Alternativgeschichte-Wiki
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Das Kabinett Göring war die zweite Reichsregierung des nationalsozialistischen Großdeutschen Reiches und war personell in weiten Teilen eine unmittelbare Fortsetzung des Kabinetts Hitler. Ihr Amt trat die Regierung am Abend des 20. April 1939 an, unmittelbar nach dem Attentat auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler an dessen 50. Geburtstag.

Bereits am frühen Nachmittag hatte sich Göring gegen 13:30 Uhr zur Neuen Reichskanzlei begeben, in die er bereits die Oberkommandierenden und Generalstabschefs der drei Waffengattungen der Wehrmacht (Wilhelm Keitel (OKW), Walther von Brauchitsch und Franz Halder (OKH), Erich Raeder (OKM) und Erhard Milch (OKL)), den Reichsführer-SS (Heinrich Himmler), den Reichsleiter SA (Viktor Lutze) sowie die Mitglieder von Hitlers Kabinett einbestellt hatte. Von allen Anwesenden verlangte er einen Treueeid auf seine Person, wie im Erlass über die Ernennung Görings von Hitler gefordert:

Er hat unmittelbar nach meinem Tode die Mitglieder der Reichsregierung, die Wehrmacht des Deutschen Reiches sowie die Formationen der SA und SS auf seine Person zu vereidigen.

Weitgehend überrumpelt von diesem Vorgehen regte sich keinerlei Widerstand, und alle ließen sich ohne zu zögern vereidigen. SA-Leiter, SS-Führer und Wehrmachtsführung sollten dafür Sorge tragen, dass auch die nachgeordneten Stellen schnellstmöglich auf das neue Staatsoberhaupt vereidigt würden. Die bestehenden Strukturen ließ Göring zunächst unangetastet. Alle wichtigen Entscheidungsträger blieben vorläufig auf ihren Posten. Der größte Teil der Minister aus Hitlers Kabinett konnte seine Arbeit auch unter Göring fortsetzen, wobei dieser jedoch anderen Kräften den Vorzug gab als sein Vorgänger.

Noch für den Abend des 20. April berief Hermann Göring auch den Großdeutschen Reichstag als dessen Präsident zu einer außerordentlichen Sitzung ein. Er eröffnete die Sitzung um 18:00 Uhr, indem er den Text des "Gesetzes über den Nachfolger des Führers und Reichskanzlers" vom 13. Dezember 1934 sowie den "Erlass über die Ernennung von Hermann Göring zum Nachfolger des Führers und Reichskanzlers" vom 23. April 1938 vor den versammelten Abgeordneten verlas. Somit war allen Anwesenden klar, dass Göring mit vollem Recht das Erbe Hitlers anzutreten beabsichtigte. Eine formelle Vereidigung sah das Gesetz nicht vor.

Göring als Führer und Reichskanzler[]

Anders als Hitler dies getan hatte und anders als dies die Partei forderte, griff Göring bei der Besetzung wichtiger Posten in aller Regel nicht auf Parteikader zurück, sondern entweder auf persönliche Vertraute - bei denen es sich fast ausschließlich um ehemalige Weltkriegskameraden handelte - oder auf parteiferne Fachleute. Der harte Kern dieser "Göringianer" änderte sich über die vielen Jahre nur unwesentlich. Wo dies notwendig war, wurden die vorhandenen Kräfte neu verteilt, um eine größtmögliche Bandbreite an Arbeitsfeldern zuverlässig abzudecken. So konnte der Reichsmarschall sich größtmögliche Unabhängigkeit von den Parteistrukturen und deren Protagonisten bewahren und sich einen Kreis von persönlichen Gefolgsleuten aufzubauen, deren Loyalität ausschließlich ihm galt. Das Ideal soldatischer Kameradschaft erhob er auch innerhalb der Regierung zum Maßstab, an dem sich seine Sympathien gegenüber den Kabinettsmitgliedern bemaßen. Illoyalität konnte daher - wie im Fall von Außenminister von Ribbentrop - eine umgehende Entlassung nach sich ziehen.

