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Zeitlinie
Grund der Abweichung: Eine neue Kartoffelzüchtung, die gegen Kartoffelfäule immun ist, gelangt in die Hände irischer Bauern
Zeitpunkt der Abweichung: Um 1845
Kurzinformation: In den 1840er Jahren experimentieren britische Botaniker mit verschiedenen Kartoffelsorten, um eine gegen Pilzbefall immune Sorte zu Züchten. Dabei entsteht eine Sorte, die zwar resistent gegen Pilzbefall ist, aber wegen des Geschmacks nur als Tierfutter verwendet wird. Als in Irland dann aber die Kartoffelfäule um sich greift, bleibt den hungrigen Iren nur eine Wahl.

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Forschung an einer neuen Kartoffelzüchtung

In den 1840er Jahren begannen Botaniker in der Londoner Universität an der Pilzkrankheit Kartoffelfäule (Phytophthora infestans) und deren Bekämpfung zu forschen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es den Forschern einige robuste Sorten zu züchten von denen aber keine komplett immun gegen die Kartoffelfäule war. Nur wenige von ihnen waren wirklich genießbar, weshalb man die wenigen neuen Sorten wieder vergaß. Nach einer weiteren Reihe an Experimenten entstand dann aber doch eine komplett resistente Sorte bei diesen Züchtungen, die zwar genießbar, aber nur wenig wohlschmeckend war, wodurch diese Sorte zum Dasein als Tierfutter verdammte.

Beginn der Hungersnot in Irland

1845 fuhren irische Bauern die ersten Missernten ein, die durch eine neue aggressive Form der Kartoffelfäule hervorgerufen wurde. Pilzbefälle wie diese sind typisch für Monokulturen, bei denen nur wenige verschiedene Sorten angepflanzt werden und sich der Befall ungehindert verbreiten kann. Da sich der Erreger nun ungehindert an den Kartoffeln vergreifen, konnte fiel für die meisten Iren ihr Hauptnahrungsmittel komplett weg, weil Irland schon lange ein relativ armer Teil des British Empires gewesen war und die Kartoffeln zu den wenigen Lebensmitteln gehörten die sich jeder leisten konnte.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der zu der Hungersnot führte waren die politischen Umstände in London. Hier hatte der Premierminister John Russel gerade sein Amt angetreten nachdem seine Partei, die Whigs, die Konservativen Tories abgelöst hatten. Russel war strikter Anhänger der sogenannten laissez-faire Ideologie, die ein Eingreifen des Staates in die Wirtschaft als Angriff auf die Freiheit der Marktwirtschaft und der Unternehmer sieht. Die Whigs im Parlament sahen den vollen Umfang der Situation in Irland nicht und nahmen einen Einbruch der Wirtschaft als eine größere Gefahr war als das hohe Risiko einer Hungersnot der irischen Bauern.

"The Almighty sent the potato blight, but the English created the famine!" "Chuir an Almighty an easpa prátaí, ach chruthaigh an Béarla an gorta!"

~Irisches Sprichwort, zu deutsch etwa: Der Allmächtige brachte uns die Kartoffelfäule, aber die Englischen erschufen die Hungersnot!

Höhepunkt des Hungers und die Rettung Irlands

Irish potato famine

Zeitgenössische Zeichnung einer hungernden Familie in Irland

Auf der irischen Insel wütete die Hungersnot schon ein ganzes Jahr und hinterließ über 100.000 Tote. Premierminister Russell konnte die Augen nun nicht mehr vor dem Elend verschließen und leitete gegen seine persönlichen Überzeugungen Maßnahmen zur Arbeitsplatzbeschaffung und richtete Suppenküchen ein. Die neu geschaffenen Arbeitsplätze verbesserten die Lage aber nicht wirklich, weil es so wie so kaum unabhängige irische Großbauern gab, die meisten Iren pachteten nämlich ihr Land bei Englischen Großgrundbesitzern und besaßen, wenn überhaupt nur kleine Felder.

Zu allem Übel wurde auch die Haferernte durch einen verfrühten Schneefall zerstört. Damit wurde es noch schlimmer für die Landbevölkerung und die Stimmung gegen die Englischen wurde immer hitziger. Erst als die Anzahl der Toten fast eine halbe Millionen begannen die Bauern in der Provinz Connacht etwas fest zu stellen. Die ungenießbaren Knollen die ihnen von schottischen Kaufleuten untergejubelt wurden, weil die meisten Händler selbst kurz vor dem Bankrott standen, waren nicht von der "Blight" betroffen. Die Farmer Connachts erkannten, dass in den sauren Apfel zu beißen die einzige Möglichkeit war lebend aus dieser Situation hinaus zu kommen. Die Iren waren gerettet.

