Alternativgeschichte-Wiki
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Der Volksaufstand im Großdeutschen Reich war eine Erhebung der Bevölkerung gegen die seit April 1939 amtierende Regierung Hermann Görings, der es nicht gelungen war, die wirtschaftlichen Probleme des Reiches zu lösen und dadurch den Staat an den Rand des Staatsbankrotts manövriert hatte, was zu schwerwiegenden sozialen Verwerfungen, hoher Arbeitslosigkeit, Produktions- und Versorgungsengpässen führte. Zuerst begannen die Arbeiter, gegen die durch Kurzarbeit bedingten faktischen Lohnkürzungen zu protestieren und schließlich auch zu streiken, während die breite Mehrheit der Bevölkerung die wirtschaftliche Misere zunächst vor allem durch die Einführung von Rationskarten zu spüren bekam, deren Gegenwert sich im Laufe der Zeit immer mehr verknappte. Schließlich mündeten die Unruhen in der Bevölkerung am Tag der nationalen Arbeit, dem 1. Mai 1942, in einen unkoordinierten Generalstreik, der die Reichsregierung zwang, in ihrer Wirtschaftspolitik radikal umzudenken.



Vorgeschichte

Die "Reichswerke Hermann Göring" in Salzgitter, gegründet zur Verarbeitung minderwertigen Eisenerzes

Adolf Hitler hatte im Jahr 1936 ein großangelegtes Programm, den sogenannten Vierjahresplan, auf den Weg gebracht, um gleichermaßen Deutschlands Kampfbereitschaft wie auch einen möglichst hohen Grad an Autarkie für die deutsche Wirtschaft zu erreichen. Bis 1940 hatten diese Pläne nicht nur eine beispiellose Aufrüstung erlaubt, sondern auch tatsächlich in einigen Bereichen wie z.B. Erzen und Legierungen, Nahrungsmitteln und Baustoffen einen hohen Grad an Autarkie tatsächlich herstellen können. In anderen Feldern, so vor allem bei der Versorgung mit Öl und Gas, blieb das Großdeutsche Reich aber weiterhin massiv von Importen abhängig. Die Forschung auf dem Gebiet der synthetischen Ersatzkraftstoffe erwies sich auch weiterhin als fruchtlos. So wurden in der Folge auch die Versuche intensiviert, zusätzliche Ölfelder auf deutschem Boden bzw. in deutschen Hoheitsgewässern zu finden. Insbesondere in der Nordsee fanden umfangreiche Probebohrungen statt, die vor allem im Holsteinischen Wattenmeer Bestände zutage förderten. So konnte das Fördervolumen in den folgenden Jahren zwar signifikant gesteigert werden, hielt aber mit der Entwicklung des Bedarfs nicht ansatzweise Schritt.

Der Zusammenbruch des Devisenhandels

Die Autarkiepolitik sollte sich in dem Moment als Fatal erweisen, in dem die letzten - nur durch die Annexion Österreichs und der Tschechei noch einmal kurzfristig gestreckten - Devisenreserven des Reiches aufgebraucht waren. Schon seit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft gab das Reich deutlich mehr Geld aus, als es einnahm. Die staatlich regulierte Preisfestlegung für inländische Produkte verschleierte allerdings über lange Strecken weitgehend effektiv den Zustand der innerdeutschen Finanzwirtschaft. Zu Beginn der 40er Jahre hin wurde die finanzielle Situation des Reiches trotz aller Bemühungen der Reichsregierung immer bedrohlicher. Neue Devisenreserven waren praktisch nicht mehr zu erhalten, die Ausfuhren gingen durch internationale Boykotte stetig zurück und die Versorgung mit für die Wirtschaft dringend benötigten Rohstoffen stockte. Auch die Versorgung mit Grundbedarfsgütern gestaltete sich immer schwieriger. Dem Reich stand der finanzielle Kollaps bevor. Der internationalen Zahlungsunfähigkeit wiederum hätte den Zusammenbruch der Volkswirtschaft, eine Hyperinflation und eine Versorgungskrise zur Folge gehabt. Den größten Anteil an der Krise hatte jedoch die weitgehende Abkoppelung der deutschen Inlandswirtschaft vom Weltmarkt durch Preisfestlegungen und eine "verdeckte Staatsverschuldung", die sich aus Papieren einer Strohfirma ohne Gegenwert generierte und damit den unvermeidlichen Kollaps der Reichsmark immer weiter hinauszögerte. Als Wirtschaftsminister Walther Funk schließlich Anfang 1939 erklärte, die Rückzahlung dieser Wertpapier-Anleihen zu verweigern und Hitler die Reichsbank zur unbegrenzten Kreditvergabe an das Reich zwang, wurde die Rückkehr an den Weltmarkt ohne zeitgleichen Zusammenbruch der Reichsmark völlig unmöglich. Im Sommer 1940 musste das Großdeutsche Reich schließlich seine internationale Zahlungsunfähigkeit erklären, nachdem auch die allerletzten Devisenreserven und Auslandsvermögen aufgebraucht waren.

