Dönitz besuchen die britische Kaserne in Memel, Ostpreußen, Frühjahr 1958

Die positive Grundstimmung im Inland korrespondierte mit einer neuen Aufgeschlossenheit im kapitalistischen Westen, insbesondere in den Vereinigten Staaten, wo man händeringend versuchte, sämtliche potenziellen Partner in Europa für ein antikommunistisches Bündnis zu umgarnen. Das Großdeutsche Reich spielte in diesen Überlegungen als "Herz Europas" eine zentrale Rolle, zumal es bereits seit den 30er Jahren sein eigenes antikommunistisches Bündnis betrieb. Mit Präsident Douglas MacArthur wurden schließlich 1953 in Washington ein Freundschafts- und Bündnisvertrag sowie ein gegenseitiger Beistandspakt für den Fall eines sowjetischen Angriffs in Europa oder Asien geschlossen. Hermann Göring reiste dafür als erstes deutsches Staatsoberhaupt überhaupt zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Amerika. Dieser Annäherung folgte schließlich auch eine Entspannung der immer noch angeschlagenen deutsch-britischen Beziehungen, die schließlich sogar in einem Truppenstationierungsabkommen mündeten, das es ermöglichte, britische und amerikanische Truppen in Osteuropa zu stationieren. Auch in Ostpreußen wurden Einheiten der britischen Marine stationiert und eine gemeinschaftlich genutzte Abhörstation des britischen MI6 und der deutschen Abwehr eingerichtet. Deutsche Mittelstreckenraketen wurden im Baltikum stationiert und somit eine effektive gesamteuropäische Abschreckungskulisse gegenüber der Sowjetunion geschaffen.

Anti-Atom-Demo

Demonstration gegen die atomare Bewaffnung der Wehrmacht, Winter 1956/57

Gegen die atomare Aufrüstung des Großdeutschen Reiches regte sich in der Bevölkerung Widerstand, der nicht nur von der einfachen Bevölkerung oder pazifistisch orientierten Gruppen ausging, sondern darüber hinaus auch von Wissenschaftlern wie dem Kernphysiker Otto Hahn, der zuvor selbst maßgeblich am deutschen Kernwaffenprogramm beteiligt gewesen war. Auch Wernher von Braun, der Schöpfer des deutschen Raketenprogramms, sprach sich gegen eine Verwendung seiner Raketen für die Beförderung atomarer Sprengköpfe aus. Die Zahl der Kriegsdienstverweigerungen schnellte angesichts der Aussicht, in einen apokalyptischen Atomkrieg verwickelt zu werden, in die Höhe, sodass die Gerichte alle Hände voll zu tun hatten, die entsprechenden Strafverfahren zu führen. Letztlich konnten sich diese Stimmen aber nicht gegen die Protagonisten des Antikommunismus durchsetzen, denen es galt, die Sowjets mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in die Schranken zu weisen und aus Europa fernzuhalten. Ein wesentliches Ergebnis der Proteste war allerdings ein Übereinkommen zwischen der Reichsregierung und den Protagonisten der Friedensbewegung, durch die Einführung eines "Wehrdienstes ohne Waffe" eine legale Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung zu schaffen, ohne dafür die allgemeine Wehrpflicht einschränken zu müssen. Die bisherige Organisation Todt wurde in Form der sogenannten Baupionierbatallione in die drei Teilstreitkräfte der Wehrmacht integriert und damit der neue Typus des Bausoldaten geschaffen, der militärische Vorarbeiten und Hilfsdienste - insbesondere die Anlage von Befestigungen - verrichtete, aber nicht in Kämpfen eingesetzt wurde. Auch wurden die Bausoldaten bisweilen als Streikbrechertruppe in bestreikte Betriebe entsandt. Im Großen und Ganzen wurde dieser Kompromiss positiv aufgenommen, wenngleich einige Hardliner in der NSDAP dadurch die "umfassende Wehrhaftigkeit des gesamten Volkes" bedroht sahen.