Wie bereits im Preußischen Staatsministerium holte Göring auch in der Reichsregierung einige enge Vertraute in führende Positionen. Dies betraf in besonderer Weise seinen Staatssekretär und Duzfreund Paul Körner, der keine zwei Wochen nach der Amtsübernahme und der Erklärung des Verteidigungszustandes - der sich zu einem permanenten Provisorium entwickeln sollte - zum Reichsminister für Aufgaben des Reichsverteidigungsrates ernannt wurde. Als solcher wurde er Görings Stellvertreter und faktischer Leiter dieses "Notstandskabinetts". Ebenfalls wurde dem neuen Ministerium die Koordination der Geheim- und Nachrichtendienste des Reiches übertragen, was Körner zum Vorgesetzten Reinhard Heydrichs im Bereich der Gestapo und des SD, zusätzlich aber auch zum Chef des militärischen Nachrichtendienstes (Abwehr) machte. Darüber hinaus wurde auch das Forschungsamt, das bislang im Luftfahrtministerium angesiedelt war, in Körners Ministerium umgegliedert. Beim Forschungsamt handelte es sich de facto um einen privaten Geheimdienst Görings, der zudem anders als Gestapo und SD auch in der Lage und berechtigt war, Telefonüberwachungen durchzuführen. Dadurch wurde die Position Himmlers geschwächt, der in der Folge um seinen Machterhalt ringen mussten.

Demgegenüber konnten Reichsinnenminister Wilhelm Frick als Generalbevollmächtigter für die Reichsverwaltung und Reichswirtschaftsminister Walther Funk als Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft ihren Einfluss enorm ausbauen. Die beiden Generalbevollmächtigten waren im Reichsverteidigungsgesetz für den Verteidigungsfall vorgesehen und erhielten jeweils Weisungsbefungnis gegenüber einer ganzen Gruppe von Ministerien.

Görings Machtzentrale blieb das Preußische Staatsministerium mit dessen Beamtenapparat. Als Innenminister Frick immer vehementer auf eine Fortsetzung der Reichsreform und eine Auflösung des Ämterdualismus zwischen dem Reich und den nur noch dem Schein nach existierenden Ländern drängte, wurde ein Kompromiss geschlossen: 1940 wurden die Länder endgültig als Gebilde aufgelöst und das Altreich - wie zuvor schon Österreich - in Reichsgaue aufgeteilt, die jeweils mit den entsprechenden Parteigauen der NSDAP und den Wehrkreisen des Heeres deckungsgleich waren. Göring, bislang preußischer Ministerpräsident, wurde per Führererlass als Reichsministerpräsident und Chef der Zivilverwaltung im Rang eines Staatssekretärs im Innenministerium Oberhaupt der gesamten mittleren und unteren (Selbst-)Verwaltung des Reiches, sodass er sich seine Machtbasis letztlich erhalten und ausweiten konnte. Wie schon der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler war auch Göring in seinem neuen Amt nur auf dem Papier dem Minister untergeordnet. De facto bedeutete diese Selbstermächtigung Görings, dass Frick die Kontrolle über die Verwaltung unterhalb der Reichsebene völlig verlor.

Zusätzlich wurde als Ersatz für den Preußischen Staatsrat ein Großdeutscher Reichsrat gebildet. Dieser Reichsrat war nicht mit der Länderkammer der Weimarer Republik vergleichbar, sondern diente als beratendes Expertengremium, in das der Führer und Reichskanzler nach eigenem Ermessen "verdiente Volksgenossen" berufen konnte. De facto handelte es sich um eine Möglichkeit, Mitarbeiter und Anhänger auszuzeichnen und sich ihre vielfältige Expertise nutzbar zu machen. Auch dieses Gremium sollte in der Folge zu einer wesentlichen Stütze Görings werden.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Kabinetten Hitler und Göring zeigte sich vornehmlich darin, dass letzteres nicht nur auf dem Papier bestand, sondern vom ersten Tag an auch tatsächlich zu regelmäßigen Sitzungen zusammenkam. Bereits bei seiner Machtübernahme in Preußen hatte Göring einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen innerhalb der Landesregierung vor allem dadurch erreichen können, dass er zum klassischen Kollegialprinzip zurückgekehrt war und alle auftretenden Fragen in der großen Runde diskutiert wurden. Er entkleidete sich damit - nicht ohne Risiko, aber im vollen Bewusstsein der realen Machtverhältnisse - seiner diktatorischen Allmacht. Faktisch bestand sie ohnehin nicht.