Kurzarbeit und beginnende Arbeiterproteste

Verhaftung streikender Arbeiter, Oktober 1941

Seit dem Herbst 1940 führte der chronische Rohstoffmangel in der Privatwirtschaft immer wieder zu Produktionsstillständen in den Fabriken. Um Entlassungen zu vermeiden, beförderte die Reichsregierung den exzessiven Einsatz von Kurzarbeit, also einer außerordentlichen Reduzierung der regelmäßigen Arbeitszeit unter Beihilfe des Staates. Das von der Reichsregierung ausgezahlte Kurzarbeitergeld, das den Lohnverlust der Arbeiter ersetzen sollte, fing den finanziellen Schaden jedoch nicht ansatzweise auf. Waren in der Anfangszeit die Einsätze von Kurzarbeit noch punktuell erfolgt, entwickelten sie sich bis 1941 jedoch immer mehr zum Dauerzustand, der de facto eine katastrophale Lohnkürzung für die Arbeiter bedeutete. Mit zunehmender Häufigkeit legten die Arbeiter in den Betrieben daher die Arbeit nieder und streikten gegen den Einsatz der Kurzarbeit, dies in einigen Fällen sogar auf Betreiben oder wenigstens mit ausdrücklicher Billigung der örtlichen DAF-Funktionäre. Die Reichsregierung, die seit der Machtergreifung keine Demonstrationen oder Streiks mehr erlebt hatte, zögerte, selbst Maßnahmen gegen die Streikenden zu ergreifen, und ließ sie zunächst gewähren. Gestapo und SD allerdings gingen hart gegen die Streikenden vor und viele wurden wegen subversiver, staatsgefährdender Aktivitäten verhaftet. Derweil konnten die Ausfälle in der Belegschaft bis zum Sommer 1941 noch durch die Zuweisung von Zwangsarbeitern oder Batallionen des Reichsarbeitsdienstes, die sich die Reichsregierung von den Unternehmen teuer bezahlen ließ, aufgefangen werden, doch wurde dadurch die Ursache der Proteste nicht wirklich behoben.

Ludwig Erhard war Lehrbeauftrager der Nürnberger Handelshochschule, Gründer der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und Berater für die wirtschaftliche Eingliederung Österreichs ins Deutsche Reich.

Göring und seine Regierung vermochten es trotz zahlreicher Bemühungen nicht, die Krise in den Griff zu bekommen. Schuld daran war nicht zuletzt ihr Unwillen, den grundlegenden Kurs der Wirtschaftspolitik zu ändern und eine grundlegende Abkehr vom Ziel der Autarkie zu vollziehen, die von zahlreichen Volkswirten als einzig sinnvolle Maßnahme angesehen wurde. Zu einem populären Fürsprecher wirtschaftlicher Liberalisierung wurde der Wirtschaftswissenschaftler Ludwig Erhard. In zahlreichen Denkschriften an das Reichsfinanz- und das Reichswirtschaftsministerium, in Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, Büchern und Vorträgen empfahl er neben einem Wiederanschluss der deutschen Wirtschaft an den Weltmarkt vor allem, den Unternehmen weitgehend freie Hand zu lassen und nach und nach die aufrüstungsbedingte Kommandowirtschaft herunterzufahren. Obgleich er mit seinen Thesen bei Wirtschaftsminister Funk auf taube Ohren stieß, fanden sie doch in der Privatwirtschaft massiven Anklang. Mehrere namhafte Großindustrielle wie Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Fritz Thyssen oder auch Ferdinand Porsche stellten sich hinter die wirtschaftsliberalen Pläne des Ökonomen. Dadurch erlangte Erhard innerhalb kürzester Zeit reichsweite Bekanntheit. Seine Bücher wurden zu Bestsellern.

Ausweitung der Proteste auf die Rüstungspolitik

Demonstration gegen die Rüstungspolitik des Reiches, März 1942

In den folgenden Monaten bis Ende 1941 begannen die Proteste allmählich, sich auf breitere Schichten des Volkes auszuweiten und sich verstärkt auch gegen die horrenden Militärausgaben und die damit verbundene Bündelung wirtschaftlicher Ressourcen in den Händen der Wehrmacht zu richten. Unter dem Leitspruch "Butter statt Kanonen! Mehr Lohn statt Divisionen!" demonstrierten die Arbeiter nun zunehmend für eine Umverteilung von Geldern und Rohstoffen zugunsten der Privatwirtschaft. Immer öfter solidarisierten sich jetzt auch andere Gruppen wie die Kirchen und Teile des Beamtenapparates oder der Polizei mit den Demonstranten. Bei einigen Gelgenheiten weigerte sich die von den Stadtoberen angeforderte Ordnungspolizei gar, illegale Demonstrationen aufzulösen. Je mehr die Proteste sich ausweiteten, desto weniger waren die unteren Staatsorgane gewillt, drastische Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um nicht unwillentlich zu einer Eskalation beizutragen. Dies wiederum ermutigte zunehmend die Demonstranten. Demgegenüber reagierte die Reichsregierung so gut sie konnte auf die Forderungen und bereits 1941 wurden erste Rüstungsprojekte, vor allem solche der Kriegsmarine, auf Eis gelegt. Das betraf neben den Großkampfschiffen auch die Flugzeugträger, von denen sich zwei bereits im Bau befanden. Während die Graf Zeppelin noch fertiggestellt wurde, wurde der unfertige Rumpf ihres Schwesterschiffes wieder abgebrochen. Auch bei den Großkampfschiffen erlebten lediglich die Bismarck und die Tirpitz ihren Stapellauf.