Entwicklung innerhalb der NS-Führung

Nach der Amtsübernahme Hermann Görings war der Einfluss der Partei auf den Staat schrittweise zurückgefahren worden. Zwar hatte sie immer noch wesentliche Mitspracherechte bei der Besetzung von Posten auf kommunaler Ebene und stellte in Personalunion durch ihre Gauleiter auch die Reichsstatthalter der Reichsgaue, doch führte dies mehr zu einer Verstaatlichung der Partei als zu einer Kontrolle des Staates durch die Partei. Sie diente im wesentlichen als Rekrutierungsreservoir und Kulturträger. Die schon 1943 in Reichsjugend umbenannte Hitlerjugend ähnelte mittlerweile eher den früheren Pfadfindergruppen und führte die Kinder und Jugendlichen an Selbstständigkeit, Naturverbundenheit und Sport heran. Die Anstalt Kraft durch Freude hatte sich zum internationalen Reiseveranstalter entwickelt und vermittelte sowohl Auslandsreisen für Deutsche als auch Deutschlandreisen für Ausländer.

Die Besetzung der Führungsriege des Regimes hatte sich in den Jahren unter Göring massiv gewandelt. Nachdem er 1944 Albert Speer mit seinem "Super-Ministerium" zum zweitmächtigsten Mann im Reich gemacht und ihm schlussendlich 1948 das tagespolitische Geschäft der Regierungsleitung gänzlich übergeben hatte, zog der Reichsmarschall sich mehr und mehr ins Privatleben zurück, empfing auf seinem Landsitz Carinhall ausländische Staatsgäste zur Jagd und füllte ansonsten vor allem die repräsentativen Aufgaben eines Staatsoberhaupts aus. Unter Speer etablierte sich ein vornehmlich von Technokraten gesteuertes System, das mit dem ideologisch fundierten Nationalsozialismus Hitlers immer weniger Berührungspunkte hatte.

Wirtschaftsminister Walther Funk wurde 1948 durch den Wirtschaftswissenschaftler Ludwig Erhard ersetzt, der in der Folge entscheidenden Anteil an der Wiederanbindung der deutschen Wirtschaft an den Weltmarkt hatte. Ernst von Weizsäcker, zuvor Staatssekretär im Außenministerium, übernahm das Amt seines Chefs Joachim von Ribbentrop im Zuge der Annäherung an den Westen seit 1946, starb allerdings bereits 1951 an den Folgen eines Schlaganfalls. Ihm folgte mit Herbert Blankenhorn ein weiterer hoher Ministerialbeamter. Nach dem Tod von Innenminister Wilhelm Frick übernahm sein Staatssekretär Wilhelm Stuckart 1952 dessen Amt und konnte sich zusätzlich die Ressortleitung des Reichsministeriums für Erziehung und Volksbildung sichern.

Bis zum Ende der 50er Jahre fanden sich in den höchsten Staatsämtern kaum noch überzeugte Nationalsozialisten, was die Reichsregierung aber im Gegenzug befähigte, mit der Opposition im Reichstag sehr vertrauensvoll - und oft auch gegen einzelne Teile der NSDAP - zusammenzuarbeiten. Adenauer und Goerdeler waren als Reichsminister ohne Geschäftsbereich bei den Kabinettssitzungen stets präsent und konnten dort ihre Anregungen direkt im "Zentrum der Macht" einbringen. Während der 50er Jahre verstärkte sich der Trend zur Aufstellung von Namenslisten weiter und mit der Liste Heuss trat 1951 bereits eine dritte, in diesem Fall liberal orientierte Liste zu den Reichstagswahlen an und erreichte etwa 7% der Stimmen. Der Stimmenanteil für diese Listen erhöhte sich in den folgenden Jahren immer weiter, bis die NSDAP schließlich zur Reichstagswahl 1963 zum ersten Mal seit 1933 keine eigene Mehrheit mehr erreichte und eine Allparteienkoalition gegen sie gebildet wurde.