Denn so sehr Göring auch versuchte, seine Macht zu sichern, so war dies doch letztlich vor allem ein Eingeständnis dessen, dass Göring nie über dieselbe Machtfülle verfügen würde wie Hitler, obwohl er dessen Amt geerbt hatte. Ihm fehlte sowohl die Bindungswirkung - die Hitler zu einem guten Teil durch sein Charisma, zu einem anderen durch sein außergewöhnlich volatiles Temperament erzielt hatte - als auch die reale Kompetenz. Denn ein wesentliches Problem sollte die Regierungsarbeit Görings nachhaltig belasten: Das Auslaufen des Ermächtigungsgesetzes durch den Tod des Führers und deren Folge, dass "die gegenwärtige Reichsregierung durch eine andere abgelöst" wurde.

Das führte für die Regierungsarbeit zu der paradoxen Situation, dass die Reichsregierung durch das Gesetz über den Neuaufbau des Reiches zwar weiterhin die Kompetenz hatte, verfassungsändernde Gesetze zu beschließen, einfache Gesetze aber fortan wieder nur mit einer Mehrheit im Reichstag möglich waren, die aber von Kompromissen unter den Paladinen und dem Wohlwollen der Abgeordneten abhängig war. Versuche, ein neues Ermächtigungsgesetz beschließen zu lassen, führten nicht zum Ziel, hatten doch die Reichstagsabgeordneten mehrheitlich kein Interesse, einem so linienfernen Protagonisten wie Göring - er war innerhalb der Partei als Opportunist verschrien - ein solches Machtmittel einfach in die Hand zu geben. Göring hatte zwar prinzipiell durch das Notverordnungsrecht des Reichspräsidenten nach wie vor die Möglichkeit, per "Führererlass" zu regieren, doch waren solche Erlasse wiederum davon abhängig, dass der Reichstag sie nicht nachträglich kippte. In den ersten Monaten nach dem Amtsantritt Görings funktionierte dieses Instrument noch relativ zuverlässig, doch mit der Zeit wurden die entstehenden Fraktionen im Reichstag immer selbstbewusster. Das politische System erlitt dadurch eine gewisse Versteinerung und nahm der neuen Führung die Flexibilität.

Kabinett[]

Kabinett Göring – 20. April 1939 bis 14. September 1962
Amt Foto Name Partei
Führer und Reichskanzler


Reichsministerpräsident und Chef der Zivilverwaltung ab 1. Januar 1940

Hermann Göring sitzend
Hermann Göring

(1893–1962)

NSDAP
Reichsminister des Auswärtigen
Joachim von Ribbentrop
Joachim von Ribbentrop

(*1893) entlassen am 16. März 1940

NSDAP
Philipp Prinz von Hessen
Philipp Landgraf von Hessen

(*1896) ab 16. März 1940

NSDAP
Reichsminister des Innern
Wilhelm Frick
Wilhelm Frick

(1877–1948) ermordet am 11. November 1948

NSDAP
Wilhelm Stuckart
Wilhelm Stuckart

(1902–1953) ab 13. November 1948

verstorben am 15. November 1953

NSDAP
Hans Globke
Hans Globke

(1898-1973) ab 17. November 1953

NSDAP
Reichsminister der Justiz
Franz Gürtner (1933)
Franz Gürtner

(1881–1941) verstorben am 29. Januar 1941

NSDAP
Franz Schlegelberger
Franz Schlegelberger

(1876–1970) ab 30. Januar 1941

NSDAP
Reichsminister der Finanzen
Ludwig Schwerin von Krosigk
Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk

(1887–1977)

NSDAP
Reichsminister der Wirtschaft
Walther Funk
Walther Funk

(1890–1960) entlassen am 1. Februar 1943

NSDAP
Erich Neumann
Erich Neumann

(1892-1951) ab 1. Februar 1943 verstorben am 23. März 1951

NSDAP
Helmut-Wohlthat
Helmuth Wohlthat

(*1893) ab 24. März 1951

NSDAP
Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft
Herbert Backe
Herbert Backe

(*1896)