Versorgungskrise und Rationierungsmaßnahmen

Wer Geld hatte, hatte nichts, was er dafür kaufen konnte. Seit 1940 wurden lange Schlangen vor den Geschäften, die neue Ware geliefert bekamen, ein häufiger Anblick.

Dennoch verschlechterte sich die Versorgungslage der Bevölkerung von Jahr zu Jahr weiter. Zum Winter 1940/41 mussten erstmals seit dem Weltkrieg wieder Bezugsscheine für zahlreiche Güter des täglichen Bedarfs (z.B. Kleiderkarten) ausgegeben werden, ein Vorgehen, das Göring unter allen Umständen hatte vermeiden wollen. In den vorangegangenen Monaten waren die vorhandenen Gütermengen kontinuierlich zurückgegangen. Leere Regale und lange Warteschlangen vor den Geschäften wurden ein vertrauter Anblick. Doch erst die Lebensmittelrationierung machte endlich auch den Letzten klar, dass das Reich sich in einer schweren Krise befand. Bereits im Herbst 1940 gab es in einzelnen Regionen Lebensmittelrationierungen. Lebensmittelkarten für Güter des täglichen Bedarfs wurden großflächig im Sommer 1941 eingeführt, zudem wurden Strom und Benzin streng rationiert. Die Ration von 60 Liter Benzin pro Auto im Monat wurde bis auf 20 Liter reduziert. Auch für kleine Rationen musste unter Umständen tagelang angestanden werden. Ortsfremden Autos wurde eine Ration von 5 Liter Benzin pro Tankstelle zugeteilt. Für Auslandstouristen galten diese Beschränkungen nicht, solange sie für Benzinbons mit Devisen bezahlten. Auch Stromausfälle gehörten bald zum Alltag. Verkäufer wurden angewiesen, die rationierten Produkte nur Bürgern zu verkaufen, die ihren Wohnsitz oder Arbeitsplatz in der entsprechenden Gegend hatten.

Im Frühjahr 1942 stand im Ruhrgebiet vorübergehend kein Brot und wochenlang kein Mehl zu Verfügung, in anderen Gebieten über Wochen oder Monate keine Eier oder Haferflocken; Milchprodukte und Käse waren rar; Butter und Speiseöl kamen selten, Reis und Kartoffeln unregelmäßig in die Geschäfte, oft standen die Regale leer; Fleisch war kaum verfügbar. Dagegen propagierte die Reichsregierung ab 1941 verstärkt die „Wissenschaftliche Ernährung“; ein Konzept, das zum Ziel hatte, die Bevölkerung zu einer normierten Ernährung „in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht, physischer Anstrengung und physischem Zustand“ zu erziehen. Hierzu wurde eine genaue Aufschlüsselung formuliert, wie viel Nahrungsenergie, Proteine und Mineralien für welches Alter „wissenschaftlich“ notwendig seien.

Mit sechs Monaten bis zu fünf Jahren Haft wurde bestraft, wer Öl, Zucker, Mehl, Reis, Kaffee und andere haltbare Nahrungsmittel über den monatlichen Familienbedarf hinaus einkaufte. Das „Schlangestehen“ war zum Bestandteil der täglichen Lebensführung geworden, zusätzlich wurde die Bevölkerung durch den nicht ausreichend funktionierenden Rationierungsmechanismus gezwungen, sich über informelle Kanäle mit den notwendigen Gütern zu versorgen. Der Schwarzmarkt beschaffte, was die Regierung nicht vorhalten konnte.

Protest gegen die Lebensmittelrationierungen im Düsseldorfer Hofgarten, Dezember 1941

Die Reichsregierung beschwor als Reaktion auf die wachsende Unruhe im Volk den heroischen Kampf der Volksgemeinschaft gegen den ihr von auswärtigen Mächten aufgezwungenen Hungerkrieg. Wiederholt griff Göring Großbritannien und die Vereinigten Staaten an, die durch Boykottkampagnen und Lügenpropaganda dem internationalen Ansehen des Großdeutschen Reiches schweren Schaden zugefügt und "dem deutschen Arbeiter das Werkzeug aus der Hand geschlagen" hätten. Die Versorgungskrise sei also im Wesentlichen das Ergebnis der internationalen Isolation Großdeutschlands und nicht auf Misswirtschaft des Regimes zurückzuführen. Eine nationale oder gar antibritische Stimmung konnte dadurch nur begrenzt angeheizt werden. Vielen Arbeitern war - wie auch den Vertretern der Großindustrie - klar, dass der Rohstoffmangel und der Devisenbankrott maßgeblich durch die hohen Rüstungsausgaben verursacht waren. Was in der Bevölkerung allerdings keine Berücksichtigung fand war die Tatsache, dass die Krise nicht etwa durch eine Unfähigkeit der neuen Reichsregierung, die Ziele Hitlers zu erreichen, verursacht wurde, sondern ein direktes Ergebnis der Wirtschaftspolitik war, die Hitler selbst diktiert hatte. Göring als Verantwortlicher für den Vierjahresplan galt als Architekt der gescheiterten Autarkiepolitik, war jedoch selbst vor allem Befehlsempfänger gewesen. So führte der Unmut im Volk zwar zu einer Distanzierung von der Reichsregierung, dieser folgte aber keine Distanzierung von Kerninhalten des Nationalsozialismus oder dem Personenkult um den "Erzmärtyrer des Deutschen Volkes" Adolf Hitler. Im Gegenteil erlebte der Satz "Wenn das der Führer wüsste..." bzw. "Wenn das der Führer hätte erleben müssen..." eine neue Hochkonjunktur.