Karl Dönitz und die Geistig-Moralische Wende

Karl Doenitz

Großadmiral Karl Dönitz, Reichsoberhaupt seit 1962

Am 22. Februar 1962 starb Reichsmarschall Hermann Göring schließlich nach 23 Jahren an der Macht nach längerer Krankheit an Leber- und Nierenversagen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit einiger Zeit nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten und hatte auch seine repräsentativen Aufgaben mehr und mehr delegiert. Gemäß den Möglichkeiten der Nationalsozialistischen Reichsverfassung des Großdeutschen Reiches von 1943 hatte er bereits 1955 Großadmiral Karl Dönitz, den Oberkommandierenden der Kriegsmarine, zum Stellvertreter des Reichsoberhaupts ernannt. Dass er mit dieser Aufgabe nicht seinen Leitenden Reichsminister und de facto-Regierungschef Albert Speer betraute, hatte einerseits den Grund, dass Göring fürchtete, einem Zivilisten würde die Wehrmacht eventuell nicht mit derselben Bedingungslosigkeit folgen. Viel entscheidender war aber, dass Göring vermeiden wollte, die gesamte Machtfülle des Reichsoberhaupts an eine einzelne Person zu delegieren, die sich irgendwann gegen ihn stellen könnte. Mit Dönitz hatte er einen allseits respektierten Offizier ernannt, der in den 40er Jahren gegen seinen damaligen Vorgesetzten Erich Raeder ein Konzept des Marineaufbaus hatte durchsetzen können, das auf flexible Kreuzer-Einheiten und U-Boote setzte und die damals schon für die Militärdoktrin antiquierten Großkampfschiffe aufgab. Mit dieser mobilen Flotte hatte Dönitz es vermocht, diverse Vorstöße der Roten Flotte in die Nord- und Ostsee zu unterbinden.

Als der Großadmiral vor dem Großdeutschen Reichstag am 5. März seine Regierungserklärung hielt, kündigte er eine "geistig-moralische Wende" an, die nicht nur die "preußischen Tugenden" wieder mehr zur Geltung bringen, sondern vor allem auch einen "neuen moralischen Kompass" für die deutsche Politik definieren solle. In seiner Seemannssprache betonte er, um das Land wieder "auf Kurs" zu bringen, sei es vor allem notwendig, dass Kapitän, Offiziersstab und Mannschaft miteinander ins Gespräch kämen. Wie er diese Kurswende auszuführen gedachte, ließ Dönitz zwar weitgehend offen, doch die Bevölkerung fühlte sich dadurch frei, unzensiert und offen ihre Meinung kundzutun und sich in Interessengruppen zusammenzuschließen, die in den Dialog mit der Regierung treten könnten.

Spiegel-Affaere

Demonstration für Pressefreiheit im Zuge dee Spiegel-Affäre, 1962

Zum ersten Mal zeigte die junge Demokratiebewegung ihr Mobilisierungspotenzial, nachdem das Magazin Der Spiegel in seiner Ausgabe vom 10. Oktober 1962 über militärische Fehlplanungen bezüglich der Verteidigungsfähigkeit gegenüber der Sowjetunion berichtet hatte. Die Informationen zu diesem Artikel kamen aus dem Generalstab des Heeres und beruhten auf der Auswertung eines gemeinsamen deutsch-amerikanischen Manövers. In der sich anschließenden Spiegel-Affäre wurde die Redaktion des Magazins von der Gestapo besetzt und der Chefredakteur Rudolf Augstein sowie weitere Redakteure wegen Landesverrats verhaftet. Massive Proteste vonseiten der Bevölkerung führten schließlich zur Einstellung des Verfahrens und zur Entlassung der Verantwortlichen im Innenministerium, allen voran Staatssekretär Franz Josef Strauß.

Studentenproteste

Polizeikräfte versperren einem Demonstrationszug den Weg, März 1963

Eine wesentliche Forderung des Neuen Forums, das sich als Dachorganisation dieser Interessengruppen gebildet hatte, war in den folgenden Monaten die nach freien Wahlen und der Aufhebung des Parteienverbots. Bis zur Reichstagswahl Anfang 1963 war davon noch nichts zu spüren, obgleich die Zensur noch einmal deutlich gelockert wurde. Die insgesamt neun unabhängigen Namenslisten kamen zusammen auf 45% der Stimmen, konnten somit aber die absolute Mehrheit der NSDAP - bedingt durch großflächige Wahlfälschungen - nicht brechen. Bereits am folgenden Tag fanden in mehreren Großstädten im gesamten Reichsgebiet die ersten Montagsdemonstrationen gegen die Reichsregierung statt, die in den folgenden Wochen und Monaten zu Massenprotesten mit mehreren Millionen Teilnehmern anschwollen.