Folgen der Hungersnot

Politische Folgen

Die politischen Folgen nach der Großen Hungersnot waren immens. Zum ersten mal seit Jahren Organisierten sich separatistische Verbände um für ein souveränes Irland einzutreten. Bei den normalen Bürgern fand die Idee eines unabhängigen Irlands auch anklang. Zum einen war da der Hass auf die Englischen, die laut

Green Sunburst Flag

Flagge Irische Republikanische Bruderschaft

irischer Meinung Schuld an der An Gorta Mór, wie die Hungersnot in Irland genannt wurde. Andere Gründe war auch die praktisch non-existente wirtschaftliche Unabhängigkeit der Iren. Die meisten Bauern pachteten ihr Land bei sogenannten Plantations, Großgrundbesitzern aus England, die auf Geheiß des Königs im 17. Jahrhundert in Irland siedelten um die katholischen Iren zu "anglisieren".

Im Zuge dieser Faktoren entstand die Irish Republican Brotherhood und die Fenian Brotherhood. Die IRB hatte sich als republikanischer Geheimbund gegründet die britische Behörden wie Polizei und Armee unterwandern wollte um den Einfluss der Irischen Separatisten zu verstärken. Beides funktionierte zumindest im Ansatz. Die Fenian Brotherhood wurde von irischen Auswanderern in New York gegründet um die IRB finanziell und moralisch zu unterstützen.

Demografische Folgen

Die Bevölkerungszahl Irlands änderte sich auch drastisch während und nach der Hungersnot. Von ursprünglich 8,3 Millionen Einwohnern auf der "grünen Insel" waren ungefähr 800 Tausend verhungert. Weitere 100.000 starben an Krankheiten, die durch die Mangelerscheinungen auftraten und eine halbe

Anti-Irish-cartoon

Antideutsche und Antiirische Karikatur aus Amerika

Millionen Iren wanderten aus, die meisten in die USA und nach Kanada.

In den USA wurden die Neuankömmlinge aber nicht immer willkommen geheißen. Auch wenn Iren per Definition "Weiß" waren, erfuhren sie die selbe Diskriminierung wie die amerikanischen Ureinwohner und Afroamerikaner, die Diskriminierung verschlimmerte sich aber deutlich nach einer zweiten genau so großen Welle an Immigranten in den 1860er Jahren. Die Iren wurden als barbarische, schmutzige und gewalttätige Trunkenbolde gesehen, die den Einheimischen die Arbeit weg nahmen. Da die Iren in Amerika oft die "Drecksarbeit" wie Müllentsorgung oder Bauarbeiten erledigten organisierten sich viele in Gewerkschaften und gründeten schließlich 1870 die American Labour Party, in der vorrangig Iren, Deutsche und Italiener das Sagen hatten.  

Ab 1872 wurden keine Irischen Immigranten in die USA eingelassen. Man warb sogar für eine Rückwanderung nach Irland für bereits in den USA ansässige Iren. Dieses Angebot nahmen viele an, da die Verhältnisse in der Heimat sich nun besserten.  

Da sich um die Jahrhundertwende 1900 große mengen an südeuropäischen und asiatischen Einwanderern in den Vereinigten Staaten ansiedelten, veränderte sich die Größe der Bevölkerung nicht.  

Cogadh na Talún - der Krieg um Land

Bis 1879 ging es den Iren wieder besser und der Hunger schien in weiter Vergangenheit zu liegen. Das Straßennetz wurde ausgebaut und auch eine Zugverbindung verband die Provinzen Munster, Connacht, Ulster und Leinster und der Wohlstand schien zu steigen. Für die Bauern sah es aber wie so oft nicht all zu

Landleagueposter

rosig aus. Weil Irland nun immer mehr Menschen zu versorgen hatte wurde das Ackerland knapp, dementsprechend setzten die britischen Großgrundbesitzer die Pachtpreise für Land hoch. Aufgrund der hohen Preise organisierten sich sogenannte Land Leagues, nationalistische Bauernverbände die das Ackerland zurück in die Hände der irischen Farmer bringen wollten. Die Land Leagues sahen unter anderem auch Gewalt als legitimes Mittel an. Eine Parole lautete "No rent!" und forderte die Bauern dazu auf ihr ihr Land nicht mehr zu Pachten, sondern es zu eigenem Besitz zu machen. Der militärische Arm der IRB, die Irish Republican Army, führte Enteignungen bei den Plantations durch, dabei kamen aber auch Unbeteiligte Familienmitglieder und normale Bürger mit englischen Wurzeln ums Leben oder wurden beraubt.