Stimmung in der Bevölkerung

Trotz der prekären Lage, die sich über mehrere Jahre immer weiter verschärfte, formierte sich kein organisierter Widerstand gegen das NS-Regime. Alle Ansätze hierzu wurden von Gestapo und SD zerschlagen, die Beteiligten verhaftet, unter Hausarrest gestellt, gefoltert oder in die Konzentrationslager eingewiesen. Das herrschende Elend, verbunden mit sich ausbreitender Korruption und einem unüberschaubaren Gestrüpp von Erlassen und Gesetzen, zwang fast jeden aus physischer Überlebensnotwendigkeit in die Illegalität. Dadurch wurden die Menschen erpressbar. Solidarität gegen die nationalsozialistische Diktatur konnte so nicht entstehen. Hinzu kamen die Kontrolle der Medien und die Schwierigkeit der Kontaktaufnahme mit dem Ausland. 1941 wurde ein Aufstand von Arbeitern in Bochum blutig niedergeschlagen. Als die "Feindsender", die ins Großdeutsche Reich sendeten, davon erfuhren, war es für ein Überspringen der Unruhen auf andere Städte bereits zu spät.

Schema der Grenzanlagen in einem modernen Schulbuch

Die Verschärfung der Situation trieb viele Deutsche zur Flucht ins Ausland. Die Einheiten des von Göring ab 1940 aufgestellten Reichsgrenzschutzes sollten daher - anders als von der Propaganda, die vor allem die Sicherung der Grenzen vor ausländischen Agenten als Grund angab, verkündet - in erster Linie Fluchtversuche von Reichsbürgern aus dem eigenen Land verhindern. An der gesamten deutschen Außengrenze standen Posten der Grenztruppen, die im Fall von drohenden Grenzdurchbrüchen auch Gebrauch von der Schusswaffe machten (Schießbefehl); auch waren im vorgelagerten Gebiet, dem sogenannten "Todesstreifen", Minen und in späterer auch Zeit Selbstschussanlagen installiert. Das hatte zur Folge, dass viele Menschen beim Versuch, die Sperranlagen zu überwinden, um das Reich zu verlassen, getötet wurden. Nach inoffiziellen Angaben starben zwischen 1940 und 1961 insgesamt 5587 Menschen bei Grenzzwischenfällen an den Reichsgrenzen. Darunter befinden sich 500 Grenzer, die durch Suizid oder Unfälle mit Schusswaffen ums Leben kamen. Mindestens 80 Grenzsoldaten wurden bei Grenzdurchbrüchen erschossen.

Kein Entkommen: Tausende Beamte des Reichsgrenzschutzes schotteten die Reichsbürger von der Außenwelt ab

Rechtlich flankiert und abgesichert wurde das Vorgehen durch den neuen Straftatbestand der Reichsflucht. Die Vorbereitung und der Versuch einer Flucht, wie auch deren Nichtanzeige, wurden bestraft. Ein engmaschiges Netz entstand, um Fluchtabsichten aufdecken zu können: Die Reichspost meldete Nachsendeaufträge, Spediteure sollten Umzüge melden, Notare Immobilienverkäufe anzeigen und Lebensversicherungen erbetene Rückkäufe melden. Mit der Gestapo wurden Post- und Telefonüberwachung einzelner Verdächtigter vereinbart, die immer mehr zunahmen, bis schließlich eine totale technische Überwachung eines großen Teils der Bevölkerung sichergestellt war. Nach Schätzungen wurden rund 300.000 Menschen wegen Fluchtversuchen verurteilt, in der Regel mit Gefängnisstrafen zwischen einem und drei Jahren und anschließender besonderer Überwachung durch die Gestapo. Wer bewaffnet war, Grenzanlagen beschädigte, als Wehrmachtsangehöriger oder als Geheimnisträger bei einem Fluchtversuch gefasst wurde, dem drohten bis zu acht Jahre Gefängnis. Wer darüber hinaus als erklärter Staatsfeind galt, endete häufig im Konzentrationslager und war dort Zwangsarbeit und einem nationalsozialistischen Umerziehungsprogramm ausgesetzt. Wem die Flucht gelang oder wer bei dem Versuch starb, dessen Vermögen wurde vom Staat konfiziert und die Angehörigen häufig aller vermögensrechtlichen Ansprüche inklusive der Witwen- und Waisenrente beraubt. Nicht selten wurden die Angehörigen von Reichsflüchtlingen sozial geächtet und waren verschärfter Überwachung durch die Gestapo unterworfen.