NSDAP
Reichsminister für Arbeit
Franz Seldte
Franz Seldte

(1882–1947) entlassen am 1. April 1942

NSDAP
Kurt Melcher
Kurt Melcher

(1881–1970) ab 2. April 1942

NSDAP
Reichsminister für das Post- und Fernmeldewesen
Wilhelm Ohnesorge
Wilhelm Ohnesorge

(1872–1962)

NSDAP
Jakob Nagel
Jakob Nagel

(1899–1973)

NSDAP
Reichsminister für Verkehr, Bau und Raumordnung
Julius Dorpmüller
Julius Dorpmüller

(1869–1945) verstorben am 5. Juli 1945

NSDAP
FritzTodtHTL
Fritz Todt

(1891–1973) ab 6. Juli 1945

NSDAP
Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung
Bernhard Rust
Bernhard Rust

(1883–1968)

NSDAP
Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten
Hanns Kerrl
Hanns Kerrl

(1887–1941) verstorben am 15. Dezember 1941

NSDAP
Bernhard Rust
Bernhard Rust

(1883–1968) ab 16. Dezember 1941

NSDAP
Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda
Joseph Goebbels
Joseph Goebbels

(*1897) zurückgetreten am 22. November 1939

NSDAP
Werner Naumann
Werner Naumann

(*1909) ab 23. November 1939

NSDAP
Reichsminister für Angelegenheiten der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

ab 1. Mai 1939

Rudolf Heß
Rudolf Heß

(*1894)

NSDAP
Reichsminister für Angelegenheiten des Reichsverteidigungsrates

ab 1.2 Mai 1939

Karl Bodenschatz
Karl Bodenschatz

(1890-1979)

NSDAP
Reichsminister für die Deutschen Kolonien

ab 11. September 1939

Franz von Epp
Franz Ritter von Epp

(1868-1947) verstorben am 31. Januar 1947

NSDAP
Adolf Friedrich zu Mecklenburg
Adolf Friedrich, Herzog zu Mecklenburg

(1873–1969) ab 3. Februar 1947

NSDAP
Reichsprotektor in Böhmen und Mähren


Reichsminister für Böhmen und Mähren ab 15. Juni 1939

KonstantinVonNeurath1933
Konstantin Freiherr von Neurath

(1873–1956) verstorben am 14. August 1956

NSDAP
Theodor Oberländer
Theodor Oberländer

(*1905) ab 22. August 1956

NSDAP
Reichsforstmeister und Reichsjägermeister


Reichsminister für Naturschutz, Jagd und Forsten ab 21. März 1942

Friedrich Alpers
Friedrich Alpers

(*1901)

NSDAP
Reichsminister und Chef der Reichskanzlei
Hans Heinrich Lammers
Hans Heinrich Lammers

(1879–1962)

NSDAP
Erich Gritzbach
Erich Gritzbach

(1896–1968)

NSDAP
Reichsminister und Chef der Präsidialkanzlei
Otto Meissner
Otto Meissner

(1880–1953)

NSDAP
Erich Gritzbach
Erich Gritzbach

(1896–1968)

NSDAP
Reichsminister und Chef des Stabsamtes des Reichsministerpräsidenten

ab 1. Januar 1940

Erich Gritzbach
Erich Gritzbach

(1896–1968)

NSDAP
Reichsminister und Chef des Oberkommandos des Heeres

ab 1. Mai 1939

Walther von Brauchitsch
Walther von Brauchitsch

(1881-1948)

NSDAP
Erich von Manstein
Erich von Manstein

(1887-1973)

NSDAP
Adolf Heusinger 2
Adolf Heusinger

(*1897)

NSDAP
Reichsminister und Chef des Oberkommandos der Luftwaffe

ab 1. Mai 1939

Erhard Milch
Erhard Milch

(1892-1972)

NSDAP
Reichsminister und Chef des Oberkommandos der Kriegsmarine

ab 1. Mai 1939

Erich Raeder
Erich Raeder

(1876-1960)

NSDAP
Karl Dönitz
Karl Dönitz

(*1891)

NSDAP
Reichsminister und Chef des Oberkommandos der Wehrmacht
Wilhelm Keitel
Wilhelm Keitel

(1882-1961)

NSDAP
Walter Warlimont
Walter Warlimont

(1894-1976)

NSDAP

Veränderungen[]

Das Kabinett Göring war, wie schon sein Vorgänger, von einer massiven Aufblähung geprägt. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche neue Ministerien geschaffen, beginnend mit dem Reichsministerium für Angelegenheiten des Reichsverteidigungsrates und dem Reichsministerium für Angelegenheiten der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, mit dem Rudolf Heß' Position als Stellvertreter des Führers de facto verstaatlicht wurde. Ebenfalls in dieser ersten Phase erhob Göring die Befehlshaber der Teilstreitkräfte der Wehrmacht in den Kabinettsrang.

