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Ullrich Friedrich Willy Joachim (seit 1925 durch Adoption "von") Ribbentrop (* 30. April 1893 in der rheinischen Kleinstadt Wesel) ist ein Nazi-Politiker. Seit 1938 ist er Reichsminister des Auswärtigen.

Vorleben[]

Sein Vater erzog seine Kinder streng, sie wurden oft verprügelt. Ribbentrop fand ihn abschreckend und fürchtete sich vor ihm. Seine Mutter starb 1902 an Tuberkulose. Der Familie fehlte es oft an Geld. Außerdem wurde sein Vater 1908 unehrenhaft aus der Armee entlassen, weil er Kaiser Wilhelm II. wiederholt unterstellt hatte, schwulsexuell zu sein. Ab 1904 lebte Ribbentrop jr. in Metz im Elsass, wo er Französisch lernte. Ein Lehrer von ihm erinnerte sich später, dass er der Dümmste der Klasse gewesen war, außerdem eitel und vordrängelnd. 1910 zog er mit seinem Bruder Lothar nach Kanada, wo er sich in verschiedenen Berufen betätigte und sich als Wein- und Sekthändler versuchte.

Unmittelbar nach Beginn des Ersten Weltkrieges reiste Ribbentrop über die neutralen USA und Niederlande nach Deutschland, um sich als Kriegsfreiwilliger zu melden. Nach einer Verwundung an der Front wurde er in die deutsche Botschaft in Istanbul versetzt. Hier lernte er Franz von Papen kennen.

1919 sorgte er dafür, dass er einen Eintrag im Who’s Who bekam - indem er vorlog, er wäre beim Frieden von Versailles Delegierter gewesen.

Anschließend eröffnete er wieder eine Weinhandelsfirma. Im gleichen Jahr lernte er die Sekt-Erbin Anna Elisabeth (Annelies) Henkell kennen, die er am 5. Juli 1920 in Wiesbaden heiratete. Das Ehepaar hat bislang vier Kinder: Rudolf (* 11. Mai 1921), Bettina (* 20. Juli 1922 in Berlin), Ursula (* 29. Dezember 1932), und Adolf (* 2. September 1935) - ein gewisser Martin Niemöller weigerte sich, diesen zu taufen. Außerdem ist sie 1940 mit einem Sohn schwanger. 1925 wurde Ribbentrop von seiner Tante Gertrud adoptiert und bekam so das ersehnte "von".

«Bleiben Sie mir bloss mit diesem Sektvertreter vom Hals!»
-Hindenburg über Ribbentrop - anfangs

Bis 1932 hielt sich sein Interesse für Politik in Grenzen, er hatte auch viele jüdische Kunden, Bekannte und Geschäftspartner. Den Aufstieg des Nationalsozialismus nahm er nur am Rande wahr, auch wenn er eine tiefe Abneigung gegen den Kommunismus hatte. Erst als Adolf Nazis Erfolge unübersehbar waren, ließ sich Ribbentrop im Sommer 1932 eine Audienz beim späteren "Führer" vermitteln. Am 1. Mai 1932 wurden er und seine Frau Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.199.927). 1932/33 setzte er dann seine Beziehungen ein, um bei der Machtergreifung zu helfen.

Unter den Nazis[]

Zunächst wurde er nicht - wie erhofft - Außenminister, sondern nur außenpolitischer Berater und SS-Standartenführer sowie Reichstagsabgeordneter. Juni 1935 wurde er dann „Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter des Deutschen Reiches“, als der er das deutsch-britische Flottenabkommen abschloss. Zur Überraschung vieler, weil er dem britischen Außenminister John Simon essenziell gesagt hatte, dass dieser alle deutschen Forderungen akzeptieren sollte, oder sie würden gehen. In dieser Zeit war er Rudolf Heß unterstellt.

1936-38 war Ribbentrop deutscher Botschafter in London. Er sollte für den "Führer", der lange an einem Pakt mit Großbritannien interessiert war, ein solches Bündnis aushandeln, nach dem Motto "Ribbentrop, bringen Sie mir das englische Bündnis!" Allerdings verstand er wenig vom britischen System - er dachte, König Edward VIII. hätte echte politische Macht, und als dieser zurücktreten musste, machte er die übliche Verschwörung von Juden und Freimaurern dafür verantwortlich. Bald darauf verursachte er einen Eklat, als er bei seinem Antrittsbesuch am britischen Hof König George VI. mit „Heil Hitler“ begrüßte. Wegen diesem und anderen Fauxpas wurde er in den diplomatischen Kreisen Londons „Ambassador Brickendrop“ genannt. Bei den einflussreichen Schneidern der Savile Row machte er sich unbeliebt, indem er sie stundenlang in Anspruch nahm, dann nichts kaufte und sie auf den nächsten Tag vertröstete, nur um dann das Spiel zu wiederholen. So war es kein Wunder, dass die Briten ihn und seine Forderungen ablehnten. Immerhin hat er so erreicht, dass man ihn dort für wichtiger und mächtiger hält, als er tatsächlich ist. - Außerdem litt die diplomatische Routine in der Botschaft, weil er ständig nach Berlin zurückreiste, um sich mit dem "Führer" zu besprechen - wegen seinen vielen Reisen nannte man ihn daraufhin den "Wandering Aryan" (Anspielung auf den "Wandering Jew", den "Ewigen Juden").