Agenten des SD sichten Ausweispapiere, 1941

Das gesellschaftliche Klima gestaltete sich in diesen Jahren erdrückend beengt. Das Forschungsamt (mit seinen ausführenden Organen Gestapo und SD) stieg zum zentralen Macht- und Kontrollinstrument Görings auf. Mit der technischen Entwicklung und dem zunehmenden Ausbau der Behörde entwickelte es sich zum omnipräsenten Begleiter der Deutschen in ihrem Alltag. Systematische Telefonüberwachung, Postkontrollen und die Dienste sogenannter "geheimer Zuträger" ließen die Super-Behörde nahezu allwissend erscheinen. Auf dem Höhepunkt seiner Tätigkeit konnte das Forschungsamt auf ein Netzwerk von beinahe 900.000 Spitzeln zugreifen, die der Gestapo und dem SD zuarbeiteten. Niemand konnte sich sicher sein, dass seine im Vertrauen getätigten Aussagen nicht durch einen engen Freund oder gar den eigenen Ehepartner in die Hände der Gestapo gelangten. Es entstand ein Zustand des permanenten gegenseitigen Misstrauens, der jede subversive Betätigung im Keim erstickte. Ein Ausbrechen aus dem NS-System war kaum noch möglich.

Ansätze einer Opposition

Der Bischof von Münster Clemens August Graf von Galen im Kardinalsornat, 1946

Dennoch flammten immer wieder auch inhaltliche Proteste gegen die Politik der Reichsregierung auf. Diese richteten sich gegen einzelne Maßnahmen, die als ethisch und moralisch fragwürdig galten. So protestierte der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen im Verlaufe des Jahres 1941 mehrfach in seinen Predigten gegen das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten, das die gezielte Tötung von Behinderten zum Inhalt hatte. Seine Predigten verbreiteten sich in Abschriften rasant und führten dazu, dass die Aktion T4, wie das Euthanasieprogramm im NS-Verwaltungssprech hieß, zunächst abgebrochen werden musste. Teile der Reichsführung forderten, Galen zu hängen oder wenigstens zu verhaften. Aus Sorge vor Unruhen in der Bevölkerung ließ man ihn jedoch unbehelligt. Stattdessen wurde die Druckerei verstaatlicht, die seine Schriften vervielfältigt hatte, und mehrere katholische Zeitungen verboten.

Wenngleich Proteste dieser Art lokale Phänomene blieben, zeigte sich doch, dass die Zivilgesellschaft grundsätzlich über Möglichkeiten verfügte, sich Gehör zu verschaffen. Zur Bildung einer regelrechten Widerstandsbewegung reichten diese Ansätze allerdings nicht aus. Eine Mischung aus Furcht und Behäbigkeit erhielt den Nationalsozialisten in den Jahren zwischen 1939 und 1942 zunächst noch ihre absolute Macht im Staate. Die Ideologische Klammer aber, die der Nationalsozialismus unter Hitler dargestellt hatte, war längst überdehnt.

Der Volksaufstand vom 1. Mai 1942

Zu Beginn des Jahres 1942 spitzte sich die Lage - sozial wie wirtschaftlich - noch einmal dramatisch zu. Seit dem Sommer 1940 war das Großdeutsche Reich infolge des endgültigen Versiegens seiner Devisenquellen international zahlungsunfähig und konnte fortan weder seine Auslandsschulden begleichen noch Güter aus dem Ausland importieren. Die Rohstoffwirtschaft brach nun vollends zusammen, was katastrophale Auswirkungen auf die Produktivität hatte.

Zusammenbruch der Lieferketten

Im VW-Werk in Wolfsburg standen seit dem 1. April alle Bänder still, da durch den Rohstoffmangel zahlreiche Zulieferer ihre Zusagen nicht einhalten konnten. Somit waren mit einem Schlag tausende Arbeiter eines der wichtigsten Staatsbetriebe de facto arbeitslos. Vielen anderen, insbesondere stahlverarbeitenden Betrieben erging es ähnlich. Die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes, das für einen so vollständigen Kollaps nicht vorgesehen war, geriet in den folgenden Wochen mehr und mehr ins Stocken. Die Reichsregierung versuchte fieberhaft, die enormen Summen zu generieren, die nötig waren, um großflächige Entlassungen zu verhindern und presste der Reichsbank unbegrenzte Auszahlungszusagen ab. Die Druckerpressen arbeiteten auf Hochtouren, was aber wiederum das Vertrauen in die Reichsmark trotz weiterhin bestehender strenger Preisregulierung massiv erschütterte. Dennoch war die Regierung nicht in der Lage, ihre Verpflichtungen den Arbeitern gegenüber einzulösen. So wurden die Lohnauszahlungen im Finanzministerium priorisiert und zunächst die Angestellten und Beamten des Reiches und der Kommunen ausgezahlt, während zahlreiche Arbeiter zu Ende April vergeblich vor den Werkstoren ausharrten und ohne Lohntüte den Heimweg antreten mussten.