Straßenschlacht Berlin

Straßenschlacht in Berlin-Charlottenburg, September 1963

Die Reichsführung war von dieser "verwahrlosenden" Demokratiebewegung bestürzt und zugleich ratlos, wie sie auf diese Entwicklung reagieren sollte. Die Proteste entwickelten sich zwar über lange Strecken friedlich und gesittet, doch wurden die Sicherheitskräfte zunehmend unruhig. Im September 1963 kam es in Berlin-Charlottenburg schließlich zu einer Straßenschlacht zwischen Polizeikräften und Demonstranten, bei der die Einsatzkräfte u.a. mit Farbbeuteln beworfen und mit Zaunlatten geschlagen wurden. Dönitz, der sich einen geordneten, schrittweisen und vor allem weitgehend geräuschlosen Übergang von der bisherigen diktatorischen Regierungsführung zu einer vom Volk gestützten ausgemalt hatte, geriet nun in erschreckender Weise in Zugzwang, wollte er die Kontrolle nicht verlieren und die Sympathien des Volkes für seinen Kurs verspielen. Zuallererst erwirkte Dönitz eine Neuauszählung der Stimmen zur Reichstagswahl, die schließlich eine knappe Mehrheit für die Listen der Opposition erbrachte. Mit 51,3% konnten sie erstmalig seit 1933 die NSDAP hinter sich lassen. Alle neun im Reichstag vertretenen Namenslisten schlossen sich zu einer Koalition gegen die Staatspartei zusammen.

Übergang vom Reich zum Frei- und Volksstaat

Heinrich Krone

Heinrich Krone, Leitender Reichsminister seit 1964

Die neue Parlamentsmehrheit nahm nach der offiziellen Bestätigung des Ergebnisses der Neuauszählung umgehend Verhandlungen mit Karl Dönitz über die Bildung einer vom Parlament gestützten Regierung auf. Dönitz erteilte einem bereits vorgeschlagenen Kabinett unter der Führung des ehemaligen Zentrumspolitikers Heinrich Krone, dem engsten Vertrauten des greisen Oppositionsführers Konrad Adenauer, seine Zustimmung, sodass zum 1. Januar 1964 auch die zwanzigjährige Regierungsführung Albert Speers ihr Ende fand. Die neue Reichsregierung ging nun energisch daran, den NS-Staat abzuwickeln und neue demokratische Strukturen zu etablieren. Noch im Januar wurden SS, SA und SD aufgelöst, die seit den 40er Jahren allesamt einen erheblichen Bedeutungsverlust erlitten hatten. Im Mai 1964 fanden erstmalig wieder freie Kommunalwahlen statt, nachdem die Deutsche Gemeindeordnung entsprechend geändert und jede Verfügungsgewalt der NSDAP über die Besetzung kommunaler Posten gestrichen worden war. Unabhängige Kandidaten erreichten einen überwältigenden Zuspruch und in zahlreichen Gemeinden, vor allem in den größeren Städten, schrumpfte die Staatspartei erheblich zusammen. In der Reichshauptstadt brachte sie es gerade noch auf 15% der Stimmen. Die Wahl der Gaulandtage im Sommer 1965 brachte ein ähnlich deutliches Votum zustande. Nur noch 6 der 41 Reichsgaue wurden danach von der NSDAP regiert. Da die Mehrheit der Regierungsparteien nicht für eine Verfassungsänderung ausreichte, blieb die NSDAP formal einzig zugelassene Staatspartei und die Nationalsozialistische Verfassung des Großdeutschen Reiches blieb unverändert in Kraft, in der Realität ähnelte das politische System aber schon bald nur noch sehr oberflächlich der ursprünglichen Intention des Verfassungstextes. Mehrere Interventionen Martin Bormanns bei Dönitz, die fortgesetzte Aushöhlung der Verfassung durch die Regierung zu stoppen, wurden von diesem ignoriert.

Götzensturz: Die Reichstagswahl 1967

Der endgültige Umschwung kam schließlich mit der Reichstagswahl 1967 zustande, in der die Regierungslisten einen koordinierten gemeinsamen Wahlkampf führten. Ziel der Kampagne war die Erringung einer verfassungsgebenden 2/3-Mehrheit gegen die NSDAP, um die NS-Verfassung durch eine neue, demokratische Verfassung ersetzen und dadurch den begonnenen Prozess konsequent zuende führen zu können. Die NSDAP führte hingegen eine Kampagne, in der sie die Angst vor der Anarchie beschwor. Erwartungsgemäß konnte sich die Staatspartei damit nicht durchsetzen und musste eine vernichtende Niederlage hinnehmen, die ihre Macht endgültig brach. Sie erreichte nur noch 23%, während die regierenden Listen nun freie Hand hatten, die Verfassung in ihrem Sinne umzugestalten. Der neugewählte Reichstag erklärte sich bei seinem ersten Plenum selbst zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung und begann mit der Ausarbeitung einer neuen deutschen Verfassung.