Es folgte im Juni 1939 das Reichsministerium für Böhmen und Mähren, das dem Reichsprotektor Konstantin von Neurath Kabinettsrang einräumte. Im Zuge des Reichsparteitags des Friedens im September 1939 wurde schließlich der bayerische Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp zum deklamatorischen Reichsminister für die Deutschen Kolonien ernannt, die es in der Realität noch zurückzugewinnen galt. Die Ernennung sollte vor allem den Anspruch des Großdeutschen Reiches gegenüber der Weltöffentlichkeit und -politik unterstreichen. Erst Jahre später sollte sich dieser Traum erfüllen.

Im November 1939 schied - für die Öffentlichkeit unerwartet - Propagandaminister Joseph Goebbels aus dem Kabinett aus, nachdem zuvor seine zahllosen Affären in einem öffentlich ausgetragenen Scheidungskrieg mit seiner Frau Magda ans Licht gekommen waren und seinem Ansehen schwer geschadet hatten. Göring blieb hier seinem Hang zu Intrigen treu. Seit seiner Affäre mit der tschechischen Schauspielerin Lida Baarova stand Goebbels unter ständiger Beobachtung des Forschungsamts. Als sich der ewig untreue Goebbels, nach dem Tod Hitlers in eine tiefe Depression gefallen, in eine neue Affäre flüchtete, ließ Göring Magda Mitschnitte von Telefonaten und Abschriften von Briefen zuspielen, die endgültig jede Hoffnung auf eine Fortsetzung der Ehe der Goebbels' zunichte machten. Politisch und persönlich zerstört ging Joseph Goebbels anschließend als Honorarkonsul nach Tokio. Das Propagandaministerium übernahm auf seine ausdrückliche Bitte hin sein persönlicher Referent Werner Naumann, der innerhalb der Behörde als einer der wenigen fähigen Köpfe galt.

Deutlicher hatte sich seit längerer Zeit ein Konflikt zwischen Göring, der im Zuge des Britisch-Sowjetischen Krieges auf eine Annäherung an das Vereinigte Königreich bedacht war, und Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop abgezeichnet. Als dieser bei verschiedenen Verhandlungen und Empfängen Äußerungen fallen ließ, die die deutschen Verständigungsbemühungen torpedierten, wurde er von Göring kaltgestellt, indem er auch offizielle Verhandlungen von einem Sondergesandten, seinem langjährigen Freund Philipp von Hessen, führen ließ. Schließlich war die Entlassung Ribbentrops nur noch eine Frage der Zeit. Landgraf Philipp hatte als Schwiegersohn des italienischen Königs Viktor Emanuel III. zudem allerbeste Verbindungen zu Deutschlands wichtigsten Verbündeten.

Ein weiteres zusätzliches Ministerium wurde schließlich 1942 geschaffen, als der ohnehin in Kabinettsrang stehende Nachfolger Görings als Reichsforst- und Reichsjägermeister Friedrich Alpers mit seinem Reichsministerium für Naturschutz, Jagd und Forsten eine weltweit einmalige Vorreiterrolle beim Umweltschutz einnahm.

Im Laufe der Jahre schieden einige Mitglieder des Kabinetts aus Altersgründen oder durch Tod aus dem Amt. Dennoch konnten diese Wechsel nicht verhindern, dass eine umfassende Vergreisung der Reichsregierung einsetzte - ein Effekt, der sich auch in anderen Diktaturen wie der Sowjetunion zeigen sollte. Beim Tod Görings 1965 gehörten dem Kabinett nur drei Minister an, die nicht bereits im 19. Jahrhundert geboren worden waren.

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