Leere Lohntüten

In zahlreichen Betrieben des Reiches begannen die Arbeiter - wie hier in der Kröger-Werft in Warnemünde - nach Ausbleiben ihrer Lohnzahlungen am 29. Januar 1943 mit Streiks und Protesten

Vor vielen Fabriken bildeten sich am Samstag, dem 1. Mai im Laufe des Vormittags Trauben frustrierter Menschen. Die Reaktionen der Arbeiter auf das Ausbleiben ihrer Löhne fielen im einzelnen sehr unterschiedlich aus, gemeinsam war ihnen aber, dass sich wütender Protest gegen die Reichsregierung und deren Unfähigkeit formierte, den Zusammenbruch abzuwenden. An manchen Orten drangen die Menschen in die Fabriken ein und versuchten, sich ihr Geld mit Gewalt zu holen. Bereits in den frühen Morgenstunden musste die Ordnungspolizei reichsweit zu zahlreichen Einsätzen ausrücken, um die Demonstrierenden vom Werksgelände zu entfernen. In einem Fall wurde der Geschäftsführer eines Stahlwerks von seinen Arbeitern gekidnappt. Auf diesem Weg wollten sie von seiner Ehefrau Lösegeld in Höhe ihres ausstehenden Lohnes erpressen. An anderen Orten bildeten sich Sitzstreiks vor den Fabriken, die weitgehend friedlich einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik forderten. Die Thesen wirtschaftsliberaler Vordenker wie Ludwig Erhard wurden hierbei offen als Forderungen an die Reichsregierung herangetragen.

Solidarisierung und Massenmobilisierung

In Berlin und anderen großen Städten wuchsen die Arbeiterzüge - wie hier auf dem Kurfürstendamm - zu riesigen Massenkundgebungen an

Die größten Verwicklungen ergaben sich allerdings an jeden Orten, an denen sich die frustrierten Arbeiter zu spontanen Demonstrationszügen zusammenschlossen und versuchten, auf diesem Wege konkrete Reaktionen von der Regierung zu erzwingen. Teilweise führten die Demonstrationszüge zu den Rathäusern und auf die Marktplätze der Städte, teilweise zu Polizeistationen oder anderen öffentlichen Gebäuden, die als Repräsentanten der Staatsmacht gelten konnten. In Berlin zogen mehrere Gruppen zu den zentralen Maifeiern der Reichsregierung und störten dort das offizielle Feiertagsprogramm. Die SS ging brutal gegen die Rädelsführer vor, doch der Sturm der Entrüstung wurde dadurch nur noch mehr angefacht. Der Radikalisierung der Proteste folgte eine ebenso starke Mobilisierung der Bevökerung, die sich an vielen Orten mit den Demonstranten solidarisierte, sodass die zum Anfang noch überschaubaren Grüppchen zu wahren Massenaufläufen anschwollen. Insbesondere in der Reichshauptstadt war bis zum Mittag die ganze Stadt auf den Beinen. Die Polizei zeigte sich von diesen Dimensionen überfordert. Vielerorts schritten die Sicherheitskräfte nicht aktiv ein, sondern beschränkten sich darauf, sicherzustellen, dass Akte von Vandalismus ausblieben. Mit Straßensperren, Ausgangskontrollen und Blockaden vor Betrieben und Verwaltungsgebäuden versuchte die Polizei, den Volkszorn zu bändigen, war jedoch ohne Unterstützung des Militärs dem Anwachsen der Erhebung nicht gewachsen.

Das von Demonstranten in Brand gesteckte Columbushaus am Potsdamer Platz in Berlin

Vielerorts kam es zu Ausschreitungen und Beschädigungen von Staatseigentum. Die zunächst gewaltlosen Proteste begannen - auch durch das ungeschickte Agieren der SS - im Verlaufe des Tages zunehmend zu eskalieren und immer öfter kam es zu Vandalismus und gezielten Aktionen gegen Einrichtungen der Gestapo, des SD und der SS. In Berlin steckten Randalierer schließlich das Columbushaus am Potsdamer Platz in Brand, in dem seit 1941 die Zentrale des Euthanasieprogramms untergebracht war. Anderenorts brannten Autos, wurden Rathäuser besetzt oder lieferten sich radikale Protestierende Rangeleien mit den Sicherheitskräften.