Inhaltlich folgte der Entwurf den Grundlinien, die bereits die Weimarer Reichsverfassung geprägt hatten. Die ersten drei Artikel definierten den Staat als Freistaat, Volksstaat und Rechtsstaat, also als demokratische Republik.

Die Legislative bestand aus dem Großdeutschen Volkstag und dem Großdeutschen Staatsrat, wobei letzterer ein Gremium war, in den nach ständischen Kriterien ausgewählte Vertreter der Berufsverbände, der Wirtschaft, der Arbeiterschaft, der Kommunen, der Hochschulen und anderer gesellschaftlicher Gruppen gewählt würden, während im Volkstag vom Volk in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl bestimmte Abgeordnete sitzen sollten.

Ein vom Volk gewählter Staatspräsident (Per Übergangsbestimmung wurde allerdings festgelegt, dass Karl Dönitz auch nach Verabschiedung der Verfassung auf unbestimmte Zeit das Amt des Staatspräsidenten weiterführen könne) sollte als Staatsoberhaupt Großdeutschland repräsentieren und darüber hinaus auch als "Wächter der Verfassung" fungieren. Zu diesem Zweck sollte im Präsidialamt ein ernannter Verfassungsrat Gesetze prüfen können, bevor der Staatspräsident sie unterzeichnen würde. Er würde eine Staatsregierung ernennen mit dem Staatskanzler an deren Spitze. Er sollte mit einer Richtlinienkompetenz ausgestattet sein und die Politik der Staatsregierung festlegen. Das Parlament sollte den Staatskanzler nur dann stürzen können, wenn es mit der absoluten Mehrheit seiner Mitglieder dem Staatspräsidenten einen neuen Ernennungsvorschlag machen könne, um negative Misstrauensvoten zu verhindern.

Der Staatsaufbau Großdeutschlands sollte im Wesentlichen erhalten bleiben, wobei die bisherigen Reichsgaue durch neue Regierungsbezirke mit einem vom Volk gewählten Regierungspräsidenten und einem gewählten Bezirkstag ersetzt und somit der Struktur der Landkreise und Gemeinden angepasst werden sollten. Eine Rückkehr zum Bundesstaat wurde zwar diskutiert, fand aber keine Mehrheit in der Nationalversammlung.

Die Verfassung wurde schließlich in einem Volksentscheid bei einer Wahlbeteiligung von 85% mit einer deutlichen Mehrheit von knapp 70% angenommen. Das Großdeutsche Reich wurde infolge dessen zum Freien- und Volksstaat Großdeutschland, wobei sich die Bezeichnungen "Großdeutsches Reich" oder "das Reich" in Teilen der Bevölkerung noch lange in der Umgangssprache hielten. Mittlerweile sind sie weitgehend von der neutralen Kurzbezeichnung "Großdeutschland" verdrängt worden.

Im März 1968 konstituierte sich nach einer erneuten Wahl der erste Großdeutsche Volkstag in Berlin. Die NSDAP, die sich inzwischen in bewusster Opposition zur neuen Verfassung in Sozialistische Reichspartei (SRP) umbenannt hatte, konnte 19% der Stimmen auf sich vereinen und ging über viele Jahre in die Fundamentalopposition. Mit der Aufhebung des Parteienverbots hatten sich nach der Annahme der neuen Verfassung aus den vormaligen Namenslisten eine Reihe neuer Parteien gebildet, die nun ebenfalls ins Parlament einzogen. Als besonders erfolgreich erwiesen sich die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS), die Deutsche Sozialdemokratische Partei (DSP), die Liberal-Demokratische Partei (LDP), die Deutsche Konservative Partei (DKP) und die National-Demokratische Partei (NDP). Es wurde eine Große Koalition aus DSP, DKP, LDP und NDP gebildet, die zusammen jedoch über keine verfassungsgebende Mehrheit mehr verfügte. Erster Staatskanzler wurde der vormalige Leitende Reichsminister Heinrich Krone.

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