Am 25. November 1936 schlossen Nazi-Deutschland und Japan den von ihm arrangierten Antikominternpakt.

Herbst 1937 traf er Churchill in der deutschen Botschaft und erklärte ihm, dass Deutschland Polen, langfristig auch Weißrussland und die Ukraine als "Lebensraum" benötigen würde, und das Empire daher eine deutsche Expansion im Osten tolerieren sollte. Als Churchill dies ablehnte, antwortete Ribbentrop ganz undiplomatisch: „In diesem Fall ist der Krieg unvermeidlich […] Der Führer ist entschlossen. Nichts wird ihn aufhalten und nichts wird uns aufhalten.“ Im November machten ihm die Alliierten durch Anthony Eden ein Angebot, eventuell die deutschen Kolonien in Afrika zurückzugeben (was ihm selbst sehr am Herzen lag) - unter der Bedingung, dass das Nazi-Reich auf Expansion in Osteuropa verzichten würde, womit das Angebot für den "Führer" gestorben war. Sein italienischer Kollege Galeazzo Ciano meinte daraufhin, dass Ribbentrop die Briten nun hasste "wie eine verschmähte Frau". Seit dieser Zeit plante er, das Empire unter den Achsenmächten aufzuteilen - eventuell mit sowjetischer Beteiligung. Auch arbeitete er daran, dem "Führer" sein bis dahin positives "England"-Bild zu verderben.

Als Minister[]

Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Krise wurde er am 4. Februar 1938 zum Reichsaußenminister. Der bisherige Amtsinhaber Neurath wurde später ins Protektorat Böhmen und Mähren abgeschoben. In seinem neuen Amt ließ Ribbentrop die deutsche Außenpolitik einen 180°-Schwenk vollführen: Die Unterstützung für China wurde gegen den Willen der Wehrmacht fallengelassen, der japanische Satellitenstaat Mandschukuo anerkannt, und auf die ehemaligen deutschen Kolonien im Pazifikraum verzichtet.

Das Münchner Abkommen hielt er für eine ärgerliche Verzögerung des Krieges; auch war er an der Zerschlagung der Tschecho-Slowakei beteiligt. Im Dezember 1938 unterschrieb er noch den bedeutungslosen deutsch-französischen Nichtangriffspakt.

Im März 1939 präsentierte er den Polen Forderungen auf so scharfe Weise, dass sie einen sofortigen Krieg befürchteten und es dort zu anti-deutschen Ausschreitungen kam. Mittlerweile glaubte ihm niemand mehr, nicht einmal, wenn er die Wahrheit sagte, z.B. dass Deutschland nicht vorhatte, in Rumänien einzumarschieren. Im Mai 1939 brüllte er den türkischen Botschafter an, weil er meinte, dass dieser ihn nur so verstehen würde. Das Ergebnis: Die Türkei schloss ein Bündnis mit Großbritannien.

Bundesarchiv Bild 183-H27337, Moskau, Stalin und Ribbentrop im Kreml

Es schien unmöglich, aber nun haben Nazis und Stalinisten kooperiert, mit weltbewegenden Folgen

Am 14. August 1939 lud die Sowjetunion dann Ribbentrop zum Besuch in Moskau ein. Er kam am 22. August dort an und unterzeichnete bereits am nächsten Tag den Molotow-Ribbentrop-Pakt bei Anwesenheit des sowjetischen Außenministers Wjatscheslaw Molotow. Danach nannte ihn der "Führer" einen zweiten Bismarck.

Nach der Niederlage von Frankreich im Zweiten Weltkrieg versucht er, ein Bündnis mit Vichy-Frankreich zu schmieden. Darum versucht er auch, die Karriere von Pierre Laval zu fördern, da er diesen (nicht zu Unrecht) als Nazi-Deutschlands eifrigsten Unterstützer dort ansieht. Um diese Zeit schlug er auch vor, die europäischen Juden nach Madagaskar zu deportieren.

Allgemein schwebt Ribbentrop ein anti-britischer "Kontinentalblock" vor, der auch Spanien und eben die Sowjetunion einbeziehen soll. Den ersten Schritt dazu schaffte er im September 1940, als der Dreimächtepakt mit Japan geschlossen wurde. Auch einige kleinere Staaten schlossen sich an - die UdSSR allerdings nicht, und auch Spanien und Vichy-Frankreich blieben eher ablehnend. Es half nicht, dass Ribbentrop versuchte, die potentiellen Partner durch Druck und Brüllen auf seine Seite zu bekommen.