Eskalation und Verhängung des Ausnahmezustands

Zum Nachmittag hin erhoben sich immer häufiger auch Stimmen, die einen politischen Umsturz forderten

Die Demonstrationen richteten schließlich zum Nachmittag hin endgültig offen gegen die Regierung als Ganze und immer wieder tauchten regierungsfeindliche Transparente auf. Bisweilen wurde nun sogar unumwunden zum Sturz des Regimes aufgerufen. Reichsmarschall Göring, der sich von dieser Entwicklung gleichermaßen schockiert wie gelähmt zeigte, zögerte zunächst, den von einigen Vertretern des Reichsverteidigungsrates geforderten Ausnahmezustand zu verhängen und das Militär zur Befriedung der Lage einzusetzen. Stattdessen beriet er sich mit seinen Vertrauten, wie es möglich wäre, den Forderungen der Demonstanten entgegen zu kommen, ohne das Gesicht zu verlieren, kam jedoch zu keinen zufriedenstellenden Ergebnis. Am frühen Abend gab er schließlich dem Drängen nach, verhängte den Ausnahmezustand und alarmierte die Wehrkreise. Das Heer übernahm damit die unmittelbare vollziehende Gewalt im gesamten Reichsgebiet.

Am Abend des 1. Mai 1942 rollten Panzer durch Berlin

Die Wehrmacht begann daraufhin, in den Städten Präsenz zu zeigen und in Einzelfällen auch die Demonstranten auseinanderzutreiben. In manchen Orten lösten sich die Proteste beim Anblick der Panzer nahezu unmittelbar selbst auf, an anderen Orten standen sich Volk und Armee teilweise über mehrere Stunden regungslos Auge in Auge gegenüber. Da Göring keinen ausdrücklichen Schießbefehl erteilt hatte, zögerten auch die allermeisten Wehrkreiskommandanten, ihren Einheiten den Einsatz bewaffneter Gewalt zu gestatten, solange die Soldaten selbst nicht angegriffen wurden. Gemäß dem alten Leitspruch "Deutsche schießen nicht auf Deutsche!" war die Wehrmacht bemüht, eine offene Konfrontation um jeden Preis zu vermeiden. Insbesondere in Berlin hatte der Aufstand jedoch bereits eine solche Eigendynamik entwickelt, dass sich eben dieser Zusammenstoß nicht mehr vermeiden ließ. An verschiedenen Stellen bewaffneten sich die Demonstranten mit Steinen oder Flaschen und griffen die aufmarschierten Truppen an. Zunächst gaben die Soldaten Warnschüsse ab, um die Protestierenden von einer weiteren Eskalation abzuschrecken.

Niederschlagung des Volksaufstands in Berlin

Demonstranten fliehen vor den Panzern der Wehrmacht

Wütende Demonstranten versuchten nun, den Soldaten ihre Gewehre abzunehmen und in den daraus entstandenen Rangeleien eröffneten Angehörige der Wehrmacht schließlich das Feuer und trieben die Randalierer auseinander. Diese Schüsse besiegelten die endgültige Eskalation der Ausschreitungen. Bis zum späten Abend hatte die Wehrmacht die Straßen völlig unter ihrer Kontrolle und alle Demonstrationen hatten sich entweder aus eigenem Antrieb oder unter Androhung von Waffengewalt aufgelöst. Offizielle Stellen vermerkten reichsweit 18 Todesopfer, inoffizielle Schätzungen gehen von bis zu 90 Toten des Volksaufstands und der anschließenden Repressionsmaßnahmen aus.

Obwohl die Armee die Situation schon am 1. Mai weitgehend unter Kontrolle brachte, kam es auch in den darauf folgenden Tagen noch zu Protesten, vor allem am 2. Mai. In einzelnen Betrieben dauerten sie bis in den Juni hinein. So wurde am 10. und 11. Juni bei Krupp in Essen und am 16. und 17. Juni im Buna-Werk Schkopau gestreikt. Die Stärke des 1. Mai 1942 wurde aber nicht mehr annähernd erreicht.

Dem Ende der Volkserhebung folgte zunächst eine reichsweite Verhaftungswelle. 5.277 Personen erhielten zum Teil langjährige Zuchthausstrafen oder landeten in den Konzentrationslagern. Als Verurteilte des 1. Mai wurden sie auf ihrer Kleidung durch ein großes "X" kenntlich gemacht und in der Haft oft besonders schlecht behandelt. 11 Personen wurden zum Tode verurteilt.

Internationale Reaktionen

Berichte von der Niederschlagung des Volksaufstands sowie der sich anschließenden Verfolgungswelle wurden im Ausland überwiegend mit Bestürzung aufgenommen. Insbesondere in der Sowjetunion war man entrüstet über die brutale Behandlung der deutschen Arbeiterklasse durch die faschistische Burgeouisie. Stalin nahm sie zum Anlass, die Arbeiter aller Länder zum gemeinsamen Aufstand gegen Faschismus und Kapitalismus aufzurufen. Der britische Premierminister Lord Halifax geißelte vor allem die deutsche Wirtschaftspolitik, die er als maßgeblich verantwortlich für das Leid der Zivilbevölkerung betrachtete.

Nachwirkungen

Reichsmarschall Göring, der zunächst von der Entwicklung der Ereignisse überrollt worden war, trat bereits am nächsten Morgen an die Mikrofone und verurteilte entschieden die Gewalt vonseiten der Demonstranten, wies aber zugleich dem Militär eine Mitschuld an der schlussendlichen Eskalation zu. Als eine erste Sofortmaßnahme musste Wehrkreiskommandant Curt Haase seinen Posten räumen. Gegen drei Soldaten, die als erste das Feuer eröffnet hatten, wurden Militärstrafverfahren eingeleitet, die mit der unehrenhaften Entlassung aus dem Militärdienst endeten. Göring wollte so der Bevölkerung demonstrieren, dass er grundsätzlich verstanden hatte, welches Signal die Arbeiter mit ihren Streiks setzen wollten.