Die britischen Polizeibeamten in Irland wurde die Verfolgung von Mitgliedern der Land Leagues aufgetragen. Gleichzeitig versuchten die irischen Republikaner gefangene Mitglieder Frei zu pressen, indem keine Steuern, Pacht oder sonstige Hilfe bei der Polizeiarbeit geleistet wurde. Daher kommt auch der heutige Begriff Boykott, der auf den Protest gegen einen Landherren namens Boycott zurückgeht.

Gründung des irischen Untergrundparlaments

Am 10. 3. 1884 trafen sich knapp zwanzig Männer in einem Haus in Dublin, geheim. Diese Männer stellten das erste Parlament Irlands, auch wenn sie weder anerkannt waren noch tatsächliche Macht über die Insel

Irland provisorisch

Die Flagge der neuen Irischen Volksversammlung mit der Unterschrift "Wir dienen Irland"

besaßen. Im geheimen wurden unter der Leitung des Untergrundparlaments Mitglieder für die IRA rekrutiert darunter auch einige Frauen. Taktiken wurden ausgearbeitet um einen Aufstand gegen die Englische Besatzung zu führen. Vor allem Ulster im Norden der Insel stand im Fokus weil dort mit Abstand die meisten Menschen lebten und Belfast dazu noch eines der wenigen Industriezentren Irlands war. Richtige Parteien gab es noch nicht, sondern nur einige politisch Interessierte Patrioten und Freiheitskämpfer; die Mehrheit von ihnen waren Intellektuelle.

Irisch-Republikanische Rebellion

Die sogenannte Irisch-Republikanische Rebellion war die Sezession und die Politische Krise nach der Unabhängigkeitserklärung.

Das Attentat auf den Vizekönig von Irland

Ein kurzer Aufschrei, gefolgt von dem klirren des Messers auf den Boden im Phoenix Park. der gerade ein mal 17 jährige Tim Kelly hat es geschafft den Vizekönig von Irland, Francis Cowper mit einem Stich in den Hals tödlich zu verwunden. Kelly war so schnell verschwunden wie er auftauchte und konnte von der Polizei nicht gefasst werden. Es wurde bald bekannt das es nicht nur ein Täter war, sondern Kelly noch Komplizen hatte. Der Mord wurde von der IRA-Leitung direkt angeordnet.

Der Tod Cowpers galt als auslösendes Ereignis der Irish-Republican Rebellion.

Offizielle Unabhängigkeitserklärung Irlands 1886

Die Unabhängigkeitserklärung wurde vom noch wackeligen Parlament des noch ungeborenen Irlands als

Easter Proclamation of 1916

Antwort auf die Home-Rule-Bill des liberalen britischen Premierministers Gladstone. Die Home-Rule-Bill war für eine weitere Anglisierung der Britischen Hauptinsel und garantierte auch den Iren eine eigene Polizei und Justiz aufzustellen. Das reichte den Nationalisten in Irland jedoch nicht, da man nicht einfach eine Kolonie, sondern ein eigenständiges Land sein wollte.

Parallel wurde auch eine Verfassung für die freie Irische Republik ausgearbeitet, die ein semi-präsidentelles System nach dem Vorbild Frankreichs vorsah, bei dem der Präsident direkt vom Volk gewählt wird (dabei wurde keine Rücksicht auf die Zusammensetzung des Parlaments genommen, da Parteien im heutigen Sinne nicht vorgesehen sind). Der Präsident ist auf das Vertrauen des Parlaments angewiesen und kann, wenn das Parlament bei einer 2/3 Mehrheit das Misstrauen gegenüber dem Präsidenten ausspricht, vom Amt entlassen werden. Der Präsident wird auf eine Amtszeit von vier Jahren gewählt.

Internationale Reaktion

Im 19. Jahrhundert wetteiferten die europäischen Großmächte um Territorien rund um die Welt aber auch kleinere Länder und der Einfluss auf diese wurde immer wichtiger. Das irische Parlament suchte dringend nach größeren Staaten die die Republik anerkennen würden und fanden einen Partner in Frankreich, das als Rivale der Briten da stand. Der Präsident Frankreichs, Francois Canot sprach 1889 seine Anerkennung der Republik Irland aus, was einen Affront gegen Großbritannien bedeutete. Italien folgte ein Jahr später, nur die Kaiserreiche Deutschland und Russland hielten sich bei der Anerkennung zurück.

Die Belfast-Verträge

1891 setzten sich Vertreter Großbritanniens und Irlands in Belfast an einen Tisch. Archibald Primrose vertrat die Briten, während der erste Irische Präsident James Stephens die Iren repräsentierte trafen sich in der Stadt Belfast in Nordirland.