Er steht auch hinter dem "Unternehmen Willi" - dem Plan, Ex-König Edward VIII. zu entführen und/oder mit bis zu 50 Millionen Schweizer Franken zu bestechen, um ihn auf die Seite der Nazis zu bringen, und eventuell später als Marionettenkönig von Großbritannien einzusetzen.

Im August 1940 war er für das "Wiener Diktat" verantwortlich, bei dem Rumänien 40% von Siebenbürgen an Ungarn abtreten musste. Auf Wunsch des "Führers" - er selbst hätte das Gebiet lieber bei Rumänien gelassen.

Nachdem er den Dreimächtepakt zwischen den Achsenmächten vermittelt hatte, schlug er Stalin ein anti-britisches Bündnis vor. Anfang November kam Molotow dann nach Berlin. Er erhielt das Angebot, sich bei der erwarteten Zerstörung des Empires Persien und Indien zu nehmen, eventuell auch Teile der Türkei, solange die Meerengen nicht exklusiv der Sowjetunion gehören sollten.

Molotow ließ sich von dem Bombast der Nazis aber nicht beeindrucken und stellte nun seinerseits Forderungen - auf ein sowjetisches Bündnis mit Bulgarien (wo auch die Rote Armee stationiert werden sollte) und das Zurückweichen der Achsenmächte in Sachalin und Finnland. Das fand der "Führer" inakzeptabel, womit die Idee gestorben war. Die Sowjets waren zwar zum Zurückrudern bereit gewesen, aber danach hatten die Nazis nicht gefragt.

Mit Beginn des Unternehmens Barbarossa schickte Ribbentrop ein Telegramm nach Tokio, um die Japaner zum Kriegseintritt zu animieren, aber erfolglos. Ende des Jahres erlebte er jedoch einen (auch von ihm) ungeahnten Triumph, als er im Auftrag des "Führers" den "Ostfrieden" vermitteln durfte, womit der Kontinentalblock Wirklichkeit geworden war.

Der Staatssekretär (seit 1930) im Auswärtigen Amt Bernhard Wilhelm von Bülow versuchte, Ribbentrop über seine vielen dummen Fehler stolpern zu lassen, indem er (anders als üblich) dessen Berichte an Adolf Nazi weder korrigierte noch stilistisch aufpolierte. Es half nicht, dem "Führer" machten die Fehler nichts aus.

Dass seine Untergebenen im Auswärtigen Amt, die mit dem Widerstand sympathisieren - z.B. Staatssekretär Ernst von Weizsäcker - ein regelrechtes Schattendirektorium aufgebaut haben, merkt er nicht.

Nebenbei macht er auch etwas Propaganda.

Über Ribbentrop[]

Man sagt, dass er sich für mehrere Tage in seinem Schlafzimmer einschließt, wenn die Dinge nicht so laufen, wie er will - seine Untergebenen nennen das seinen "Tango Notturno", nach dem Film von 1937.

Er ist einer der unbeliebtesten Nazi-Politiker, in In- und Ausland. Joseph Goebbels meint, wie er seinem Tagebuch anvertraute, Ribbentrop habe seinen Namen gekauft, sein Geld geheiratet und seinen Weg in Amt und Würden durch Schwindelei erreicht. Außerdem könnten fast alle Spitzenvertreter des Reiches wenigstens eine lobenswerte Eigenschaft vorweisen – Ribbentrop hingegen besitze gar keine. Hermann Göring nennt ihn "Deutschlands Papagei Nummer Eins" und antwortete auf einen Kommentar des "Führers", dass Ribbentrop doch viele wichtige Leute in Großbritannien kenne: "Ja, aber das Problem ist, sie kennen ihn!" Auch Reinhard Heydrich und Papen hassen ihn. Mit der SS hat er sich über den Putschversuch in Rumänien Anfang 1941 zerstritten. Die Deutschen sagen mittlerweile, jemand sei „dumm wie Ribbentrop“. Nach einem Italien-Besuch schrieb Ciano in sein Tagebuch, dass ganz Rom Ribbentrop hasste. Selbst der "Führer" hält ihn für einen unangenehmen Zeitgenossen und unterstellt ihm, das zu sein, was man in seiner Heimat einen "Gschwollschädel" nennt. Trotzdem ist er einer der wenigen, die jederzeit einen Termin beim "Führer" bekommen können, was selbst für Göring und Goebbels nicht der Fall ist. Vermutlich hilft ihm dabei, dass er auf jede Bemerkung des "Führers" hin vorschlägt, noch viel radikaler zu werden. Und sie sind sich einig in ihrer Ablehnung gegenüber den alten, meist adligen Diplomaten.

Zukunft[]

Zu seinem 50. Geburtstag machten ihm die Nazis ein besonderes Geschenk: Faksimiles von allen Verträgen, an denen er mitgewirkt hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren diese allerdings schon fast alle vom "Reich" gebrochen worden.

1955 wurde er schließlich aus seinem Amt entlassen und auf den Posten des Reichsprotektors von Böhmen abgeschoben.

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Die ultimative "Die Nazis siegen! Was jetzt tun?"-Zeitlinie
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