Reichsmarschall Hermann Göring bei seiner Ansprache vom 2. Mai 1942

Göring versprach konkret die Behebung der Rohstoffknappheit durch Zurückfahren der Rüstungsproduktion, eine Ankurbelung der Privatwirtschaft und ein Maßnahmenpaket zur Sicherstellung der Lebensmittelversorgung. Zum Sündenbock für die verfehlte Autarkiepolitik machte der Reichsmarschall den Wirtschaftsminister und Reichsbankpräsidenten Walther Funk, der schon am nächsten Tag aus seinem Amt entlassen wurde. Neuer Präsident der Reichsbank wurde der bisherige Vizepräsident Emil Puhl, während das Wirtschaftsministerium an einen von Görings Vertrauten, den Staatssekretär Erich Neumann, fiel, der nun energisch daranging, die Wirtschaft neu aufzustellen. In wesentlichen Teilen orientierte er sich dabei an den Vorschlägen Erhards und forcierte eine Öffnung der deutschen Volkswirtschaft gegenüber dem Außenhandel und ausländischen Investitionen. Göring seinerseits kündigte eine Rückbesinnung auf den "deutschen Forscher- und Erfindergeist" und die "Schaffenskraft des deutschen Arbeiters" an, die wesentliche Garanten des zukünftigen Wirtschaftsaufschwungs sein würden. Privatinitiative solle stärker unterstützt und innovative Produkte vom Reich besonders gefördert werden.

Auch andere Branchen, insbesondere die Automobilindustrie, wurden kräftig angekurbelt, vor allem auch, da man sich durch den massenhaften Absatz von Autos, Radiogeräten und perspektivisch auch Fernsehern einen kräftigen Anstieg des Exportvolumens versprach, das wiederum die Devisenreserven stabilisiert hätte. Die Rohstoffe wurden entsprechend dieser neuen Zielvorgaben umgelenkt und dadurch notwendigerweise auch eine weitere massive Drosselung der Rüstungsproduktion bewirkt. Das Großdeutsche Reich stieg damit de facto aus dem Wettrüsten mit Großbritannien und der Sowjetunion aus. Das Militär nahm diese Einschränkungen zähneknirschend hin.

Mit der Zeit konnten die Einschränkungen und Hürden im Wirtschaftsleben, die in den letzten Jahren entstanden waren, zurückgefahren werden. Bis 1960 konnte die inländische Preisregulierung schrittweise aufgehoben werden, was zwar einen nicht unerheblichen Wertverlust der Reichsmark mit sich brachte, aber zugleich auch einen förderlichen Effekt auf das Engagement der Gewerbetreibenden hatte, da sie nun ohne Kartellzwang wieder in Konkurrenz zueinander treten konnten. Es stellte sich ein profundes wirtschaftliches Wachstum ein, das Göring und Neumann erfolgreich als Ergebnis ihrer harten Arbeit und ihres rastlosen Einsatzes präsentieren konnten. Tatsächlich förderten die Maßnahmen der Reichsregierung die wirtschaftliche Erholung in erheblichem Maße, doch die zentrale Weichenstellung für das "Wirtschaftswunder" erfolgte in der Außenpolitik, wo Großbritannien versuchte, Europa für eine geschlossene antikommunistische Front zu gewinnen und diese Initiative vom Großdeutschen Reich dankbar aufgenommen wurde. Besonders dem neuen britische Premierminister Halifax, der nach dem Tod Neville Chamberlains dessen Nachfolger geworden war, lag viel daran, die militärische Stärke des Reiches gegen Stalin auf seiner Seite zu wissen. Großbritannien befand sich bereits seit 1940 im Krieg mit der Sowjetunion, der sich weiter ergebnislos hinschleppte. Um Unterstützung in diesem Kampf zu gewinnen, war man bereit, weit auf das Großdeutsche Reich zuzugehen und insbesondere auch über eine Rückgabe der deutschen Kolonien zu verhandeln, die 1943 schließlich erfolgte.

Dennoch war zunächst der maßgeblichere und unmittelbarere Effekt der neuen Wirtschaftspolitik eine Phase extremer Austerität, um die deutsche Staatsverschuldung abzubauen. Dazu wurden Sozialleistungen gestrichen und Steuern erhöht. Erst zum Beginn der 50er Jahre hin konnte die strikte Sparpolitik aufgegeben werden. 1961 waren schließlich die letzten Auslandsschulden getilgt.

Ereignisse (EUWR)

Kalter Krieg (1936-...) | Britisch-Sowjetischer Krieg (1939-1943) | Operation Josua (1941) | Volksaufstand im Großdeutschen Reich (1942) | Himmlerputsch (1943) | Palästinischer Bürgerkrieg (1944-1946) | Jugoslawienkrieg (1951-1955) | Leipziger Revolte (1963)

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