Inhalt der Verträge

Die Verträge beinhalteten die künftige Position Irlands im Britischen Empire, die genauen territorialen Grenzen, wobei auch die Hoheitsgebiete auf See ausgehandelt und beschlossen wurden. Spontan kam auch die Forderung Irlands auf, die vorgelagerten Inseln der ursprünglich zu Schottland gehörenden Grafschaft Argyll verwalten zu dürfen, aber des wurde als nicht Haltbar angesehen. Die Verträge wurden am Ostermontag 1892 unterzeichnet

Inhalt der Verträge

  • Irland wird eine unabhängige Republik
    • Die Republik Irland ist auf die irische Insel und vierzig Seemeilen Meer um die Insel als Hoheitsgebiet beschränkt
  • Irland wird eine Semi-präsidentielle Republik nach Vorbild Frankreichs
  • das Vereinigte Königreich darf eine Basis der Royal Navy in der Keltischen See unterhalten

Nach der Unabhängigkeit

Die ersten Jahre in der Unabhängigkeit waren schwierig für die junge Republik. Da Irland vom großen Konzert der europäischen Großmächte und damit von kolonialen Besitzungen ausgeschlossen war, fokussierte sich der Großteil der Wirtschaft auf die Abdeckung des eigenen Bedarfs. Bis auf einige Exporte von wolle, Alkoholischen Erzeugnissen wie Whisky oder Bier und zu kleinen teilen auch Fisch gab es kaum nennenswerten Export. Irland galt so bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts als recht armes Land. Politisch galt Irland von jeher als relativ stabil, da es anders als UZL keinen Anlass gab um die IRA zu gründen.

800px-Irish WWI poster

Propaganda für die irischen Streitkräfte im ersten Weltkrieg

Das erste Mal im Krieg befand sich Irland im ersten Weltkrieg, in dem 2.000 Irische Soldaten nach Frankreich

und Belgien geschafft wurden, um an der Seite der Franzosen, Belgier und Briten gegen die sogenannten Mittelmächte zu kämpfen. Von Seeschlachten blieb Irland aber verschont. So saßen 1919 auch irische delegierte in Versailles, um das Ende des Deutschen Kaiserreiches zu besiegeln. Die Zeit nach dem Krieg war von weiterer Stabilität geprägt, während die Wirtschaft weiterhin landwirtschaftlich geprägt war. Seit 1925 wurden auch die industriellen Sektoren gefördert, ebenso wie die Infrastruktur.

Nach dem Börsencrash der New Yorker Börse 1929 traf dies auch die irische wirtschaft, da nun vor allem im fragilen Wirtschaftszweig der Industrie viele Angestellte entlassen wurden. Auch die Landwirtschaft musste einen herben Schlag verkraften. Das erste mal in der Geschichte Irlands nach 1895 kam es zu echter ziviler Unruhe. Die Páirt Cummanach (Kommunistische Partei) und die klerikal-faschistischen Blueshirts bekämpften sich in den Großstädten Belfast und Dublin, jedoch schafften die demokratischen Parteien es (relative) Ordnung zu erhalten. erst als der zweite Weltkrieg ausbrach stand das Land wieder geschlossen zusammen und Unterstützte Großbritannien mit großen Lieferungen von Milchprodukten und Kartoffeln für die britischen Streitkräfte eben so mit Munitionslieferungen. Offiziell blieb Irland aber neutral. Nach dem Zweiten weltkrieg trat die Republik Irland der Nato und der EU bei und modernisierte sich langsam.

Sonstige Veränderungen in der Zeitlinie

Ein Nebeneffekt von der relativen Isolation war, dass sich die irische Sprache, die zur Sprachfamilie der Keltischen Sprachen gehört und verwandt mit dem Walisischen und Schottischen ist, sich bis ins 21. Jahrhundert als Muttersprache der Iren erhalten hat. Jedoch wird Englisch von knapp 20 Prozent der Iren als Umgangssprache verwendet und bevorzugt. Das Irische hat damit im Jahr 2016 mindestens 8 Millionen aktive Sprecher.

Boston celtics2

Logo des NBA-Spitzenteams der Boston Romans

Eine weitere Veränderung im Gegensatz zu UZL macht sich jedoch in den USA bemerkbar: dort haben Iren nur eine untergeordnete Rolle gespielt, sie wurden weitestgehend von Einwanderern aus Südeuropa ersetzt. Damit ist die Einwohnerzahl der USA nur geringfügig kleiner als die in unserer Zeitlinie. Dieser Umstand hat

sogar Einfluss auf den Sport der Vereinigten Staaten: durch fehlenden irischen Einfluss wurde das Basketballteam der Boston Celtics nie gegründet, an ihrer Stelle stehen die "Boston Romans".

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